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Heinz Minneker bestückt Dissener Heimatarchiv
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Autor: Achim Köpp 22. Februar 2012 15:30 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

75 Ordnerprall gefüllt mitDissener Geschichte

Heinz Minneker bestückt Dissener Heimatarchiv

Dissen. Heinz Minneker, 71 Jahre alt, Rentner. Er ist Dissener Heimatfreund mit Leib und Seele: In Dissen wurde er geboren, getauft, eingeschult, konfirmiert und getraut, hier hatte er seinen Beruf als Versandleiter im Druckgewerbe, hier gehörte er viele Jahre dem Stadtrat an, hier engagiert er sich heute im Heimatverein als Wanderwart und beratendes Mitglied im Vorstand.

 
Meterweise Dissener Geschichte: Heinz Minneker hat die Aktenordner in den letzten Jahrzehnten gefüllt. Foto: Achim Köpp  Vergrößern

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Die Tätigkeit mit dem Werkstoff Papier, der er sich mehr als 40 Jahre lang in der Druckerei Beucke widmete, beschäftigt ihn noch heute und lässt ihn nicht los: 75 prall gefüllte DIN-A4-Ordner mit, wie Minneker sagt, „gesammelten Werken über Dissen“ sind der Beweis. In der Heimatstube an der Rosinenstraße nehmen sie auf sechs Meter Länge ein ganzes Regal in Anspruch.

Jeder Ordner ist säuberlich beschriftet mit einer Jahreszahl. Und mit der von 2011 ist sicher nicht Schluss, denn beinahe täglich gibt es Nachschub in Form von Schriftstücken jeglicher Art. „Wenn es einen einmal gepackt hat“, erzählt Heinz Minneker, „kommt man nicht mehr davon los“.

Bei Heinz Minneker begann das so: Wie viele Kinder sammelte er in jungen Jahren mit Leidenschaft Briefmarken. Die kleinen gezackten, bunt bedruckten Postwertzeichen faszinierten ihn, er konnte gar nicht genug davon bekommen. Das hielt viele Jahre an, bis er die Familie gründete, die auf vier Mitglieder anwuchs, und Haus und Garten sowie der Beruf ihn verstärkt in Anspruch nahmen. Aber auch damals schon fesselte ihn das, was sich in Dissen zutrug, alle Geschehnisse, all das, was in irgendeiner Weise passierte und zu Papier gebracht worden war.

Es beginnt mit 1601

Nachdem Minneker in Rente gegangen war und mehr Zeit hatte, zog er alles, was ihm in die Finger geriet, „an Land“, kopierte es und packte es auf einen Stapel. Diese geschriebene Dissener Geschichte schrie förmlich nach einer Heimstatt. Und Minneker fand sie in den Räumen des Heimatvereins, dem er seit 1990 als Mitglied angehört.

Zwei Räume nur waren es damals im Haus Doht „Auf der Masch“, die der Verein nutzen durfte, und die platzten sowieso schon aus allen Nähten durch anderweitig gesammelte Werke aus vorherigen Jahrzehnten. Und nun auch noch die vielen Dokumente von Heinz Minneker!

Die Rettung nahte im Jahr 2006, als der Heimatverein sein neues Domizil an der Rosinenstraße bezog. Minneker beschloss: „Jetzt muss Ordnung in die Papiere gebracht werden“, und er machte sich daran, alles zu sichten, nach Gebieten zu sortieren und chronologisch zu ordnen.

Eine Heidenarbeit, die jetzt – nach fünf Jahren – vorerst fertig ist mit den 75 Ordnern, in denen sich Kopien uralter Urkunden, Abschriften alter Kirchenbücher, Zeitungsartikel, Festschriften und Broschüren von Vereinen, Institutionen und Firmen, Einladungen zu Festen und Feiern, Plakate, Infoblätter, Satzungen und Mitgliedskarten von Vereinen, kommunale Dokumente, Fotos von städtischen Gebäuden und vieles mehr befinden.

Das alles beginnt im 17. Jahrhundert mit Kopien von Urkunden aus dem Jahr 1601 mit einem Schatzregister der Bürger, der „Kerkhovers“, setzt sich fort mit dem Titel „Uffm Kirchove 1605 16 Feuerstellen“, „Kirchhöffer 1649“, „Kirchhöwere 1652“ und „Kirchhöfer 1670“. Auch finden sich hier Schriften zum „Leich-Begängniß Jacobi Veltmann Pastor ev. Gemeinde zu Dißen“ vom 29. Mai 1679, der mit 53 Jahren starb, samt der von „Anthonio Seumenicht Pastor der Kirchen zu Melle“ gehaltenen Trauerrede vom 5. Juni.

Neuere Dokumente finden sich ab Ende des 19. Jahrhunderts, darunter Berichte aus dem „Dissen-Bad Rothenfelder Anzeiger“ von 1896 oder ein Artikel über „Hundstage“ vom 25. Juli 1916 im „Iburger Kreisblatt“, dem Vorläufer der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Van Rudel un Miene

Der Turnverein Dissen ist mit der Satzung von 1894 vertreten, ebenso der Fahrplan der Strecke Osnabrück–Bielefeld (Haller Willem) vom Eröffnungstag 15. August 1886 wie auch eine Hochzeitszeitung auf Platt „Van Rudel un Miene un ehr neigeste Bekanntskop“ vom 15. Mai 1925.

Auch fehlen Rechnungen und Lieferscheine örtlicher Handwerksbetriebe und Unternehmen nicht, ein Etikett würdigt „Roters Kraft-Korn gegr. 1820“. Städtische und kirchliche Mitteilungsblätter sind dabei, Artikel über Um- und Ausbauten sowie Neubauten städtischer Gebäude und Sportanlagen und Fotos dazu. Sogar Protokolle von Rats- und Ausschusssitzungen und Ergebnisse der Kommunalwahlen sind zu finden. Todesanzeigen bedeutender Bürger der Stadt hat Heinz Minneker den Jahresordnern beigefügt.

Während Heinz Minneker für die ersten 200 Jahre lediglich einen Ordner benötigte, reichen jetzt kaum noch drei Ordner pro Jahr aus, denn die Flut an Informationen wird immer größer. Doch es ist ein reicher Schatz an Dissener Geschichte, den der Heimatfreund für die Nachwelt zusammengetragen hat. Besuchern der Heimatstuben ist er jetzt an jedem Mittwoch ab 15 Uhr beim Klönnachmittag zugänglich.

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