10.06.2016, 13:51 Uhr

Geologie der Belmer Ortsumgehung Neue B51 erlaubt Einblick in die Erdgeschichte


Belm. Autofahrer fahren in Belm auf der Trasse der neuen Bundesstraße 51 durch eine ehemalige Wüste, die immer mal wieder überflutet wurde. Das erzählen die Erdschichten, die durch den Bau der Schneise in den Hang des Schinkelbergs für die Ortsumgehung sichtbar wurden.

Es ist Gestein aus der Keuperzeit, das den Abschnitt des neuen Autobahn-33-Zubringers säumt, erläutert die Geologin Angelika Leipner vom Museum am Schölerberg. Sie hatte im zurückliegenden Winter die Gelegenheit genutzt, den Einschnitt zu besuchen, als die Bauarbeiten noch in vollem Gange waren – alles abgestimmt mit der Bauleitung. Denn ein Betreten der Baustelle war für Privatleute nicht nur verboten, sondern auch lebensgefährlich. Und jetzt, wo dort der Verkehr fließt, ist ein Betreten gar nicht mehr möglich, betont die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. (Weiterlesen: Kampf mit dem Schinkelberg für Belmer Ortsumgehung)

220 Millionen Jahre Erdgeschichte

Ausgerüstet mit Hammer und Meißel förderten Leipner und ihre Kollegen einige Fossilien und Mineralien zutage. Die untersten Schichten des 14 Meter tiefen Einschnitts im Schinkelhang sind rund 220 Millionen Jahre alt, die oberen etwa 205 Millionen Jahre. Die Keuperzeit zählt zur oberen Trias, in der die ersten Dinosaurier auf der Bildfläche erschienen. Die Erde, das war damals ein einziger zusammenhängender Kontinent: Pangaea.

Raum Osnabrück war eine Wüste

Osnabrück lag etwas südlicher als heute in einer riesigen, weiten Ebene. „Hier herrschte heißes, trockenes Kontinentalklima“, erläutert Leipner. Für den Laien ist das einfach zu erkennen: Das Tongestein ist rötlich. Nicht alle 15 Millionen Jahre, die in dem B51-Einschnitt am Schinkel stecken, lassen sich ablesen. Immer mal wieder wurde die Region überflutet, dann wieder verdunstete das Wasser.

Schillernde Kristalle

Wenn Wasser verdunstet, bleibt Salz über. Im weichen Sand bildeten sich schließlich Mineralienknollen mit Hohlräumen, die sich wiederum mit Mineralien füllten. Das Ergebnis dort, wo ein Teil des Hohlraumes übrig bleibt, sind glitzernde, teils glasklare Kristalle. Schon das Baustellenbüro der Firma Bunte war voll davon – schmucke Souvenirs der Bauarbeiter für sich selbst und ihre Familien. Einige der von außen unscheinbaren Mineralienknollen hat Leipner mit an den Schölerberg genommen. Erst wenn man sie aufbricht, offenbaren sie ihren Schatz.

Pyritkristalle und Zähne

Darüber hinaus fanden sie und ihre Kollegen in einer Schicht über den Knollen Pyrit-Kristalle, die perfekte kleine Würfel und sogar Pyritoeder mit mehr Flächen bilden. Und noch ein Stückchen höher wurden die Wissenschaftler positiv überrascht: Sie fanden sehr gut erhaltene Lebensformen, unter anderem einen großen Fischzahn, Schuppen, kleine Knochen, mikroskopisch kleine Pflanzenreste, aber auch verfüllte Gänge, die irgendwelche Tierchen gegraben haben – welche, lässt sich anhand des Gesteins nicht ablesen.

Zwischen Teuto und Wiehengebirge

Gestein aus der Keuperzeit ist von Osnabrück über Melle bis ins westfälische Lemgo zu finden, so Leipner, also in dem Bereich zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge. Die Hügelketten und mit ihnen auch Schinkel- sowie Piesberg sind übrigens entstanden durch ein Zusammenspiel aus dem Druck der afrikanischen Kontinentalplatte gegen Europa, der Eiszeit und witterungsbedingtem Oberflächenabtrag. Eine komplette Profilanalyse des B51-Einschnitts war für die Forscher nicht nötig – die ist schon gemacht worden, als der nahe Osnabrücker Fernsehturm gebaut wurde, festgehalten in dem Buch „Geologie des Osnabrücker Berglandes“.

Bauarbeiten gehen weiter

Angelika Leipner und ihre Kollegen hatten gehofft, dass die Bauarbeiter der Firma Bunte noch tiefer graben und Schilfsandstein erreichen. Aber es ist ja noch nicht zu spät. Als nächstes wird für die Belmer Ortsumgehung schließlich noch die Unterführung für die A33 unter der Bremer Straße gebaut.

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