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120 junge Spanier wollen ins Emsland
robe Sögel. Im Emsland herrscht Azubi-Mangel, in Spanien hingegen ist jeder zweite Jugendliche arbeitslos. Diese Diskrepanz ist der Anstoß für eine internationale Ausbildungsinitiative der „Wachstumsregion Ems-Achse“, die die Beteiligten gestern in Sögel vorstellten. Um den Mangel an Nachwuchsfachkräften in der Region zu mildern, sollen erstmals Interessenten aus anderen Staaten der Europäischen Union (EU) gezielt angeworben werden.
Jeder vierte Betrieb im Emsland könne Dirk Lüerßen, Geschäftsführer der Ems-Achse, zufolge derzeit nicht alle freien Lehrstellen besetzen. Das klingt erfreulich, ist es aber nicht: „Der Nachwuchsmangel ist mittlerweile sogar wachstumshemmend“, sagt der Sögeler Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers, der zu Ideengebern der Initiative zählt. Da diese Lücke zukünftig noch wachsen werde, werben Wirtschaft und Politik im Rahmen der „Ems-Achse“ nun im europäischen Ausland um junge Menschen.
Die Wahl fiel dafür auf Spanien. „Jeder zweite Jugendliche ist dort schließlich ohne Arbeit“, so Lüerßen. Damit sei ein entsprechendes Potenzial an Interessenten gegeben. Daniel Kipp, der den Kontakt in die Region Murcia herstellte, sagt: „Die Resonanz ist dort sehr groß.“ Die spanischen Verantwortlichen seien über jeden Abgeworbenen froh, dem in Deutschland eine Perspektive geboten werden könne. Tanja Gerdes von der IHK Osnabrück zufolge seien bereits mehr als 120 Bewerbungen eingegangen, die nun auf ihre Eignung hin geprüft würden.
Auch seitens der emsländischen Wirtschaft hat das Projekt großes Interesse hervorgerufen: 15 Firmen haben bereits zugesagt, eine Lehrstelle anzubieten. Ludwig Jansen, Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Emsland, begründete dies mit den Worten: „Denn Wachstum braucht Arbeitskräfte.“
Bevor aber die spanischen Nachwuchskräfte ihre Lehre im August beginnen, werden 20 von ihnen ab April ein dreimonatiges Praktikum absolvieren. „So sollen sie unsere Region und ihren zukünftigen Betrieb kennenlernen“, sagt Ems-Achse-Geschäftsführer Lüerßen. Auf der anderen Seite sei den Unternehmern damit die Möglichkeit gegeben, sich auf die spanischen Azubis einzustellen. Am Ende stehe dann die Entscheidung, ob man zusammenpasst oder nicht.
Nicht zuletzt soll das Praktikum auch dem Erwerb von deutschen Sprachkenntnissen dienen. Ein Kompaktkurs soll die Grundlagen vermitteln. Wigbers zufolge ist für dessen Durchführung die Volkshochschule Papenburg im Gespräch. Als Unterkunft für die Dauer des Praktikums sei das Jugendgästehaus in Papenburg angedacht.
Nach Ende ihrer Ausbildung sollen die jungen Spanier im Emsland bleiben und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. „Wir wollen die Spanier an uns binden“, so Lüerßen. Damit dies gelingt, muss nach Meinung von Hermann Schmitz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling, während der Ausbildung von Anfang an Integration betrieben werden, etwa durch die Mithilfe von Sportvereinen. Lüerßen ergänzt: „Wir müssen eine Willkommenskultur schaffen.“ Nur so könne das Emsland zu einer neuen Heimat werden.
Auf dem Weg dorthin gibt es aber noch offene Fragen. So sei eine Kofinanzierung durch die öffentliche Hand laut Lüerßen unumgänglich, auch wenn die regionale Wirtschaft bereit sei, ihrerseits mit Investitionen zu helfen. Die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) sicherte ihre Unterstützung zu. Denn: „Der Kampf um die Köpfe hat längst begonnen.“
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