06.07.2014, 17:55 Uhr

Hof Meyer zu Reckendorf: Wandel zur Pferdepension Keine Spur von Bauernhof-Romantik

Daniel Meyer zu Reckendorf hat die Zügel der Pferdepension in Bissendorf-Kronsundern wie hier bei Fiano und Casey fest in der Hand. Foto: Stefanie PreuinDaniel Meyer zu Reckendorf hat die Zügel der Pferdepension in Bissendorf-Kronsundern wie hier bei Fiano und Casey fest in der Hand. Foto: Stefanie Preuin

Bissendorf. Schweine, Kühe, Pferde, Hühner, Puten, dazu Katze und Hofhund. Viele Höfe im Osnabrücker Land waren Anfang der 70er-Jahre so ein „Gemischtwarenladen“. Auch dem Hof Meyer zu Reckendorf in Kronsundern fehlte noch die Spezialisierung. Heute bestimmen Pferde das wirtschaftliche Ziel auf dem 40-Hektar-Hof.

Die Bauernhof-Romantik alter Prägung ist heute einem modernen Reiterhof gewichen, dessen Hauptstandbein eine Pferdepension ist. Die Pferdezucht mit einigen Erfolgen seit Ende der 70er-Jahre hat sich inzwischen ebenfalls gewandelt. Einst das ambitionierte Ziel von Uwe Meyer zu Reckendorf (54) macht heute betriebswirtschaftlich wenig Sinn, sodass Sohn Daniel (27), gelernter Landwirt und staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt, nach Hofübernahme 2011 die Zucht zurückgefahren hat. Stattdessen wurde in den Pensionsbetrieb für Pferde investiert.

Mitte der 60er-Jahre hatte sich Reinhold Meyer zu Reckendorf entschieden, verstärkt mit Pferden zu arbeiten. Bis dato lief der Hof als Nebenerwerbsbetrieb, weil mit den Erlösen die Familie allein nicht zu ernähren war. Nach den ersten Zuchterfolgen und dem Einstieg des Sohnes Uwe Meyer zu Reckendorf, gelernter Landwirtschafts- und Pferdewirtschaftsmeister, wurde die Milchviehhaltung aufgegeben und ganz auf Sportpferdezucht und Pferdepensionshaltung gesetzt. Die Pferdepension feiert demnächst ihr 30-jähriges Bestehen.

Dass Sohn Daniel sich heute immer mehr von der Pferdezucht verabschiedet, macht Vater Uwe aber doch zu schaffen. Zu sehr ist der Senior geprägt von den Erfolgen in diesem Bereich. Mit „El Paso“ gelang der Durchbruch, Reiter Paul Schockemöhle ritt Ende der 70er bedeutende Erfolge ein. Das Zuchtgeschäft war Erfolg versprechend, in den 90er- Jahren hatte MzR, wie der Hof kurz genannt wird, zehn Zuchtstuten. Ihre Stammbäume und die der zugeführten Hengste ließen großartigen Nachwuchs erwarten.

Heute ist diese Zeit vorbei. Daniel hat seinem Vater die Augen für die betriebswirtschaftliche Seite der Zucht geöffnet. Im weltweiten Markt haben sich die Vermarktungsstrukturen verschoben. Daniel MzR: „Der Markt ist heute übersättigt, die Kosten für die Aufzucht sind kaum zu decken.“ Marktkenner wissen: Ein Fohlen zu züchten kostet viel Geld, u. a. für Deckgebühren bzw. Spermakosten, Tierarzt und Zusatzfutter. Und bei allem gibt es keine Garantie, dass für ein Fohlen ein guter Preis erzielt werden kann. Ein Dreijähriger müsste heute etwa 8000 Euro bringen, während ein Fünfjähriger als fertig ausgebildetes Sportpferd mit guter Abstammung heute etwa 15000 Euro kostet. So setzt der junge Chef auf dem Hof auf die Pferdepension. 60 Pferde pflegt MzR für seine Kunden. Ihnen soll es gut gehen: Morgens um 7 Uhr auf die Weide, nachmittags gegen 17 Uhr zurück in den geräumigen Stall. Der Weideservice nimmt rund eineinhalb Stunden für zwei Mitarbeiter in Anspruch, erläutert Meyer zu Reckendorf. Für die Unterbringung gibt es unterschiedliche Komfortklassen: Innenboxen an der Reithalle oder mit angrenzendem Paddock, Offenställe und Laufboxen.

Die Vollpension beinhaltet Kraftfutter, Einstreu (Stroh), Heu oder Heulage und natürlich regelmäßiges Ausmisten. Drei Reithallen und Außenreitplätze stehen zur Verfügung. Das Futter baut MzR selbst an. Auf zwölf Hektar reifen Hafer und Gerste, auf 25 Hektar wächst Gras, das zweimal jährlich geschnitten wird. Das reicht für ein Jahr und 60 Pferde. Stroh für die Einstreu übernimmt er direkt vom Feld benachbarter Landwirte und lagert es ebenfalls ein. Über 1000 Ballen sind das neben über 600 Rundballen Heu, von denen täglich etwa zwei Ballen in die Raufen kommen. Uwe und Daniel schwören auf ihr hochwertiges Pferdefutter. Die Fütterung werde stets an den Leistungs- und Lebensstand des Pferdes angepasst und mit dem Pferdebesitzer abgestimmt. Dazu gehören auch das Kraftfutter aus Hafer und Gerste sowie hochwertige Futteröle.

Tägliche frische Stroheinstreu in den Boxen bedeutet auch tägliches Ausmisten. Da bleibt am Ende viel übrig. Der Pferdemist wird verwertet in Champignon-Zuchten in Holland. Dass auch der eine oder andere Hobbygärtner die Güte des natürlichen Düngers hoch einschätzt, zeigt sich immer wieder in Anfragen.

Die Stallgemeinschaft auf dem Hof in Kronsundern besteht zum größten Teil aus Freizeitreitern, aber auch aus Reitern mit Turnierambitionen sowie Jagd- und Geländereitern. Den Pensionspferden wird freie Bewegung und Kontakt zu Artgenossen auf den rund 40 Hektar Weideflächen gewährt. Bis zu sechs Pferden oder Ponys sind in eine kleine Herdenstruktur eingeteilt. Dieses bietet jedem Pferd ein artgerechtes „Weideleben”, erläutert Senior Uwe Meyer zu Reckendorf.

Der 54-Jährige hat den Weg des Hofes vom Nebenerwerbsbetrieb zur florierenden Pferdepension begleitet – mit Höhen und Tiefen. Zwei Jahre nachdem er den Hof in die Verantwortung seines Sohnes Daniel gegeben hat, resümiert er: „Mein Sohn führt den Betrieb besser als ich, Wochenenden und Urlaube sind vernünftig geregelt.“ Und: „Für uns ist es wichtig, dass wir zufrieden sind.“


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