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Volkskundler hat Abi-Bräuche am KvG in Mettingen untersucht
Mettingen. Mit Abiturfeiern in Westfalen hat sich die volkskundliche Kommission vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe beschäftigt. Unter dem Titel „Mit Wasserpistole und Ballkleid – Feste, Bräuche und Rituale rund ums Abitur“ ist dazu ein Buch erschienen. Zu einer von insgesamt fünf untersuchten Schulen gehört das Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Mettingen.
Im Jahr 2009 hatte die Kommission die Ereignisse rund ums Abitur an verschiedenen Gymnasien dokumentiert. Dabei hefteten sich die Forscher an fünf Abijahrgänge in Westfalen, machten Bilder, warfen einen Blick ins Schularchiv und werteten Einladungskarten und Abizeitungen aus. Die Mitarbeiter der Kommission richteten ihr Augenmerk auf die kulturellen Veränderungsprozesse sowie auf die Vielfalt der Feste und Bräuche.
„Abitur ist nicht nur feiern.“ Auf diesen Ausspruch des Oberstufenkoordinators des Mettinger Gymnasiums Erhardt Werner kommen die Autoren im Laufe ihrer Studie zurück. Abiturienten nutzen ihre Feiern und Rituale andererseits aber auch nicht zur Systemkritik oder zur politischen Agitation.
Der Mehrwert, der über das bloße Feiern hinausgeht, so ein Ergebnis der Forscher, besteht nicht zuletzt in dem, was nach den Events, Festen und Feiern an Erinnerungen bleibt – Erinnerungen an Prüfungen und an das Eingebundensein in eine starke Gemeinschaft.
Von den letzten Tagen in der Schule über die Entwicklung von Abi-Gags bis hin zum rasanten Wandel der Abiturzeitungen und der Entlassfeiern beleuchten die Autoren ein breites Spektrum und liefern viele Bilder. Dabei ist ihnen aufgefallen, wie groß der zeitliche und finanzielle Aufwand dafür geworden ist. Beispiel Abiturzeitung: Die Zeitungen sind immer professioneller und deren Erstellung immer zeitintensiver geworden.
So zitieren die Autoren die letzte Seite der Zeitung vom KvG-Gymnasium aus dem Jahr 2009 mit dem Titel „arABIan nights 2009“. 427 Stunden, ist dort zu lesen, hat die Produktion der Zeitung gedauert. Dafür, so lobt die Kommission, hält der Leser dann auch ein hochprofessionelles Werk mit detaillierten Charakterisierungen aller Abiturienten in der Hand. Beeindruckt zeigen sich auch die Lehrer, haben doch viele von ihnen die Entwicklung von fotokopierten Doppelbögen bis hin zu den heutigen Hochglanzmagazinen mitverfolgt.
Die Mitarbeiter der volkskundlichen Kommission haben bei den Abifeiern darüber hinaus eine gewisse Tendenz zur „Eventisierung“ festgestellt. Die Bräuche und Feiern seien sehr gut organisiert und öffentlichkeitswirksam. Dabei bewegen sich die Schulabgänger emotional buchstäblich zwischen Wasserpistole und Ballkleid. Denn letztlich markiert das Abitur einen grundlegenden Übergang in eine neue Lebensphase.
Gestern waren die Abiturienten noch Kinder, denen viele Entscheidungen von den Eltern abgenommen wurden. Heute werden von ihnen Verantwortungsgefühl, Organisationstalent und gesellschaftlich angepasstes Verhalten erwartet. Und dieser Einstieg in eine neue Lebensphase, der für die meisten jungen Menschen mit einem Ortswechsel und neuen sozialen Kontakten verbunden ist, will rituell entsprechend ausgestaltet werden.
„Mit Wasserpistole und Ballkleid – Feste, Bräuche und Rituale rund ums Abitur“, herausgegeben von der volkskundlichen Kommission für Westfalen, erhältlich unter ISBN 978-3-87023-267-2, Münster 2011.
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28.03.2013
