10.07.2015, 20:27 Uhr

„Ich funktioniere, weil ich ich bin“ Vikar Florian Reinecke nutzt Handball zum Ausgleich


Rabber. Die Kirche war für ihn „schon immer mein Leben, immer wichtig“. Und sie ist nicht weniger, eher mehr wichtig geworden und damit geblieben. Schon als junger Mensch, der immer mit Menschen zu tun haben wollte, prägte die Kirche sein Leben durch Jugendfreizeiten, in denen er seine heutige Ehefrau kennengelernt hat.

Auch ein „starker Freundeskreis innerhalb der Kirche“ bestimmte seine Entwicklung, in der Handball nach erfolgreicher Jugend in Verden und Daverden bis zum Landeskader eine große Rolle spielte. „Was früher einfach war, denn ich war ein Stück weiter entwickelt als manche andere und hatte einen Körper für das Alter.“

Mit dem er allerdings bewusst umging. Erst recht, als er Exnationalspieler Jochen Fraatz spielen sah und kennenlernte und sich vornahm: „So verbraucht soll mein Körper nicht sein.“ Denn er hatte früh ein Lebensziel, das nicht Handball, sondern Kirche war und erst recht wurde durch die Art seiner Eltern sowie eines Pastors, „denn die haben mein Leben geprägt“. Er spürte früh in sich den Drang und ebenso die Fähigkeit, das Gespräch mit Mitmenschen zu suchen bzw. anzubieten. Und zwar offene sowie tiefer gehende Gespräche, „denn ich war schlecht in der Small-Talk-Tauglichkeit“.

Genau diese Gespräche, die Nähe zu den Gläubigen, lassen den heute 27-Jährigen die Freude am Beruf im wahrsten Sinne des Wortes Beruf ausdrücken, als Seelsorger tätig zu sein in der Selbstständigen Evangelisch­lutherischen Kirche (SELK) mit gewisser Tradition, mit der Heiligen Schrift als Richtschnur, in einem Miteinander, das viel Menschlichkeit zeigt.

Eine offene Kirche

Eben eine offene Kirche mit Gesprächsangeboten ganz in seinem Sinne, in der Kirche sitzen und Zeit haben, ohne Gott den Menschen aufzuzwingen. Vielmehr Halt geben, den Menschen trag- und leidensfähig zu machen, eben als Seelsorger da zu sein in einer Freikirche, in der die Gläubigen – in Rabber 170 Gemeindeglieder – den Pastor und den aktuellen Vikar als Pastor in spe finanzieren.

Sieben Jahre hat er in Oberursel an einer Fachuni bzw. in Marburg studiert, dabei Griechisch, Latein und Hebräisch zusätzlich gelernt, um sich nach entsprechend erstem Examen nun Vikar zu nennen.

Nach drei Jahren Pause hat er den Spaß und Ausgleich am Handball längst wieder geweckt. Sein Anreiz ist der Spielwitz, sind „die vielen Möglichkeiten, kreativ zu sein“, weil er nicht das breite Kreuz, die Athletik und die Körperlichkeit hat, um sich mehr mit Kraft aus dem Rückraum durchzusetzen. Entsprechend schätzt Thorsten Heil als Trainer des TV Bohmte an seinem Zugang dessen Spielverständnis, das den Bohmtern mit der Vikarstelle in der Dreieinigkeitsgemeinde Rabber während der letzten Saison förmlich zugespielt wurde, um somit zum Aufstieg aus der Landes- in die Verbandsliga beizutragen. In Bescheidenheit als ganz normaler Spieler, als Mensch, der sich als „nichts Besonderes“ sieht, sich allein glücklich schätzt mit dem „Privileg, den Glauben zu haben und dafür arbeiten zu dürfen“.

Das Privileg, sich seine Zeit einteilen zu können in einer Sieben-Tage-Woche, in der Einzelgespräche, Hausbesuche und Jugendkreis sowie kirchliche Dienste in der eigenen sowie der Nachbargemeinde ihn voll beschäftigen bei der Selbsterkenntnis: „Ich funktioniere, weil ich ich bin.“ Als authentischer Vikar sowie als kreativer Handballspieler...


0 Kommentare