05.08.2016, 13:38 Uhr

Doppelt so viele Gegendemonstranten Pfeifkonzert und Gesänge bei AfD-Veranstaltung in Bad Iburg


Bad Iburg. 50 AfD-Anhänger, 50 Polizisten und 110 Gegendemonstranten: Das war das Kräfteverhältnis bei der AfD-Veranstaltung am Bad Iburger Charlottensee mit dem Landesvorsitzenden Paul Hampel.

Strikt getrennt durch einen von Polizeibeamten bewachten Metallzaun lagen zwischen AfD-lern und Gegendemonstranten gut 30 Meter. Ausreichend Abstand für Hampel, seine – vorwiegend männlichen – “Kameraden“ trotz Pfeifkonzerten und Gesängen der Gegenseite eine Stunde lang über das Programm der Partei zu informieren, die sich als „natürlicher Nachfolger der CDU“ sieht.

Die Information sei notwendig, weil über die Partei „unzureichend und falsch informiert“ würde. Die AfD sei die Partei mit der guten Absicht und dem gesunden Menschenverstand, die Deutschland dienen wolle, so Hampel.

Immer höflich bleiben

„Iburger werden nicht viele kommen, die wollen hier nicht gesehen werden “, hatte der örtliche Organisator Rolf-Rüdiger Wandtke seinen Parteifreunden vor der Veranstaltung erklärt. An seine Ordner appellierte er: „Immer höflich und sachlich bleiben.“

59 Mitglieder habe die AfD im Landkreis, sagte Hampel im Vorgespräch, eine Handvoll in Bad Iburg, in ganz Niedersachsen 2200, „Tendenz steigend“. Niedersachsen sei für die Partei allerdings ein schwieriges Terrain, weil „der Niedersachse politisch schwer beweglich“ sei.

In seinem Vortrag arbeitete er zuverlässig die Kernthemen der AfD ab, von der „Flüchtlingsproblematik durch eine Flut von Migranten“, die religiöse und ethnische Probleme nach Deutschland trügen, bis zur Notwendigkeit einer deutsch-russischen Freundschaft.

Gegner zeigten Flagge

Seinen politischen Parforceritt garnierte er mit Bemerkungen über die Gegendemonstranten als „politische Putztruppe der etablierten Parteien“ und „Flinten-Uschi“ von der Leyen, die auch nicht mehr so attraktiv sei, dass sie Wählergruppen mit sich reißen könne. Seinen Anhängern gefiel‘s.

Gegner filmen

Deren Lieblingsbeschäftigung war neben dem Zuhören das Filmen. Nicht das ihres Landesvorsitzenden, sondern der Gegendemonstranten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte alle aufgerufen, die mit der rechtspopulistischen Partei nicht einverstanden sind. Über 100 kamen, Gewerkschafter, Epos als Sammelbecken linker Gruppierungen, Privatleute und Ratsmitglieder von Grünen und SPD wie Nazih Musharbash, der die AfD eine „Gefahr für unsere Demokratie“ nannte.

Sie zeigten Flagge mit Plakatzeilen wie „Nationalismus ist keine Alternative“ und „Wer Abschottung will, soll Abschottung haben“ und lauten Gesängen von „Haut ab“ bis „Zeigt Armin Paul Hampel die rote Ampel“.

Mittelfinger

Einziger Zwischenfall: Weil der Stromverteilungskasten der AfD auf der anderen Seite des Zaunes lag, gelang es einem Gegendemonstranten, der Partei kurzzeitig den Saft für das Mikro abzudrehen. Die Polizei nahm die Personalien des Mannes auf und leitete ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen ihn ein. Was ansonsten auffiel: die Mittelfinger, mit denen sich AfD-ler und Gegendemonstranten großzügig bedachten.


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