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Druck von Eltern im Emsland bei Verschreibung von Antibiotika
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Autor: Thomas Pertz 23. Februar 2012 06:00 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

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Gerhard Kreuter Donnerstag, 23. Februar 2012 16:55 Uhr

Geringe Arztdichte

Druck von Eltern im Emsland bei Verschreibung von Antibiotika

Lingen. Warum werden im Emsland landesweit die meisten Antibiotika für Kinder und Jugendliche verordnet? Die Kassenärztliche Vereinigung in Niedersachsen (KVN) nennt „zwei Problemkreise“, wie es Pressesprecher Detlef Haffke formuliert: die geringe Arztdichte in einem Flächenkreis wie dem Emsland und das Verhalten von Eltern im Krankheitsfall.

 
Ein Besuch beim Kinderarzt. Einer Studie zufolge steht die Verabreichung von Antibiotika auch im Zusammenhang mit der Ärztedichte in einer Region. Foto: dpa  Vergrößern

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Einer Studie zufolge haben im Jahr 2010 mehr als die Hälfte aller Emsländer bis 17 Jahre Antibiotika bekommen. Bei den Kindern bis sechs Jahre sind es sogar 67 Prozent. Das Emsland rangiert damit bundesweit unter 412 untersuchten Landkreisen auf Platz fünf, bei den Babys und den Kindern bis sechs Jahre sogar auf dem vierten Platz.

Wissenschaftlich erforscht sind die möglichen Ursachen nicht. „Nach unserer Einschätzung hängt dies aber extrem mit der Kinderarztdichte in ländlichen Regionen zusammen“, sagt Haffke. Im gesamten Landkreis Emsland gebe es derzeit 17 Kinderärzte. Wenn ein Kind oder Jugendlicher hier erkranke, sei daher davon auszugehen, dass eher einer der 177 Hausärzte im Landkreis konsultiert werde. Vermutlich verordne dieser schneller Antibiotika als der Kinderarzt. Der Grund liegt laut Haffke darin, dass eine alternative Heilmethode eine häufigere Kontrolle in zeitlich kurzen Abständen zur Konsequenz hätte. Dies sei aber aus organisatorischen Gründen in einer Hausarztpraxis oft nicht zu leisten.

„Man darf aber auch den Druck von Eltern in der Arztpraxis nicht vergessen“, erklärt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Viele Eltern seien „geeicht“ auf die Verordnung von Antibiotika, damit der Schmerz beim erkrankten Kind schnell vorbeigehe. Dabei sei ein einfaches Schmerz- oder auch Hausmittel oft besser. Bei Virusinfektionen sei der Einsatz von Antibiotika ohnehin nur in den seltensten Fällen angezeigt. „Eltern üben einen Verordnungsdruck aus“, erklärt Haffke. Der Arzt greife dadurch eher zum Rezeptblock. „Hier wäre es sicher sinnvoll, die Eltern besser aufzuklären, denn ein Antibiotikum ist kein Allheilmittel“, betont der Sprecher. Nach Angaben der KVN werden die meisten Antibiotika bei Mittelohrentzündungen von Kindern verschrieben.

„Wenn wir keine Hinweise auf eine bakterielle Infektion haben, verschreiben wir auch kein Antibiotikum“, erklärt der Lingener Kinderarzt Dr. Reiner Hüsing. Dass Hausärzte im Emsland eher ein Antibiotikum verordnen als Kinderärzte, hat auch Hüsing schon beobachtet. Nicht von ungefähr werden in Großstädten, wo es eine größere Anzahl von Fachärzten gebe, weniger Antibiotika verschrieben, obwohl die Zahl der erkrankten Kinder und Jugendlichen dort nicht geringer sei. „Das ist aber kein Vorwurf an die Kollegen der Allgemeinmedizin, die die Erfahrung mit den Kindern so nicht haben können“, betont der Kinderarzt. Gerade bei Virusinfektionen könne ein Zuwarten oder ein Hausmittel sehr wirkungsvoll sein.

Dieses Abwarten sei aber wohl mitunter auch ein Problem. „In vielen Familien sind beide Eltern berufstätig. Sie bekommen nicht so oft Kinderbetreuungsurlaub“, bestätigt auch Kinderarzt Hüsing einen gewissen „Verordnungsdruck“ seitens der Väter und Mütter.

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  Leserkommentare

 
Gerhard Kreuter, Donnerstag, Februar 23 um 16:55 Uhr Schwachsinn "Kein Vorwurf gegen die Kollegen Hausärzte, sie können die Erfahrung mit Kindern nicht haben!"
Schwachsinn zu meiner Zeit und denen meiner jetzt 30 Jahre alten Kinder war der Hausarzt das Maß aller Dinge. Der kannte seine Patienten und einen Kinderazt haben wir in all den Jahren nicht gesehen. Wenn überhaupt, dann ist die neue Praxis alles über den Kinderarzt zu regeln schuld.
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