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"Ich wollte und konnte nicht mehr"
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Quelle: Meppener Tagespost 25. Februar 2005 00:00 Uhr


"Ich wollte und konnte nicht mehr"

Sie hat während der NS-Zeit insgesamt 22 Monate in Konzentrationslagern verbracht. Rachegefühle sind ihr dennoch fremd. "Ich habe mich in Gedanken immer an den guten Menschen festgehalten", sagte Erna de Vries.

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Im Marstall Clemenswerth in Sögel erzählte die 81-jährige Jüdin und Ehrenbürgerin von Lathen vor rund 80 Realschülern der Hümmlinggemeinde von ihren furchtbaren Erlebnissen während der Nazi-Herrschaft. Sie hörten, dass Erna de Vries bis zum frühen Tod ihres Vaters im Jahre 1930 eine unbeschwerte Kindheit in Kai-serslautern verbracht hatte. Wegen des Boykotts durch die Nationalsozialisten habe ihre Mutter später jedoch ihr Geschäft aufgegeben müssen. '"'Nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden wir aus Kaiserslautern ausgewiesen und fuhren vorübergehend zu Verwandten nach Köln'"', berichtete Erna de Vries.

1942 begannen die Massen-Deportationen in die Konzentrationslager. Im Sommer 1943 seien dann auch sie und ihre Mutter von der Gestapo abgeholt und nach Auschwitz transportiert worden. '"'Wir wussten, dass Auschwitz ein Vernichtungslager war, denn ich hatte immer heimlich Radio London gehört'"', erklärte die 81-Jährige. Nach ihrer Ankunft seien sie mit einer '"'braunen Brühe'"' desinfiziert, rasiert und tätowiert und anschließend in eine vierwöchige Quarantäne gesteckt worden. Zu essen habe es gekochte Kartoffelschalen und Wasser gegeben. '"'Wir mussten schwer arbeiten und zu sechst auf Pritschen voller Ungeziefer schlafen. Ich wurde krank und kam in den berüchtigten Todesblock 25. Am nächsten Morgen wurden wir wie Vieh auf die Lastwagen zu den Gaskammern getrieben'"'.

Nackte Verzweiflung habe die Todeskandidatinnen erfasst: '"'Es war die reinste Hölle, ich kauerte in einer Ecke auf dem Boden und habe gebetet. Plötzlich wurde meine Nummer aufgerufen, ich wurde aussortiert und kam mit 85 weiteren Leidensgenossinnen ins Konzentrationslager nach Ravensbrück'"', erinnerte sich Erna de Vries. Hier habe sie bis zum Frühjahr 1945 in einer Siemens-Fabrik gearbeitet. Als die russische Armee näher rückte, mussten sie in Kolonnen zu je 1000 Frauen zu Fuß quer durch Mecklenburg in Richtung Ostsee marschieren. '"'Am achten Tag konnte ich vor Erschöpfung nicht mehr aufstehen, ich wollte und konnte auch nicht mehr'"', berichtete sie. Doch ihre beiden Freundinnen hätten sie aufgehoben und weitergeschleppt: '"'Kurz darauf rollten uns plötzlich amerikanische Panzer entgegen: Das war die Befreiung im letzten Moment.'"'

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