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Hellern: Solar-Pläne sorgen für Angst und Panik
Osnabrück. So voll war die Alte Kasse in Hellern, dass für ein wenig Gelassenheit wohl kein Platz mehr war. Bei der Info-Veranstaltung über den geplanten Solarpark am Tongrubenweg wurden zahlreiche Wortbeiträge schlicht gebrüllt, die Nerven vieler Anwohner liegen offenbar blank.
Für die Stadt und die Stadtwerke ist es eine einfache Rechnung: Wo Osnabrück von 1951 bis 1965 seinen gesamten Müll abgeladen hat, soll nun ein Solarpark entstehen. Damit ist die Fläche sinnvoll genutzt, Zuschüsse werden eingestrichen und Sanierungskosten gespart. Vor allem viele Anwohner des Tongrubenweges machen da aber nicht mit.
Bei einer Info-Veranstaltung am Mittwochabend überzogen sie die Vertreter von Stadt und Stadtwerken mit Vorwürfen: „Flora, Fauna, Tiere – jeder Grashalm wird untersucht, aber um uns Menschen kümmert sich keiner!“, sagte Ulrich Becker. Der Sprecher der Initiative Tongrube Hellern hielt sich im Ton angenehm zurück, war in der Sache aber deutlich: Er wolle von seiner Wohnung aus nicht auf einen Solarpark gucken, vor allem nicht wie in diesem Fall auf dessen Rückseite, also gleichsam unter die Fotovoltaik-Elemente.
Auf solche ästhetischen Einwände entgegnete Klaus Siedhoff von den Stadtwerken, Solaranlagen seien nun einmal Teil der Energiewende und müssten irgendwo gebaut werden. „Was wollen Sie denn den Leuten in Pye sagen, die auf Windräder gucken müssen?“ – „Das ist doch reine Polemik!“, rief eine Frau aus dem Publikum zurück.
Viele Bürger stellten die Frage, warum die Solaranlagen nun ausgerechnet auf einer auch von Tieren bevölkerten Bodenfläche installiert werden – und nicht auf Dächern, wo sie doch eigentlich hingehörten.
„Erstens sind leider unsere Zugriffsmöglichkeiten gering. Wir können Privateigentümer nicht verpflichten, auf ihren Dächern Solaranlagen zu installieren“, sagte Tobias Langer vom Fachdienst Umweltplanung. Aber selbst wenn man auf allen 28000 infrage kommenden Dächern Solarzellen installieren würde, könnte man damit lediglich den Haushaltsstrom der Stadt abdecken. „Und dessen Anteil am Gesamtstrombedarf beträgt ein Drittel. Zwei Drittel müsste man immer noch aus anderen Quellen beziehen“, so Langer.
Zahlreiche Besucher der Info-Veranstaltung äußerten auch ihre Ängste über die Altlasten der beiden ehemaligen Mülldeponien am Tongrubenweg und an der Ströher Heide. „Was ist denn mit dem Methangas? Da hat man doch bei Bohrungen jetzt schon was gefunden, was passiert erst, wenn da die Stelzen für die Solarelemente reingerammt werden?“, fragte eine Frau mit fast panischer Stimme. Uwe von Hofen vom zuständigen Ingenieurbüro Tovar versuchte, der Frau ihre Angst zu nehmen. „Stellen Sie sich das nicht wie auf einer Großbaustelle vor, wo riesige Maschinen Sachen in die Erde rammen. Diese Stelzen werden praktisch in einer Bewegung in den Boden gedrückt und sind auch nur 80 Zentimeter lang.“ Ein älterer Herr rief daraufhin, was denn mit den Giftfässern auf der ehemaligen Deponie sei: „Wenn Sie da durchstechen, fließt das doch alles ins Grundwasser!“
Ingenieur von Hofen antwortete, man wisse doch gar nicht, ob auf dem Gelände überhaupt Giftfässer lägen. „Natürlich liegen da Giftfässer, die haben wir doch damals selber da reingerollt!“, rief der Mann zurück.
Die Vertreter der Stadt notierten sich viele Vorschläge und Befürchtungen der Bürger und sagten zu, diese auch zu überprüfen. Der Informationsabend in der Alten Kasse war Teil der „frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung“, die noch bis zum 24. Februar läuft.
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Hier der ganze Artikel: http://www.noz.de/artikel/6831185/-quot-eine-der-kritischsten-altlasten-in-osnabrueck-quot
In den letzten Jahren haben Fachleute immer wieder darauf hingewiesen, dass entweder die Deponiefläche saniert werde muss oder diese nicht "angefasst" werden sollte. Die Stadtwerke wollen nach eigener Aussage über 2.000 bis zu 2 m lange Fundamentanker in die Erde pressen, obwohl immer noch Methangas in unterschiedlichster Konzentration aus der Deponiefläche austritt, geschweige jemand genau weiss, was sich genau unter der geringen Deckschicht befindet. Das macht die Anwohner zu recht nervös. Hier wird die Stadt im Rahmen des Planungsverfahrens eine Risikoabwägung durchführen müssen. Eine Plakative "Energiewende jetzt - koste es, was es wolle" - Aussage reicht sicher nicht aus.