09.04.2014, 16:47 Uhr

Potenzial, aber Handlungsbedarf Zu wenige Besucher in Bad Rothenfelder Carpesol

Neu, ästhetisch, edel: Die Therme im Herzen Bad Rothenfeldes hat viel zu bieten. Aber das hat sich noch nicht so herumgesprochen, wie es sich die Gemeinde wünscht.Foto: Gert WestdörpNeu, ästhetisch, edel: Die Therme im Herzen Bad Rothenfeldes hat viel zu bieten. Aber das hat sich noch nicht so herumgesprochen, wie es sich die Gemeinde wünscht.Foto: Gert Westdörp

sta Bad Rothenfelde. Schließen soll Bad Rothenfelde sein Carpesol nicht. Die Tourismus-Experten von Project m geben eine „positive Fortführungsempfehlung“ ab. Eine Überraschung? Kaum. Wie auch manch anderer Tipp in dem 71-seitigen Gutachten.

Eine „Betriebs-, Markt- und Potenzialanalyse zur Situation und Entwicklung der Therme Carpesol“ hat die Unternehmensberatung für Tourismus und Freizeit ein gutes halbes Jahr nach der Eröffnung erstellt. Denn so richtig rund läuft das Geschäft in der 19 Millionen Euro teuren Wellnessoase nicht. Die Besucherzahlen sind ausbaufähig. Und die Gemeinde muss noch 700000 Euro für die Deckung der Baukosten über den vereinbarten Festpreis hinaus lockermachen. Für die Genehmigung der Kreditaufnahme durch die Kommunalaufsicht kann die Fortführungsempfehlung des 15000 Euro teuren Gutachtens nur hilfreich sein.

Was raten die Freizeitforscher? Kurz gefasst acht Dinge: eine klare Profilierung als Premium-Gesundheitsbad mit dem Fokus Gesundheitsförderung (nicht Therapie, darum soll sich Bad Laer im neuen Solevital kümmern), preiswertere Einzel- und All-inclusive-Tarife, bessere Familienangebote, Kurse, mehr Werbung, das Vertreiben der Nicht-Schwimmer vom Carpesol-Parkplatz, eine bessere Vermarktung des Irisch-Römischen Dampfbades und ein schickes Hotel neben der Therme. Erfahrungsgemäß zieht die Verbindung einer edlen Therme mit einem ebensolchen Hotel Besucher an. Kurzfristig dürfte dieser Wunsch allerdings kaum zu realisieren sein, auch wenn die Carpesol-GmbH als Betreibergesellschaft für das Bad großes Interesse am Bau und Betrieb eines Viersternehauses hat.

Andere Forderungen hat der Ende 2013 eingesetzte Interims-Geschäftsführer Helmut de Witt bereits erfüllt: So kostet die Tageskarte für alle Angebote vom Schwimmen bis zu Sauna und Römisch-Irischem Spa statt 24 nun 20 Euro. Wer nur baden möchte, kann das zwei Stunden lang für zehn Euro tun. Und es gibt spezielle Angebote für die Rothenfelder. Außerdem zeigt der Kursplan: Es gibt an jedem Wochentag feste Termine, von der kostenlosen Wassergymnastik bis zum Baby-Schwimmen.

Grundlage der Empfehlungen ist eine Stärken-Schwächen-Analyse. Die Liste der Versäumnisse ist dabei nicht ganz kurz: Das Carpesol nutzt sein Potenzial aus seiner guten Lage und dem großen Einzugsgebiet zu wenig. Die überregionale Bekanntheit des früheren Hallesolewellenbades wurde nicht ausgeschöpft. In der Eröffnungsphase fehlten Kurse angeboten. Der Wellnessbereich ist zu wenig auf das Thema Gesundheit ausgerichtet. Es gibt kein offensichtliches Familienangebot. Das Sportbecken ist von der Therme nicht genügend getrennt. Der Mehrwert für den hohen Eintrittspreis wurde nicht kommuniziert. Die Startpreise zur Eröffnung hätten gar eine abschreckende Wirkung gehabt. Für das Alleinstellungsmerkmal Römisch-Irisches Dampfbad habe das Marketing gefehlt.

Gravierende Mängel, denn die Konkurrenz schläft nicht. Bad Rothenfelde steht im Wettbewerb mit Wasserwunderwelten wie der Bali-Therme in Bad Oeynhausen, dem Nettebad in Osnabrück, dem Ishara in Bielefeld oder dem Vitasol in Bad Salzuflen. Allein zehn der 13 Konkurrenzbäder lassen ihre Badegäste auch in Sole planschen.

Dabei könne sich, und das ist eine seiner Stärken, das Carpesol mit zehn Becken, vier Saunen und Dampfbad über „regionale Relevanz“ mit einer Strahlkraft bis in eine Entfernung von 60 Minuten Fahrzeit freuen. In diesem Radius wohnen zwischen Bramsche und Beckum, Altenberge und Lage drei Millionen Menschen. Project m errechnet daraus im schlechtesten Fall Besucherzahlen von 220000 im Jahr, im besten 295000 bis 320000. Im Moment, so die Prognose, kämen 258000. Ebenso auf der Haben-Seite: die Wohlfühlatmosphäre, hoch motiviertes Personal und ein tolles Restaurant.

Die meisten Besucher kommen bisher aus den Nachbarorten: Ganz vorne dabei, so eine Zählung im Januar, sind die Rothenfelder selbst, gefolgt von Osnabrückern, Versmoldern, Mellern, Bad Laerern, Münsteranern, Bielefeldern, Warendorfern, Harsewinklern, Georgsmarienhüttern, Hilteranern, Hallern usw. Ein Drittel der Carpesol-Kunden wohnt 21 bis 30 Kilometer weit entfernt, ein Fünftel fährt zwischen 31 und 40 Kilometer, acht Prozent immerhin weiter als 50 Kilometer.

Zielgruppe Nummer eins, findet Project m, sollten für das Carpesol Best Ager ab 55 sein, eine zahlungskräftige, Ruhe suchende Klientel, die sich ausgiebig um ihre Gesundheitsvorsorge kümmert. Auch gefragt: Entspannungssuchende ab Mitte 20, Ruhesuchende ab Mitte 30 und Familien. Wie diese Zielgruppen zusammenpassen – die künftigen Besucherzahlen werden es zeigen.


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