20.10.2016, 11:34 Uhr

Lechtinger Straße Der viele Verkehr nervt die Vehrter

Schwerlastverkehr und zu hohe Geschwindigkeiten: Anwohner der Lechtinger Straße sind genervt. Foto: Kerstin BalksSchwerlastverkehr und zu hohe Geschwindigkeiten: Anwohner der Lechtinger Straße sind genervt. Foto: Kerstin Balks

Belm. Die Straße ist nicht sonderlich breit und eigentlich gibt es genügend Gründe, hier aufs Tempo zu achten. Und doch brettern die Autos, vor allem die Lkw, vielfach mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Lechtinger Straße (L109) durch Vehrte. Die Anlieger sind mehr als genervt und fordern Gegenmaßnahmen.

In Vehrte, so sagen die Betroffenen, werde gern auf die Tube gedrückt. Die Folge: Lärm, Gefährdung von Anwohnern und anderen Verkehrsteilnehmern, umgefahrene Mülltonnen, Schäden an parkenden Fahrzeugen und baulichen Einrichtungen; nicht zuletzt auch straßenbaulichen, wie Dellen in Leitplanken und ausgefahrene Banketten belegen.

„Wenn sich hier zwei Lkw begegnen, müssen sie einander ausweichen und fahren auf die Bankette“, sagt Hartmut Stagge, der an der Lechtinger Straße wohnt. Der pensionierte Polizist hat nachgemessen: 5,60 Meter misst die Fahrbahn im Querschnitt. „Zu schmal für den Schwerlastverkehr“, ist er sich sicher und verweist auf die seit 2013 gültige Richtlinien für die Anlage von Landstraßen, kurz RAL. Danach muss eine Landstraße eine Fahrbahnbreite von 6,50 Meter aufweisen. So ist der gängige Standardquerschnitt bei einer Belastung von 15000 Kraftfahrzeugen pro Tag definiert.

Derzeit Umleitungsstrecke

Laut Landkreis Osnabrück, der für die Verkehrsregelung auf der Landesstraße 109 zuständig ist, wurde bei der Verkehrsuntersuchung für den A33-Lückenschluss im Jahre 2013 eine Verkehrszählung durchgeführt und dabei eine Belastung von täglich 3100 Kraftfahrzeugen mit einem Schwerverkehranteil von 4,83 Prozent ermittelt.

Die letzte amtliche Verkehrszählung auf Landesstraßen habe im Jahr 2015 stattgefunden, so der Landkreis auf Anfrage unserer Redaktion. Deren Ergebnisse lägen zwar noch nicht vor, es gebe jedoch keine Erkenntnisse, wonach sich bis heute etwas Wesentliches am Verkehrsaufkommen geändert habe. „Beide Zählungen weisen eine für eine Landesstraße geringe Verkehrsbelastung mit niedrigem Schwerverkehranteil nach. Aktuell besteht eine höhere Verkehrsbelastung, da die L109 seit Anfang Mai und voraussichtlich noch bis Ende 2016 als Umleitungsstrecke wegen der Vollsperrung der Ortsdurchfahrt Venne im Zuge der B218 eingerichtet ist“, heißt es in der Stellungnahme der Kreisverwaltung.

„Verkehr sucht sich den Weg“

Und wie sehen das die Anwohner? Was wollen sie? Eine Verbreiterung der Fahrbahn wird es wohl nicht sein. Ein zusätzliches Tempo-50-Schild halten sie für angebracht. „Mehr Blitzer und das zu Spitzenzeiten, das wäre schon mal eine Maßnahme“, findet Ulrich Brinkmann. „Und wir wünschen uns die Errichtung einer Geschwindigkeitsanzeige und eine erneute Verkehrszählung“, ergänzt Stagge. Von den sich dabei ergebenden Zahlen würden sich nach seiner Auffassung weitere Maßnahmen ableiten, sprich: die Sperrung der Straße für den Schwerlastverkehr.

Rainer Kuhlmann, der bei der Gemeinde Belm im Fachbereich Sicherheit und Ordnung für Straßenverkehrsangelegenheiten zuständig ist, verweist auf die Tatsache, dass es sich um eine Landesstraße handelt. Die Gemeinde könne eine weitere Verkehrsschau beantragen, deren Durchführung dem Landkreis obliege. Eine Tafel zur Anzeige und Messung der Geschwindigkeit unterscheide nicht nach Verkehrsmitteln und werde zudem von der Gemeinde auf den Gemeindestraßen, an Kindergärten und Schulen gebraucht. „Der Verkehr sucht sich immer den effizientesten Weg“, gibt Kuhlmann zu Bedenken und setzt auf eine Verbesserung der Situation an der Lechtinger Straße, wenn die Belmer Ortsumgehung erst einmal fertiggestellt ist.

„Nicht auszuhalten“

Der Landkreis verweist darauf, dass in Höhe Kortlüke regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt würden und auch demnächst eine solche vorgesehen sei. Die festgestellten Überschreitungen hätten aber bisher überwiegend im niedrigen Bereich gelegen. Weitere verkehrslenkende beziehungsweise -regelnde Maßnahmen seien derzeit weder erforderlich noch beabsichtigt. Dies gelte auch für Beschränkungen des Lkw-Verkehrs.

Die Vehrter sehen das anders. „Es ist nicht auszuhalten, wenn die Laster mit 100 Sachen am Haus vorbeifahren“, sagt eine Anwohnerin als gerade ein langer Sattelschlepper vorbeidonnert. Sie und die anderen sind sich sicher, dass der Verkehr zugenommen hat – durch den Bau der B51 und die damit verbundenen Umleitungen durch Vehrte, vor allem machen die Lärmgeplagten ein Schild dafür verantwortlich: „Seitdem an der B51-Abfahrt Haaren die Autobahn in Wallenhorst ausgeschildert ist, muss Vehrte vermehrt Verkehr ertragen“, sind sie sich sicher. Der Landkreis stuft die Auswirkungen des Schildes als eher gering ein, „da die Mehrzahl der Verkehrsteilnehmer aus östlicher Richtung kommend vermutlich über die B218 in Richtung A1 bei Bramsche fährt“.

Unterführung geplant

Dennoch stehen Veränderungen ins Haus, darauf weist der Landkreis in der Stellungnahme hin: „Voraussichtlich in 2017/18 wird der höhengleiche Bahnübergang im Zuge der L109 aufgehoben und durch eine planfreie Kreuzung ersetzt. Hierzu werden eine Straßenunterführung in einem Trogbauwerk und eine neue Eisenbahnbrücke gebaut. Im Trogbauwerk werden die L109 und ein kombinierter Geh-/Radweg unterführt. Dadurch wird die Fahrt auf der L109 grundsätzlich attraktiver. Die Auswirkungen dieser Maßnahme auf die Verkehrsbelastung bleiben abzuwarten.“


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