20.04.2017, 16:20 Uhr

Mit Bierflaschen zugeschlagen Bewährung nach Kneipenschlägerei in Bad Rothenfelde

Türschild am Amtsgericht Bad Iburg. Foto: Michael SchwagerTürschild am Amtsgericht Bad Iburg. Foto: Michael Schwager

Bad Rothenfelde/Dissen. Zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilte das Amtsgericht Bad Iburg einen 31-Jährigen, der in Dissen nach einer Trunkenheitsfahrt Polizisten attackierte. Außerdem verletzte er einen Bad Rothenfelder Wirt, in dem er ihn mit einem mit Bierflaschen gefüllten Jutebeutel gegen den Kopf schlug.

Der Angeklagte räumte ein, trotz eines Blutalkoholgehalts von rund 2,8 Promille durch Dissen gefahren zu sein, wo er gegen einen Zaun fuhr. Es entstand ein Schaden von gut 1000 Euro, den der Dissener inzwischen beglichen hat. Auf dem Polizeirevier soll der 31-Jährige anschließend ausgerastet sein, woran dieser sich jedoch nur noch vage erinnern konnte. Nach Aussage eines Beamten trat der Beschuldigte um sich und beschimpfte die Polizisten sowie einen Arzt unter anderem als „Arschlöcher“. Erst als man ihn mit vier Beamten am Boden fixierte, habe der Arzt eine Blutprobe entnehmen können.

Angeklagter: Wirt wollte mich schlagen

Der Dissener bestritt, einen Bad Rothenfelder Wirt vor dessen Gaststätte mit einem Jutebeutel geschlagen zu haben, in dem sich mehrere Bierflaschen befanden. Viel mehr sei es so gewesen, dass der Wirt ihn, nachdem er von einem anderen Gast auf dem Weg zur Toilette angerempelt worden war, des Lokals verwiesen habe. Draußen habe der Wirt ihn, begleitet von zwei bis drei Männern, ins Gesicht schlagen wollen. Dabei sei er jedoch hingefallen und habe sich so eine Platzwunde am Hinterkopf zugezogen. Die Freunde des Wirts hätten den Angeklagten dann getreten und zu Boden geworfen. Der Angeklagte erklärte, zwar einen Jutebeutel mit Bier dabei gehabt zu haben, der jedoch in der Kneipe geblieben sei. Ein Atemalkoholtest bei dem Dissener ergab einen Wert von 2,45 Promille.

Wirt am Kopf verletzt

Der Wirt bestritt, dass er den 31-Jährigen schlagen wollte. Dieser habe in der Kneipe gepöbelt, woraufhin er ihn nach draußen begleitet habe: „Ich habe nicht gesehen, dass er eine Tasche dabei hatte.“ Der Dissener habe ihn am Hinterkopf getroffen, wodurch er eine Platzwunde erlitten habe. „Danach wollte er immer noch auf mich drauf“, so der 47-Jährige. Das Gericht vernahm eine Reihe weiterer Zeugen, darunter den Begleiter des Angeklagten sowie mehrere Kneipengäste. Alle kamen jedoch später zu dem Geschehen hinzu, als der Wirt bereits am Kopf blutete. Zwei Polizisten erklärten, dass sie am Tatort sowohl einen nassen Jutebeutel als auch Scherben vorfanden.

Staatsanwältin beantragt Bewährung

Die Staatsanwältin sah sämtliche Vorwürfe bestätigt, auch wenn kein Zeuge einen Schlag beobachtet hatte. „Die objektiven Beweismittel passen“, erklärte sie angesichts des Jutebeutels und der Scherben vor der Kneipe. Sie forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Außerdem beantragte sie, dass der Angeklagte sich einer Alkoholtherapie unterzieht und eine Geldauflage von 2000 Euro zahlt. Die Vertreterin des Wirts, der als Nebenkläger auftrat, schloss sich dem an.

Verteidiger bezweifelt Schläge

Der Verteidiger sah es nicht als erwiesen an, dass sein Mandant den Wirt geschlagen hat. Es sei nicht sicher, dass der Jutebeutel vor der Kneipe der Jutebeutel des 31-Jährigen war: „Ich weiß nicht, wie viele Jutebeutel in Bad Rothenfelde herumliegen.“ Er beantragte Freispruch. Was die Trunkenheitsfahrt und den anschließenden Ausraster auf der Polizeiwache betraf, forderte er eine Geldstrafe von maximal 120 Tagessätzen.

1500 Euro Geldauflage

Der Richter verurteilte den Dissener zu neun Monaten Haft auf Bewährung, zudem muss er 1500 Euro an die Opferhilfe zahlen. Eine Fahrerlaubnis kann er frühestens in 14 Monaten neu beantragen. „Ich glaube nicht an den Zufall, dass ein anderer Jutebeutel auf der Straße auftaucht“, meinte der Vorsitzende. Dem Angeklagten riet er dringend, seine begonnene Suchttherapie fortzusetzen: „Sie müssen endlich Ihr Alkoholproblem in den Griff kriegen.“ Ansonsten drohe ihm bei weiteren Straftaten die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt.

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