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Der Entdecker der Varusschlacht: Tony Clunn löst 1987 Ausgrabungswelle in Kalkriese aus
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Autor: Heiner Beinke 03. November 2012 18:43 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Mehr als eine Handvoll Münzen

Der Entdecker der Varusschlacht: Tony Clunn löst 1987 Ausgrabungswelle in Kalkriese aus

Bramsche. Die Bedeutung von Tony Clunn für Kalkriese und die Varusschlacht? Joseph Rottmann muss nicht lange überlegen. „Ohne Tony Clunn und Wolfgang Schlüter würde es das alles hier nicht geben“, sagt der Geschäftsführer des Museums Varusschlacht im Osnabrücker Land.

 
Vor 25 Jahren hatte Tony Clunn in Kalkriese römische Münzen und Schleuderbleie gefunden. Dieses Foto aus dem Jahr 2007 zeigt den ehemaligen Offizier an einer Ausgrabungsstätte.Foto: Gert Westdörp  Vergrößern

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Dem Glück und Geschick eines britischen Soldaten und Hobbyarchäologen und der Bereitschaft eines Profis, auf einen Amateur zu hören und mit ihm zusammenzuarbeiten, verdankt das Osnabrücker Land eine Attraktion und die Legende der Varusschlacht eine neue, belegbare Heimstätte.

All das hätte Tony Clunn nicht ansatzweise zu hoffen gewagt, als er im Sommer 1987, direkt nach seiner Versetzung nach Osnabrück, einen kleinen Münzschatz und später drei zunächst undefinierbare Gegenstände aus einem Kalkrieser Acker in der Niewedder Senke ans Tageslicht beförderte.

Mit dem Kreisarchäologen Wolfgang Schlüter kam er überein, vorerst Stillschweigen über die Funde zu bewahren. Dabei erweisen sich die drei kleinen Klumpen am Ende als weitaus wichtiger als die römischen Münzfunde: Sie werden als Schleuderbleie identifiziert und sind der erste Hinweis auf die Anwesenheit römischer Soldaten. Es sind die ersten einer Reihe von Funden, die im Laufe der Grabungen zu einer immer dichteren Indizienkette werden. Auch der spektakulärste Fund, die Maske, die zum Symbol für Kalkriese werden wird, gelingt im Gefolge von Clunns Entdeckungen.

Niemand habe es damals gewagt, „das Wort Varus auch nur in den Mund zu nehmen“, erinnert sich Clunn später. Im Rückblick verweist der Offizier auch bescheiden auf die Riesenportion Glück, die zu der Entdeckung gehörte: „Hätten wir einen Meter weiter links oder rechts gegraben, gäbe es heute kein Kalkriese“, betont der Major im Ruhestand, der den 25. Jahrestag seines großen Fundes zurückgezogen erlebt: Er erholt sich von den Folgen eines Schlaganfalls.

Botschafter für Kalkriese

Mit der Zahl der Funde wächst auch das Projekt Kalkriese. Jahrelang steht dort nur ein kleiner Bauwagen am Rande der Niewedder Senke. Ein altes Stallgebäude wird dann als erstes, bescheidenes Dokumentationszentrum hergerichtet und später erweitert. Erst 2002 wird das heutige Museum nach einem Entwurf der Schweizer Architekten Annette Gigon und Mike Guyer eröffnet.

Bei all diesen Schritten mit dabei ist Tony Clunn. Die Münzen aus der Niewedder Senke haben dem Leben des Majors der britischen Rheinarmee eine entscheidende Wendung gegeben. Die Funde machen ihn zu einem Mitglied im Orden des britischen Empires. „Clunn ist ein unermüdlicher Botschafter für Kalkriese, der unsere Interessen bei zahlreichen Gelegenheiten vertreten hat“, sagt Rottmann.

Der Fund seines Lebens inspiriert Clunn zudem zu einem Buch: „Auf der Suche nach den verlorenen Legionen“, heißt sein Buch, das geschickt Handlungsfäden der Grabung mit einer romanhaften Schilderung der historischen Ereignisse verknüpft. Mitleid mit den Toten

Die englische Ausgabe seines Buches stellt Kalkrieses bester Botschafter auch in den USA vor. „Ich habe Gefühle für die Römer und Germanen, die hier den Tod gefunden haben“, sagt der Major der britischen Rheinarmee. Auch deshalb bedeuten ihm seine Entdeckungen „viel mehr, als eine Handvoll Münzen gefunden zu haben“.



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