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Drei Jugendliche aus Israel berichten Osnabrücker Schülern von Unterdrückung
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Quelle: 06. Juli 2012 16:00 Uhr

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Alexander A. Dienstag, 10. Juli 2012 15:32 Uhr

Eine Nische der Freiheit

Drei Jugendliche aus Israel berichten Osnabrücker Schülern von Unterdrückung

msb Osnabrück. Manche Kinder sagen, dass sie ihre Eltern lieben. Andere sagen, dass Eltern nerven. Saja Abbassi sagt: „Meine Eltern sind sauber.“ Es ist nicht ihr Urteil. Es gibt nur wieder, was der israelische Staat befunden hat. Sauber. Das heißt: Es gibt keine Hinweise auf kriminelle oder gar terroristische Absichten.

 
Ferien in Deutschland (von links): Amira Alarja, Saja Abbassi, Friedel Wallenhorst und Ibrahim Alarja. Foto: Michael Schiffbänker  Vergrößern

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Verdächtig bleiben die Abbassis trotzdem. Ihr Pass weist sie als arabische Israelis aus – und das bedeutet Kontrollen, Schikane, Erniedrigungen.

Eine halbe Stunde braucht Saja von ihrem Wohnort in Ost-Jerusalem zur Schule in Beit Jala. Normalerweise. Oft wird das Familienauto kontrolliert. Auf dem Rückweg immer. Ein Checkpoint ist dort eingerichtet. Soldaten, manche nicht viel älter als sie selbst, die all jene mustern, aushorchen, durchleuchten, die den falschen Pass führen. Gewehre, Drohungen, Befehle, mühsam unterdrückter Hass. Saja erzählt von alten Männern, die stundenlang in der Sonne ausharren müssen, weil es den Soldaten egal sei. „Wir sind Menschen zweiter Klasse“, sagt Saja.

Drei Wochen lang besuchte die 16-Jährige mit ihren Schulfreunden, der gleichaltrigen Amira Alarja und dem 17-jährigen Ibrahim Alarja, Deutschland. Sie besichtigten den Kölner Dom, durchstreiften die künstlichen Landschaften eines Vergnügungsparks, gingen ins Kino und an den Alfsee. Kommen, gucken, ausprobieren – touristischer Alltag in Deutschland. „Für die drei ist das eine Nische der Freiheit“, sagt Friedel Wallenhorst. Der Osnabrücker hat die drei Jugendlichen nach Deutschland geholt. „Raus aus dem Gefängnis“, wie er sagt.

Wallenhorst engagiert sich seit den 90er-Jahren dafür, Palästinensern und arabischen Moslems ein Stück Freiheit zu geben. Immer wieder reiste er nach Israel, organisierte Tenniscamps und versuchte, den Dialog voranzutreiben. In Osnabrück baute er zudem ein Sponsorennetz auf, das jugendlichen Israelis Reisen nach Deutschland ermöglicht. Für jeden von ihnen bürgt Wallenhorst mit seinem Privatbesitz. Aber es lohnt sich, sagt er.

Die Deutschen, denen sie begegnet sind, wüssten nicht, dass die Israelis Mauern errichteten, um Palästinenser und Israelis zu trennen, sagt Amira. Nicht nur in Jerusalem und Gaza. Überall im Land stünden sie. Der Staat schreibe ihnen vor, wo sie einkaufen und wo sie ihre Autos reparieren lassen müssen. Amira und ihre Familie sind Christen und Palästinenser, die in der Nähe von Betlehem leben. In Sajas Schema tauchen sie als Menschen dritter Klasse auf, denn die Alarjas haben palästinensische Pässe. Diese verwehren ihnen das freie Reisen durch Israel. Als Amiras Klasse einmal eine israelische Schule besuchte, um sich mit den Jugendlichen auszutauschen, ließen die Wachleute sie nicht ins Gebäude. Das Gespräch fand neben der Schule statt, die Israelis lasen alles vom Blatt ab. „Die Dialoge mit Israelis sind alle vorgefertigt“, sagt Amira.

Das ist ihre Sicht auf den Konflikt. Die Sicht der schwächeren Partei, wie es Wallenhorst nennt. Es ist ihre Wirklichkeit, ihr Sehen, Hören, Fühlen, ihr Leben. Wallenhorst hat dafür gesorgt, dass sie das in einer Oberstufenklasse an der Gesamtschule Schinkel vortragen durften und anschließend mit Schülern diskutierten. Am Ende fragten sie die deutschen Schüler, ob sich deren Vorstellung geändert habe. Ein Mädchen sagte daraufhin zu Amira, dass sie Araber bislang nur als Dummköpfe und Terroristen wahrgenommen habe, weil die deutschen Medien meist pro-israelisch berichteten.

Amira und Saja sprechen fließend Arabisch, Deutsch und Englisch. In der Schule, in der Familie, mit Freunden und Nachbarn, jeden Tag, immerzu, diskutieren sie über Politik, weil ihr Leben ein Politikum ist. Sie machen Abitur an einer deutschen Schule, weil sie auf ein Stipendium hoffen. Sie wollen gleichberechtigt leben, und das, glauben sie, ist ihnen nur im Ausland vergönnt.

Denn in Israel regierten das Misstrauen und der Hass, sagt Saja. „Wenn mich jemand schlägt. Nicht nur einmal, sondern 1000-mal, dann will ich Rache.“ Sie spricht das Selbstverständnis aus, das in vielen Palästinensern verankert ist: Die Gewalt geht von den anderen aus, wir wehren uns nur. Das Tragische ist, dass es der anderen Seite genauso geht – ein Dilemma, das die Hoffnung frisst.

 

*Anmerkung: In einer ersten Version des Textes hatten wir fälschlicherweise suggeriert, dass es israelische Pässe mit und ohne Davidstern gebe.



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  Leserkommentare

 
Alexander A., Dienstag, Juli 10, 2012 um 15:32 Uhr Herr Hackenbusch Es steht JEDEM Araber frei, nach Saudi Arabien-Jemen-Libanon usw. aus zu reisen!
Aber dann laufen die Mädchen nicht so herum, wie sie auf den Bildern zu sehen sind und es ihnen in Israel möglich ist!
Wenn zb. die Holländer alle Deutschen auslöschen wollen und deren Auslöschung in die Verfassung stehe würde, würden dann die Holländer unbeachtet durch das Land reisen?
Aber Herr Hackenbusch hat recht...wenn die Raketenangriffe und andere Attentate aufhhören würden und die Hamas endlich aus den Land gejagt werden würde, würde es friedlicher zugehen.
Was sagte ein Großer Dichter?
Wenn die Araber die Waffen niederlegen kann es Frieden geben.
Wenn Israel die Waffen niederlegt, wird es binnen 2 Tagen ausgelöscht!

 
Peter Hackenbusch, Dienstag, Juli 10, 2012 um 15:08 Uhr Spielball der Araber Fakt ist, dass die Palästinenser ein Spielball der Araber gegen Israel sind.
Das diese Kinder jetzt auch zu Propagandazwecken (im Sinne der Araber) nun in unseren Schulen herumgereicht werden grenzt für mich an Volksverhetzung!
Sobald Selbstmordattentate und Raketenangriffe auf Israel aufhören dürften auch die angeblichen Schikanen vorbei sein. Und gegen Armut und Hunger gibt es im Westjordanland inzwischen 5* Hotels und Shopping-Malls! Wird das auch den hiesigen Schülern erzählt...?

 
Alexander A., Dienstag, Juli 10, 2012 um 14:40 Uhr Araber in Israel! Denen geht es dort gut!
Dass sie Jammern, wird ihnen von Kind auf beigebracht!
Wie leben denn Juden in Islamischen Staaten?
Ach gar nicht???
Wenn es den Arabern in Israel nicht gefällt.
Ausreisen dürfen sie immer!
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