31.10.2016, 10:59 Uhr

Mondforscherin und vielleicht Astronautin Fiona Thiessen aus Belm will als erste Deutsche ins All

Die Vehrterin Fiona Thiessen möchte die erste deutsche Frau im All werden. Foto: Juliana SocherDie Vehrterin Fiona Thiessen möchte die erste deutsche Frau im All werden. Foto: Juliana Socher

Belm. Wird eine junge Frau aus dem Belmer Ortsteil Vehrte die erste deutsche Frau im All? Fiona Thiessen, im Hauptberuf passenderweise Mondforscherin, ist unter den letzten 86 Kandidatinnen für eine Reise zur ISS.

Bei der Vorstellung, dass plötzlich Außerirdische auf der Erde landen, dürfte den meisten Menschen ziemlich mulmig werden. Dafür sind die Aliens in den maßgeblichen Hollywood-Filmen dann doch zu aggressiv. Für Fiona Thiessen ist die Invasion aus dem All aber kein angstbesetztes Thema: „Also ich fände das sehr spannend“, sagt sie mit einem breiten Lächeln. (Weiterlesen: „Zurück in die Zukunft“ wird real: Der ewige Menscheinheitstraum – Zeitreisen sind möglich)

Extrem neugierig und an der ganzen Welt interessiert war Fiona Thiessen schon immer. Doch seit ein paar Jahren schaut sie mit einem ganz anderen Blick als der Normalbürger in den Nachthimmel – denn sie ist Mondforscherin.

Abitur am Carolinum

Nach ihrem Abitur am Osnabrücker Gymnasium Carolinum studierte Fiona Thiessen Geowissenschaften an der Universität Münster. Wie die Erde aufgebaut ist, wie Berge jetzt aussehen und wie sie vor vielen tausend Jahren einmal ausgesehen haben müssen, das faszinierte sie. An dieser Begeisterung hat sich nichts geändert, doch mittlerweile ist der Erdtrabant in das Zentrum ihres Interesses gerückt.

„Ich habe meine Masterarbeit schon über den Mond geschrieben, da ging es allerdings noch um Beobachtungen.“ Seit zweieinhalb Jahren setzt sie sich mit dem Thema so unmittelbar auseinander, wie es auf der Erde nur möglich ist. Denn Fiona Thiessen untersucht Mondgestein, das bei den Expeditionen auf den Erdsatelliten in den 70er-Jahren gesammelt wurde. (Weiterlesen: Rohstoffe im Blick – Mondlandung: China denkt an bemannte Mission)

Pakete von der NASA

„Bei uns im Labor kommen regelmäßig Pakete an, auf denen ganz dick ‚NASA‘ steht. Das ist natürlich etwas Besonderes, für das Material hat mein Chef eine Menge Geld bezahlt, und damit muss man auch sehr vorsichtig ein.“

Ihre Forschungen macht Fiona Thiessen in Stockholm. Dort fand man ihre Initiativ-Bewerbung offenbar so überzeugend, dass man sie ohne Interview als Doktorandin einstellte.

Unter den letzten 86

Deutlich mehr muss die Vehrterin aufbringen, um ihren großen Traum zu verwirklichen. Denn Fiona Thiessen will ins All – und dieser Traum könnte Wirklichkeit werden. Denn Fiona Thiessen ist unter den letzten 86 Kandidatinnen einer Initiative, die die erste deutsche Astronautin sucht. (Weiterlesen: Erstmals zwei Frauen bei Stammbesetzung der ISS)

Initiatorin des Projektes ist Claudia Kessler, selbst Ingenieurin für Luft- und Raumfahrttechnik und Chefin einer Personalvermittlung für die Raumfahrtbranche. Die Kosten des Projekts tragen private Sponsoren, denn die erste Deutsche im Weltall wird nicht als Berufsastronautin zur ISS fliegen, sondern als kommerzielle Besucherin, im Grunde also als Weltraumtouristin.

Nächste Bewerbungsrunde Mitte November

Die Kosten des Auswahlverfahrens trägt das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum in Hamburg, wo Fiona Thiessen Mitte November versuchen wird, es in die nächste Runde der besten 30 Bewerberinnen zu schaffen.

„Es ist der Wahnsinn, dass ich jetzt schon so weit gekommen bin.“ Für ihr einminütiges Bewerbungsvideo habe sie ein Freund einfach dabei gefilmt, wie sie sich vorstellt. Andere Kandidatinnen hätten einen richtigen Film mit professionellem Schnitt vorgelegt.

Viele Auswahltests stehen an

Nach einem Interview und unzähligen Fragebögen hat Fiona Thiessen rund 400 andere Bewerberinnen hinter sich gelassen. Jetzt bereitet sie sich auf weitere psychologische, kognitive, sprachliche und technische Auswahltests vor. Im Frühjahr 2017 sollen dann zwei Kandidatinnen feststehen, die anschließend ihre Ausbildung beginnen. 2020 wird dann laut Projektplan eine von den beiden für zehn Tage zur internationalen Raumstation ISS fliegen. (Weiterlesen: Auf zur Space Academy – Meppener macht Astronautentraining in Alabama)

Fiona Thiessen wäre zu gerne die Auserwählte, denn spätestens seitdem sie vor einem Jahr den deutschen Astronauten Alexander Gerst getroffen hat, träumt sie von der Reise ins All. „Das war wahnsinnig inspirierend, danach bekam ich erst eine Vorstellung davon, dass das wirklich möglich ist.“

Sollte sie es nicht schaffen, werde sie das Projekt trotzdem weiterhin unterstützen. „Ich finde es großartig, und es wäre doch wirklich an der Zeit, dass nach elf Männern auch mal eine deutsche Frau ins All fliegt.“

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