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Tippspiel
Windhose vernichtete Scheune
Bramsche. (be)
Hermann Stehr schüttelt auch Stunden später noch den Kopf, als er sich auf seinem Bauernhof an der Westerhausener Straße in Achmer umsieht: „Da kuckste ganz sparsam“, sagt der Landwirt und denkt zurück an den Morgen, als er um 7.30 Uhr das Wohnhaus wie üblich verlässt und seinen Augen nicht trauen will.
Ehefrau Annegret kann den Zeitpunkt genau bestimmen, weil ein elektrischer Wecker wegen Stromausfalles in diesem Moment stehen geblieben ist. Dann aber macht der Landwirt eine Erfahrung, die ihn tief berührt: „Jeder denkt doch nicht nur an sich“, erzählt Stehr.
Denn als sich in der Nachbarschaft sein Missgeschick herumspricht - „Das ging wie ein Lauffeuer“ -, machen sich gleich mehrere Männer in Arbeitskleidung auf den Weg, um spontan zu helfen. Aus Rieste kommt Bruder Wilhelm, der alles liegen und stehen läßt, ohne auch nur einen Moment zu zögern. Schließlich ist es das Elternhaus, an dem sich das Unwetter ausgetobt hat
Rätselhaft ist zunächst, dass im weiten Umkreis nicht ein einziger anderer Bauernhof überhaupt etwas abbekommen hat. „Von einem Birnbaum, der gerade mal 50 Meter weg steht, ist nicht eine Birne abgefallen“, hat Stehr ebenfalls beobachtet und nimmt schließlich an, dass eine Windhose sein Anwesen heimgesucht hat.
Während sich die Töchter Johanna und Dorothee mit Oma Adele um das leibliche Wohl der freiwilligen Helfer kümmern, werden die schadhaften Ziegel abgetragen und die entstandenen Lücken abgedeckt. An die 1000 Pfannen werden innerhalb kurzer Zeit gesammelt und neu verlegt. „Es ist aber ein Loch von rund 600 Pfannen übrig geblieben“, zuckt der Hausherr mit den Schultern.
Telefonische Anfragen bleiben am Vormittag ergebnislos, weil kein Händler so viele Pfannen „einfach so am Lager hat“; Stehr zeigt sogar Verständnis für den Versorgungsengpass. Immerhin findet sich hinter der Maschinenhalle aber ein „eiserner“ Rest. „Für den Heimatverein habe ich zuletzt mehrere Fuhren Pfannen aufgebraucht“, muss der Vorsitzende feststellen, dass die großzügige Spende ihm gerade jetzt selbst gut täte.
Heute geht die Suche nach den Laumann-Dachziegeln weiter. Die Nachbarn kommen ebenso „selbstverständlich“ wieder wie Bruder Wilhelm, wenn das Dach fertig gedeckt werden soll und es die eigene Zeit erlaubt. Offen bleibt am Wochenende, wie der Dachschaden an der Maschinenhalle behoben wird. „Das ist lebensgefährlich“, traut sich Stehr jedenfalls nicht aufs Dach.
Hier ist nun guter Rat teuer, um den 38 mal elf Meter großen Unterstand wieder nach oben hin abzudichten. Aber nachdem die computergestützte Stalltechnik samt Melkanlage wieder in trokenen Tüchern ist, hat Stehr mit den Maschinen keine so große Eile mehr. Eine Schadenshöhe kann der Landwirt nicht nennen, muss er aber im Moment auch nicht: „Dagegen kannst Du Dich nicht versichern“, wissen die Stehrs, dass sie auf den Materialkosten sitzen bleiben.
Soweit sich Ehefrau Annegret erinnern kann, hat sich ein solches Naturschauspiel bei ihnen überhaupt noch nicht zugetragen. Dachziegel müssten immer mal ausgewechselt oder ersetzt werden. Unwillkürlich denkt auch Stehr - „Da kommste unwillkürlich ins Grübeln“ - an die Diskussion um Klimaveränderungen, die durch Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt verursacht werden.
Auf dem Bauernhof haben die Helfer derweil die Arbeit gerne uneigennützig für ihren Nachbarn erledigt. Schließlich sorgt seine Familie im Gegenzug für das leibliche Wohl und die nötige Stärkung, um die Kolonne bei Laune zu halten.
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