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Das Ortsporträt: Kalkriese – Ausgrabungen der Varusschlacht führten zu Berühmtheit
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Quelle: luez /Bramscher Nachrichten 22. November 2012 06:54 Uhr

Flach, sieht man vom Berg ab

Das Ortsporträt: Kalkriese – Ausgrabungen der Varusschlacht führten zu Berühmtheit

Kalkriese. Kalkriese ist flach – bis auf den Berg. Der trägt den Namen des zweitgrößten Bramscher Ortsteils. Er hat ihn sogar an ein Adelsgeschlecht weitergegeben. Um genau zu sein: das Hundeadelsgeschlecht derer „vom Kalkrieser Berg“. Zum erlauchten Kreis zählen Amelie und Eika vom Kalkrieser Berg. Sie sind Zuchthündinnen der Kalkrieser Familie Groß-Klußmann. Die betreibt den Deutsch Kurzhaarzwinger „vom Kalkrieser Berg“. Damit wäre eine Besonderheit des Ortsteils genannt.

 
Blick auf Kalkriese: vorn die Bundesstraße 218, hinten der Mittellandkanal und das Kalkrieser Zentrum.Foto: Johannes Busmann  Vergrößern

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Die meisten Zeitgenossen denken bei „Kalkriese“ wohl nicht in erster Linie an Jagdhunde. Seit Anfang der 90er-Jahre ist der Name der Bauerschaft untrennbar mit der großen Schlacht zwischen Römern und Germanen im Jahre 9 nach Christus verbunden. Die Ausgrabungen auf dem Schlachtfeld der „Varusschlacht“ haben Kalkriese berühmt gemacht.

Dass es so kommen würde, haben sich vor 25 Jahren nur wenige träumen lassen. Einer der Träumer: Kalkrieses Ortsbürgermeister Helmut Bei der Kellen. „Die Bedeutung des Geschehens wurde lange unterschätzt. Als ich damals vorschlug, schon an der Autobahn Schilder aufzustellen, wurde ich dafür belächelt“, erinnert sich Bei der Kellen. In der Anfangszeit hätten sich noch die Heimatvereine der benachbarten Gemeinden um das Projekt gekümmert, erzählt er. Mit dem Einstieg des Landkreises und der Sparkassenstiftung kam dann Bewegung in die Sache.

„Mittlerweile wurde hier sicher ein zweistelliger Millionenbetrag investiert“, so der Ortsbürgermeister. Hochmoderne Museumsgebäude sind entstanden. Obwohl für den Laien äußerlich nicht viel zu sehen ist, gelingt es in der Ausstellung, das dramatische Geschehen vor über 2000 Jahren erlebbar zu machen. Der Erfolg bestätigt das Konzept. „Wir nähern uns mit der Gesamtzahl der Besucher der Zwei-Millionen-Grenze“, sagt Museumsgeschäftsführer Dr. Joseph Rottmann.

Bodenständig geblieben

Trotz des Ruhms sind die Kalkrieser bodenständig geblieben. Drei Vereine spielen die zentrale Rolle im Gemeinschaftsleben der 880 Einwohner des Ortsteils. „Unser Schützenverein besteht seit dem Jahr 1900“, sagt Bei der Kellen. Der Sportverein FC Schwarz-Weiß Kalkriese wurde 1922 ins Leben gerufen. Als dritte Institution ist der Heimatverein „Schmittenhöhe“ zu nennen. Er hat sich neben Volkstanz, Theater und Singkreis besonders der Pflege des Plattdeutschen verschrieben. „Fast jeder im Ort ist Mitglied in einem der Vereine“, so Bei der Kellen.

Ganz wichtig für die Vereine: die Mehrzweckhalle. Hier finden das Sportfest und das Erntedankfest statt; aber auch der nach Angaben des Ortsbürgermeisters „größte Weihnachtsmarkt der Stadt Bramsche“.

Bewirtschaftet wird die Halle durch die Familie Schwöppe, sie betreibt zudem eine der fünf Gastwirtschaften in Kalkriese.

Das Geld, was dort ausgegeben wird, verdienen die meisten Kalkrieser außerhalb des Ortsteils. Der größte Arbeitgeber im Dorf ist mit 50 Beschäftigten das Museum. Außerdem gibt es eine Biolandgärtnerei, ein Bauunternehmen, einen Landhandel, ein Autohaus und einen Spargelzüchter.

Immerhin zwölf Familien verdienen ihren Unterhalt noch mit der Landwirtschaft. Als Alternative dazu hat die Familie Groß-Klußmann Anfang der 60er-Jahre den Campingplatz „Waldwinkel“ aufgebaut.

Der Platz verfügt über 170 Jahresstellplätze und diverse Freizeitangebote. „Viele Gäste kommen aus Osnabrück und sind jedes Wochenende bei uns draußen“, weiß der Ortsbürgermeister zu berichten.

Ohne Auto läuft wenig

Die Camper reisen mit dem Auto an, aber auch die Einwohner des Ortsteils sitzen ohne Auto ziemlich auf dem Trockenen. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei schlecht, klagt Bei der Kellen: „Touristen haben keine Chance, die Varusschlacht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.“

Neben dem Museum hat die Bauerschaft zahlreiche weniger bekannte Attraktionen zu bieten. Darunter zwei sehenswerte alte Herrenhäuser der Familie von Bar, die viele Hundert Jahre lang über Wohl und Wehe von Kalkriese bestimmte.

Weiter gibt es unzählige hübsche Fachwerkhäuschen zu entdecken, einen historischen Eiskeller und eine als Naturdenkmal geschützte traumhafte Lindenallee. Ein Tipp: Wer kann, sollte das Dorf mit dem Rad erkunden. Das fällt leicht. Kalkriese ist flach –– bis auf den Berg.



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