·
Digitalabo·
Shop·
Tippspiel
Ein Ossensamstag der leisen Töne - 60 Gruppen haben sich angemeldet
Osnabrück. Der neue Ossensamstag soll leiser, kleiner, ursprünglicher und familienfreundlicher werden. Und es geht auch erst um 14 Uhr los. Ob diese Veränderungen beim Publikum ankommen – die verantwortlichen Obernarren des Bürgerausschusses Osnabrücker Karneval (BOK) geben sich optimistisch, dass ihr Konzept aufgeht. Aber sicher sind sie nicht.
Immerhin: 60 Gruppen haben sich inzwischen beim BOK angemeldet. Damit ist die Marke erreicht, die BOK-Präsident Rainer Möllers sich zum Ziel gesetzt hat. Wenn alle angeschriebenen Vereine, die sich bisher noch nicht zurückgemeldet haben, noch dazukommen, könnten es auch noch 64 Gruppen oder Wagen werden. Damit ist der Umzug so lang, dass der NDR eine Stunde lang aus Osnabrück übertragen kann, ohne dass ein paar der vorderen Wagen sich hinten noch einmal einreihen müssten.
Im Vorfeld hatten einige Mitgliedsvereine über die vom BOK geforderten Kostenbeiträge gestöhnt. Eine Reihe von ihnen nimmt deswegen diesmal auch nicht teil. Für Peter Kliemann, den Präsidenten der Ersten Haster Karnevalsgesellschaft im TuS Haste zum Beispiel, ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Er rechnet vor: 280 Euro für Wagen und Fußgruppe, 600 Euro Wagengestaltung, 500 Euro Kamelle, 100 Euro Versicherungen. Und trotzdem leisten die Haster diesmal auch noch ihren Beitrag zur Musik im Umzug. Sie haben die „Dameskapel Pardoes“ aus Lonneker (Enschede) angeheuert. Die 21-köpfige Damen-Combo hat so einiges drauf: Von Abba bis zu „Zug nach nirgendwo“ spielt die Kapelle, die seit 1994 besteht (www.dameskapelpardoes.nl).
Nachdem dem BOK, den Kaufleuten und der Stadt die Discowagen zu laut waren, könnte der Ossensamstag 2012 zu leise werden. Unter den gut 60 Gruppen sind nur vier Bands. Aus Osnabrück kommt gar kein Ensemble. Claudia Spindler, beim BOK für die Zugorganisation zuständig, hat Vereine, aber auch Schulkapellen angeschrieben. Resonanz gleich null. Sie bedauert das: „Bei anderen Umzügen bekommen die Musikgruppen Geld.“ Es wäre schön gewesen, findet die Karnevalistin, wenn gerade in der schwierigen Phase der Neuorientierung die eine oder andere Gruppe ausnahmsweise für lau aufgetreten wäre. „Vielleicht haben wir ja beim nächsten Mal schon wieder etwas mehr Geld.“
Die Reppischfäger (www.reppischfaeger.ch) aus Dietikon in der Schweiz zum Beispiel nehmen nichts für den Ossensamstag. Die „Guggenmusiker“, Spezialisten für eine spezielle, leicht schräge Interpretation von zeitlosen Hits, sind alle drei Jahre Gäste der Hollager Kolping-Karnevalisten. Und die Teilnahme am Ossensamstag ist seit Beginn dieses Austausches fester Programmpunkt. Anja Weigang, die sich um die Gäste aus der Schweiz kümmert, freut sich schon auf das Mammutprogramm, zu dem die Hollager die Reppischfäger in diesem Jahr erstmals mit einem Bus abholen. Mit ihrer aufwendigen Kostümierung, in diesem Jahr unter dem Motto „Schweiz“, treten sie am Donnerstag noch mit ihrer „fägigen“ Musik in ihrem Heimatort am Ufer der Reppisch auf. Nach der Ankunft in Hollage kommt am Freitagabend der nächste Einsatz bei Barlag. Weil der Ossensamstag erst um 14 Uhr beginnt, müssen die Musiker nicht ganz so früh aufstehen. Dafür, dass die Reppischfäger nicht ganz mit leeren Geldbeuteln heimkehren, sorgen die Münsteraner. Dort sind die Schweizer für zwei Sitzungen am Samstagabend und für den Rosenmontagszug engagiert.
Zwei weitere Spielmannszüge wirken noch mit. Dass man grundsätzlich Lautsprechbeschallung untersagt hat, findet Claus Hagen aus Lotte schade. Er ist seit 1992 auf dem Motivwagen des Männerballetts Pye dabei: „Wir waren die Ersten, die damals eine größere Musikanlage brauchten, um die Tänze zeigen zu können.“ Die Anlage funktionierte mit den 12 Volt von der Trecker-Elektrik. Damit war die Lautsprecherleistung auf 1000 Watt begrenzt. Nach Hagens Ansicht müsste man nur die 220-Volt-Benzin-Aggregate verbieten, um Loveparade-Lautstärke zu verhindern. Hagen: „Aber gut, man ist es von der Politik gewohnt, dass Hinweise von Praktikern nicht beachtet werden.“
Traditionell sind die Karnevalisten von Rot-Weiß Georgsmarienhütte beim Ossensamstag dabei. Und obwohl sie sich auch vorstellen könnten, den Ossensamstag nach Georgsmarienhütte zu holen, haben sie dieses Jahr mehrere Wagen und Fußgruppen avisiert. Die Truppe um Winnie Schulz baut derzeit noch an einem neuen Prunkwagen. Rund 4000 selbst gebundene Rosen aus spezieller, in Damme beschaffter roter und weißer Folie werden derzeit an dem Gefährt befestigt.
Eine einmalige Attraktion wird der Auftritt des Turntigers. In der Gruppe des Maskottchens des Landesturnfestes 2012 (www.landesturnfest2012.de) laufen viele sportliche Kinder mit, eine Rope-Skipping-Gruppe mit ihren Springseilchen und Akrobaten aus dem Turnkreis Osnabrücker Land.
„Das ist nur der Anfang“, findet Rainer Möllers. In zwei, drei Jahren werde sich der neue, schönere Ossensamstag etabliert haben, prophezeit der BOK-Chef.
Ossensamstag: Sponsoring durch Kaufleute denkbar
Osnabrück. Wenn der Ossensamstag künftig kleiner, leiser, familien- und damit auch einzelhandelsfreundlicher wird, könnten sich die Geschäftsleute im... mehr
Stadt Osnabrück gibt grünes Licht – Ossensamstagszug kann rollen
Osnabrück. Der Ossensamstagszug findet statt. Gestern gab auch die Stadt in einer Pressekonferenz mit Oberbürgermeister Boris Pistorius offiziell grünes... mehr
Ossensamstag: Sponsoring durch City-Kaufleute denkbar
swa Osnabrück. Die Osnabrücker Karnevalisten kommen mit ihrem geänderten Ossensamstag 2012 den Interessen der City-Kaufleute... mehr
Mehr Lokales










