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"Wir sind noch immer Fremde im eigenen Land"
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Quelle: Meppener Tagespost 17. Juni 2004 00:00 Uhr


"Wir sind noch immer Fremde im eigenen Land"

"Sie sind unordentlich und arbeitsscheu, ziehen herum, klauen und betrügen." Lauscht man den Worten von Siegfried Franz, haben Sinti und Roma nach wie vor mit offenbar unausrottbaren Vorurteilen zu kämpfen. Im Rahmen einer Ausstellungseröffnung im Marstall Clemenswerth beklagte der stellvertretende Vorsitzende des Niedersächsischen Verbandes Deutscher Sinti die mangelnde Integration in Deutschland.

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Noch bis zum 7. Juli ist im Marstall die Wanderausstellung '"'Von Niedersachsen nach Auschwitz - Die Verfolgung der Sinti und Roma in der NS-Zeit'"' zu sehen. Anlass ist der 60. Jahrestag der Deportation von Sinti und Roma aus dem Deutschen Reich in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau während des Zweiten Weltkrieges. Unter den mehr als 13000 deportierten deutschen Sinti stammten mindestens 700 aus Niedersachsen. Der Niedersächsische Verband Deutscher Sinti hat die Wanderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Universität Hannover konzipiert, um an das Schicksal seines Volkes unter dem nationalsozialistischen Regime zu erinnern.

Die insgesamt 24 Ausstellungstafeln vermitteln ein umfassendes Bild der systematisch geplanten Vernichtung. Sie zeigen aber auch, wie sich die Diskriminierung vor Jahrhunderten entwickelte und noch bis heute fortsetzt. Ergänzt werden die Schautafeln durch Videoinstallationen, in denen Zeitzeugen berichten, Menschen auf der Straße nach ihrer Einstellung zu Sinti und Roma gefragt werden sowie - in einer Art virtueller Gedenkstätte - die Namen der zu NS-Zeiten Ermordeten aufgeführt sind. Die Wanderausstellung wird von der Katholischen Erwachsenenbildung begleitet und war unter anderem bereits in Papenburg, Meppen und Lingen zu sehen.

Obwohl Sinti seit 600 Jahren in Deutschland lebten, '"'sind wir Fremde im eigenen Land, denen das Etikett ,rassisch minderwertig' anhängt'"', erklärte Siegfried Franz. 60 Prozent der Deutschen wollten sie nicht als Nachbarn haben. Ihre Kinder liefen Gefahr, fast automatisch zu Sonderschülern zu werden, weil man Zigeunern ('"'ziehenden Gaunern'"') keine normale Intelligenz zutraue, so Franz.

Noch 1956 habe der Bundesgerichtshof den Entschädigungsantrag eines Auschwitz-Überlebenden mit der Begründung abgewiesen, Zigeuner seien wie primitive Untermenschen, denen der '"'sittliche Antrieb zur Achtung fremden Eigentums'"' fehle. Ein Urteil, so Franz, das sich in den Köpfen der Menschen ebenso festgesetzt habe wie die wirklichkeitsfremde Romantisierung des vermeintlich so '"'lustigen Zigeunerlebens'"'.  Mehr Lokales

 

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