18.04.2017, 08:12 Uhr

Eine Alternative zum Hausarztbesuch Landkreis Osnabrück fördert Weiterbildung von Arzthelfern


Bad Laer. In aller Ruhe Hausbesuche machen, bei der Routineuntersuchung ein wenig plaudern, danach vielleicht noch eine Tasse Kaffee: Von der hausärztlichen Realität ist dieses Bild vergangener Tage längst meilenweit entfernt. Entlastung sollen mit Förderung durch den Landkreis die „Näpas“ oder „Verahs“ bieten.

Hinter den Abkürzungen stecken Weiterbildungsangebote für medizinisches Fachpersonal, die der Landkreis mit je 1000 Euro bezuschusst. „Diese Förderung ist ein Baustein, um die medizinische Versorgung in der Fläche für die Zukunft sicherzustellen“, erklärte Erster Kreisrat Stefan Muhle in der Hausarztpraxis von Dr. Michael Lingner in Bad Laer. Seit Sommer vergangenen Jahres übernimmt dort Antje Lingner als Versorgungsassistentin der Hausarztpraxis – kurz Verah – einen Teil der Hausbesuche.

Kein Ersatz für Hausarzt

Blutdruck messen, Blutzucker kontrollieren, Verbände wechseln: Es sind ausschließlich Routineaufgaben, die von den Verahs oder Näpas – kurz für nicht-ärztliche Praxisassistenten – übernommen werden, um den Hausarzt zu entlasten. Und die Resonanz der Patienten ist positiv, konnte Antje Lingner im ersten knappen Jahr feststellen. Denn die meisten von ihnen wissen um die angespannte Lage gerade im Bereich der hausärztlichen Versorgung. (Weiterlesen: Medizinstudiumreform gegen Hausärztemangel)

Kleines Licht im Tunnel

Die Weiterbildung könnte ein kleines Licht im Tunnel sein. Denn dessen Ausgang ist noch nicht in Sicht. Michael Lingner fürchtet vielmehr, dass schließende Praxen und fehlende Praxisnachfolge auch weiterhin ein Thema sein werden: „Das wird unsere Arbeit noch nachhaltig beeinflussen“, merkte der Bad Laerer Hausarzt an. Gerade Bad Laer kann nach drei Praxisschließungen in einem Jahr und nur einer Neueröffnung davon ein wenig harmonisches Lied singen. (Weiterlesen: Landärzte in Niedersachsen verzweifelt gesucht)

Berufsbegleitende Qualifikation

„Man kommt einfach nicht hinterher“, muss Lingner immer wieder feststellen. Als er von der Fördermöglichkeit für die Weiterbildung hörte, zögerte er deshalb nicht lange. Inzwischen bewilligte der Kreis seit Beginn der Förderung sechs Anträge, von denen einige schon abgeschlossen sind. Die Weiterbildung selbst erfolgt berufsbegleitend, ist nach Antje Lingners Erfahrung aber gut zu schaffen.

Kein Allheilmittel

Insgesamt 200 Stunden umfasste die Weiterbildung der gelernten Krankenschwester zur Verah beim Institut für hausärztliche Fortbildung, die mit einer acht- bis zehnseitigen Hausarbeit und einer Prüfung abschloss. Eine entscheidende Voraussetzung für die Förderung ist, dass die Qualifizierungsmaßnahme noch nicht begonnen wurde. Für den Kreis ist die Förderung allerdings kein Allheilmittel, sondern ein Mosaikstein unter vielen.

Auf Bedarf vor Ort reagieren

„Die medizinische Versorgung lässt sich nicht nach Schema F sicherstellen“, gab Stefan Muhle zu bedenken. Ziel des Landkreises sei es deshalb, mit verschiedenen Bausteinen auf den Bedarf vor Ort zu reagieren. Und der sieht in Stadtrandgebieten ganz anders aus als auf dem Land. Dabei ist sich der Landkreis bewusst, dass er an vielen Problemen wie etwa der mangelnden Zahl an Studienplätzen nichts ändern kann. „Wir konzentrieren uns deshalb auf die Bereiche, in denen wir etwas steuern können“, so Muhle.

Für die interessierten Praxen bedeutet das: Sie können sich direkt an Mareike Bührs vom Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück wenden – entweder per Mail an Mareike.Buehrs @landkreis-osnabrueck.de oder telefonisch unter 0541/501-3121.


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