09.04.2017, 10:34 Uhr

Reformationsjahr 2017 Doku-Drama im Neuen Theater Espelkamp

In das Zeitalter der Reformation zurück führt das Doku-Drama „Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchführung“ Foto: Loredana La RoccaIn das Zeitalter der Reformation zurück führt das Doku-Drama „Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchführung“ Foto: Loredana La Rocca

Espelkamp. Dieter Fortes 1970 uraufgeführtes und zum internationalen Theatererfolg avanciertes Doku-Drama „Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchführung“ macht deutlich, dass seit der Reformationszeit unter dem Einfluss der Fugger Finanzdynastien das Weltgeschehen bestimmen. Zu sehen ist dieses als Collage inszenierte Schauspiel am Samstag, 22. April, um 20 Uhr im Neuen Theater Espelkamp.

Die Reformation hat die Welt verändert. Die Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf das theologische Denken, sondern gehen weit über den kirchlichen Raum hinaus, betreffen ebenso Wissenshaft, Kultur, Bildung, Musik, Kunst, Justiz, Wirtschaft, Sprache und Schulwesen. Im Reformationsjahr 2017 gehen die Schauspielbühnen in Stuttgart (Altes Schauspielhaus) und das Euro-Studio Landgraf mit der gemeinsamen Tournee-Produktion des Dieter-Forte-Stücks auf Tournee.

Mechanismen der Macht

Das politische Explosionspotenzial des Stückthemas – die Mechanismen der Macht – ist wie gemacht für die Gegenwart, geht es doch um Bankenkrisen, Staatsbankrotte und um die jede Solidarität ausschließenden, zerstörerischen Auswirkungen des wirtschaftlichen Ungleichgewichts zwischen Arm und Reich. Seit Jakob Fugger bestimmen Finanzdynastien das Weltgeschehen. Die Aktualität der Originaltexte in Bezug auf die Mechanismen der Macht und die durch Global Player angetriebene Verquickung von Wirtschaft und Politik ist erschreckend. Es geht um Menschen im Netz der Macht, um wechselnde Allianzen und die Verflechtung von Kirchgengeschichte, Politik und Wirtschaftsgeschichte zur Zeit der Reformation.

Aktuelle Bezüge

In spannenden Handlungssträngen werden die Lebensstationen Luthers denen der Entscheidungsträger der Epoche (Kaiser, Papst, Kurfürsten) gegenübergestellt, die seine Lehre für ihre wirtschaftlichen und machtpolitischen Ziele missbrauchen. Drahzieher im Hintergrund ist Jakob Fugger, in dessen Bankgeschäfte alle eher mehr als weniger verstrickt sind. Forte dazu: „Das Stück spielt von 1514 bis 1525. Dass die Bezüge auf unsere Zeit so klar und unübersehbar sind, hat mich selbst überrascht. Es bedurfte keiner Aktualisierung, keiner für das Theater zurechtgebogenen Konfrontation. Es gibt anscheinend Konstellationen, die sich modellhaft wiederholen.“

Einführungsvortrag

Zur Aufführung in Espelkamp wird ein Einführungsvortrag angeboten, der bereits um 19 Uhr im Theatergesprächsraum im Kellergeschoss des Neuen Theaters (Zugang über Fußweg an der Trakehner Straße) beginnt. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl ist hierfür eine Anmeldung in der Geschäftsstelle des Volksbildungswerks Espelkamp, telefonisch unter 05772/562-185, erforderlich. Eintrittskarten für das Schauspiel sind noch erhältlich in den Vorverkaufsstellen der Geschäftsstelle des Volksbildungswerks, im Kulturbüro im Bürgerhaus, Wilhelm-Kern-Platz 14, Telefon 05772/562-161, oder -185, oder online unter www.theater-espelkamp.de. Die Abendkasse und das Theater sind ab 19 Uhr geöffnet.


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