23.09.2015, 15:43 Uhr

Erfolgreiches Projekt Kindern im Wittlager Land Zeit schenken

Ingrid Sosnowski (links) und Roswitha Mauntel sind „Zeitverschenkerinnen“. Foto: Lars HerrmannIngrid Sosnowski (links) und Roswitha Mauntel sind „Zeitverschenkerinnen“. Foto: Lars Herrmann

Bad Essen. Der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca stellte einst fest: „Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“ Selbst 2000 Jahre später trifft diese Aussage noch auf viele Menschen zu – aber gewiss nicht auf Roswitha Mauntel und Ingrid Sosnowski.

Vor vier Jahren erfuhren sie vom Projekt „Zeit verschenken“ des Kinderhauses Wittlager Land, das Ehrenamtsnetzwerker Jörg Christian Lindemann initiiert hatte. „Zeitschenker sind Menschen, die ihre Zeit und ihre Fähigkeiten mit den Kindern und Jugendlichen teilen: bei kleinen Ausflügen, beim Natur erkunden, beim Singen, Vorlesen oder Basteln“, erklärt Lindemann den Gedanken hinter diesem Projekt, das 2013 den Bürgerpreis der Volksbanken-Raiffeisenbanken Weser-Ems erhalten hat.

Konkret geht es um Zeit mit Kindern und Jugendlichen aus den Wohngruppen der Dialog gGmbH, die mit dem Kinderhaus Wittlager Land einen Trägerverbund bildet. Sechs Wohngruppen an fünf Standorten im Wittlager Land gibt es bereits, erst vor wenigen Wochen konnte die neue Wohngruppe am Maschweg in Eielstädt bezogen werden.

Eine Herausforderung

Roswitha Mauntel besucht einmal pro Woche für knapp vier Stunden die Mädchen-Gruppe in Wittlage, Ingrid Sosnowski ist alle zwei Wochen bei den Jungen „nebenan“ zu Gast. „Es ist eine Herausforderung, weil man nie weiß, was einen erwartet. Aber es ist zugleich auch eine Bereicherung“, sagt Roswitha Mauntel. Sie geht mit den Mädchen auf Spielplätze, begleitet sie auf Spaziergängen um die Wittlager Burg – und hört ihnen manchmal auch einfach nur zu. „Sie ist sehr freundlich, und wir würden gerne mal einen ganzen Tag mit ihr verbringen und eine Fahrradtour machen“, sind sich Jennifer, Miriam, Juliette und Janina einig.

Die Jungen haben Ingrid Sosnowski als eine „nette und lustige“ Frau kennengelernt. Auch sie würden gerne noch mehr Zeit mit ihr verbringen. Ausflüge ins Kino, zum Dümmer oder in einen Freizeitpark: Ideen gibt es viele. Letztlich entscheiden aber die Zeitverschenker, wie viel Zeit sie aufbringen können und wollen.

Übrig geblieben

Mauntel und Sosnowski sind die Einzigen, die seit dem Start des Projekts vor vier Jahren übrig geblieben sind. Wer ihrem Beispiel folgen möchte, sollte sich das gut überlegen. „Wir sind verlässlich für die Kinder da. Diese Kontinuität ist besonders wichtig, da viele von ihnen Trennungen erlebt haben“, betont Roswitha Mauntel. Oft verbringen sie Zeit mit einem einzelnen Kind, nicht in der Gruppe. Beide achten aber darauf, dass kein Kind zu kurz kommt.

Große Krippe

Inzwischen habe sich alles eingespielt, Roswitha Mauntel und Ingrid Sosnowski haben das Gefühl, ein Teil der Einrichtungen zu sein. Zu Weihnachten hat jede Zeitverschenkerin eine große, selbst gebaute Krippe bekommen, und sie wurden zum Frühstück eingeladen. Das Vertrauen war nicht von Anfang an da: „Wir mussten uns erst an Roswitha gewöhnen. Das hat schon ein paar Monate gedauert“, berichten die Mädchen. Laut Ingrid Sosnowski ist es wichtig, den Kindern zu vermitteln: „Ich bin hier, weil du mir wichtig bist.“ Sie ist sich sicher, dass es sich lohnt, Zeit mit den Kindern zu verbringen: „So kommen sie auf den richtigen Weg, auch wenn es nur kleine Schritte sind.“

Der österreichische Dichter Ernst Ferstl ist überzeugt: „An Zeit fehlt es uns vor allem dort, wo es uns am Wollen fehlt.“ Denn schon Leonardo da Vinci sagte: „Die Zeit verweilt lange genug für denjenigen, der sie nutzen will.“ Roswitha Mauntel und Ingrid Sosnowski wissen das.

Weitere Auskünfte

Wer ebenfalls Zeit mit den Kindern und Jugendlichen aus den Dialog-Wohngruppen verbringen oder mehr über das Projekt „Zeit verschenken“ erfahren möchte, kann sich bei Initiator Jörg Christian Lindemann melden, Tel. 0171/9559397.


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