12.09.2016, 00:26 Uhr

AfD-Mann zieht in Gemeinderat Bad Laerer CDU kehrt Kräfteverhältnis zur BBL wieder um

Entspannter Jubel bei der CDU, die ihre Wahlparty im Haus Große-Kettler feiert. Nach dem schlechten Ergebnis 2011 ein Erfolg für (von links) Frank Hiltermann, Johannes Eichholz, Christoph Rosemann und Holger Knemeyer.Foto: Stefanie AdomeitEntspannter Jubel bei der CDU, die ihre Wahlparty im Haus Große-Kettler feiert. Nach dem schlechten Ergebnis 2011 ein Erfolg für (von links) Frank Hiltermann, Johannes Eichholz, Christoph Rosemann und Holger Knemeyer.Foto: Stefanie Adomeit

Bad Laer. Die fröhlichsten Gesichter gab es am Wahlabend bei den Christdemokraten. Aus gutem Grund: Von der Auszählung des ersten Wahllokals an hatten sie die Nase vorn. Eine Genugtuung nach der Pleite der vergangenen Kommunalwahl, bei der ihnen die damals frisch gegründete BBL in die Quere gekommen war.

Die Schmach von 2011 war am Sonntag nicht vergessen, aber dank des guten Ergebnisses von 44,75 Prozent überwunden. Umso mehr, als sich die Kräfteverhältnisse zwischen dem großen Konkurrenten und dem Platzhirsch CDU wieder umgekehrt hatten. Waren die Bürger für Bad Laer 2011 überraschend auf 45,5 Prozent gekommen, während sich die CDU mit 30,5 Prozent zufriedengeben musste, fällt die BBL jetzt auf 29,7 Prozent zurück.

Johannes Eichholz strahlt, als er erklärt: „Wir sind bereit, die Verantwortung anzunehmen, und wir garantieren eine vernünftige Zusammenarbeit mit allen anderen Fraktionen.“ Natürlich sei dieser Wahlabend schöner als die der vergangenen beiden Wahlen in Bad Laer. „Ich glaube, dass sich unsere solide Arbeit auszahlt.“ Die Stimmung im Haus Große-Kettler auf der gut besuchten Wahlparty war entsprechend ausgelassen bis übermütig.

BBL leidlich zufrieden

Aber auch die abgehängten Bürger für Bad Laer sehen keinen Grund zum Trübsal blasen. „Uns war klar, dass das Ergebnis von 2011 nicht wieder zu erreichen war. Da waren wir auf einem sehr hohen Niveau“, blickt Uwe Frerig auf die Premiere der Unabhängigen zurück. Dafür, dass Bad Laer traditionell eine CDU-Hochburg sei und die Christdemokraten keine absolute Mehrheit erreicht haben, könne die BBL recht zufrieden sei.

Das Wahlergebnis sei sicher auch darin begründet, dass es kein polarisierendes Thema wie den Rathausabriss gegeben habe. In der Wahrnehmung habe die BBL vielleicht zu wenig bewirkt, auch durch den Zusammenschluss von Grünen, SPD und FDP zur Ampel.

Doch auch die Ampel-Beteiligten konnten von ihrem Zusammenschluss am Wahlabend nicht mehr profitieren. Stärkste dritte Kraft sind weiterhin die Grünen, die 1,3 Prozent verloren und damit zwei Sitze im neuen Rat haben werden.

Partei nicht so im Fokus

„Wir haben mit mehr gerechnet“, gibt Markus Peters denn auch zu, konkret mit drei Sitzen plus x. „Aber wir hatten eben im letzten Rat auch eine Konstellation gewählt, die die einzelnen Parteien nicht sehr in den Fokus gestellt hat. Da war es schwer, Farbe zu bekennen.“ Entsetzt sei er über das Abschneiden der AfD, die vor der Wahl in Bad Laer nicht in Erscheinung getreten sei und doch ein Potenzial Unzufriedener abgegriffen habe.

Wahlgewinner sind die Freien Demokraten mit knapp zwei Prozent Zuwachs. Alois Diekamp freut sich dennoch nur verhalten. „Wir hatten uns mehr vorgestellt aufgrund der Aktivitäten und positiven Dinge, die wir angestoßen haben.“ Diekamp wird die Liberalen alleine im Rat vertreten, Peter Frömberg wurde nicht gewählt.

SPD: Schade

Ärgerlich ist Diekamp über den Einzug des AfD-Kandidaten Rüdiger Struck in den Gemeinderat: „Ohne dass er sich vorgestellt hat, ohne dass man ihn kannte.“

Die SPD hatte den Wahlkampf sehr verhalten betrieben, auf Plakate verzichtet und sich auch nicht an der Wahlparty beteiligt, zu der die Grünen die anderen Parteien zu Würstchen und Kaltgetränken ans Rathaus eingeladen hatten. Angela Vehling findet es schade, dass die Sozialdemokraten von 10,4 auf 6,9 Prozent der Stimmen abgerutscht sind, erklärte sie auf Anfrage unserer Redaktion. „Der Rat hat sehr einheitlich gearbeitet, wir haben als Ampel viele Beschlüsse gemeinsam gefasst. So ist unser Profil bei den Wählern vielleicht nicht richtig angekommen. So wirkten wir vielleicht etwas blasser, als wir sind“, sagt Vehling.

Und derjenige, über den am Wahlabend in Bad Laer am meisten geredet wurde? Bleibt bei seinem Schweigen. Zu einer Stellungnahme ist AfD-Mann Rüdiger Struck am Sonntagabend nach der Auszählung aller Stimmen nicht bereit. Auf Nachfrage wird er laut: „Verstehen Sie nicht, dass ich erschöpft bin? Ich habe ein zweieinhalbstündiges Konzert in Hameln hinter mir.“ Am Montag könne man reden.


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