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Tippspiel
"Ich wollte und konnte nicht mehr"
Sie hat während der NS-Zeit insgesamt 22 Monate in Konzentrationslagern verbracht. Rachegefühle sind ihr dennoch fremd. "Ich habe mich in Gedanken immer an den guten Menschen festgehalten", sagte Erna de Vries.
1942 begannen die Massen-Deportationen in die Konzentrationslager. Im Sommer 1943 seien dann auch sie und ihre Mutter von der Gestapo abgeholt und nach Auschwitz transportiert worden. '"'Wir wussten, dass Auschwitz ein Vernichtungslager war, denn ich hatte immer heimlich Radio London gehört'"', erklärte die 81-Jährige. Nach ihrer Ankunft seien sie mit einer '"'braunen Brühe'"' desinfiziert, rasiert und tätowiert und anschließend in eine vierwöchige Quarantäne gesteckt worden. Zu essen habe es gekochte Kartoffelschalen und Wasser gegeben. '"'Wir mussten schwer arbeiten und zu sechst auf Pritschen voller Ungeziefer schlafen. Ich wurde krank und kam in den berüchtigten Todesblock 25. Am nächsten Morgen wurden wir wie Vieh auf die Lastwagen zu den Gaskammern getrieben'"'.
Nackte Verzweiflung habe die Todeskandidatinnen erfasst: '"'Es war die reinste Hölle, ich kauerte in einer Ecke auf dem Boden und habe gebetet. Plötzlich wurde meine Nummer aufgerufen, ich wurde aussortiert und kam mit 85 weiteren Leidensgenossinnen ins Konzentrationslager nach Ravensbrück'"', erinnerte sich Erna de Vries. Hier habe sie bis zum Frühjahr 1945 in einer Siemens-Fabrik gearbeitet. Als die russische Armee näher rückte, mussten sie in Kolonnen zu je 1000 Frauen zu Fuß quer durch Mecklenburg in Richtung Ostsee marschieren. '"'Am achten Tag konnte ich vor Erschöpfung nicht mehr aufstehen, ich wollte und konnte auch nicht mehr'"', berichtete sie. Doch ihre beiden Freundinnen hätten sie aufgehoben und weitergeschleppt: '"'Kurz darauf rollten uns plötzlich amerikanische Panzer entgegen: Das war die Befreiung im letzten Moment.'"'








