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Der gute Mensch vom Finkenhügel
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Autor: Thomas Wübker 10. Februar 2012 19:13 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Heiner Witzel kümmert sich ehrenamtlich als „grüner Engel“ um Patienten im Klinikum Osnabrück

Der gute Mensch vom Finkenhügel

Osnabrück. Heiner Witzel ist ein seltenes Exemplar von Mensch. Der 68-Jährige ist ein Mann, der zu seinen Gefühlen steht, und einer, der Verantwortung für andere übernimmt. Im Klinikum am Finkenhügel ist er der einzige Mann unter 30 grünen Engeln.

 
Um alleinstehende Patienten wie Jörg Wilmer kümmert sich der „grüne Engel“ Heiner Witzel im Klinikum. Foto: Lewandowski  Vergrößern

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Offiziell heißen die grünen Engel „Ökumenische Krankenhaushilfen“. Sie kümmern sich um die Patienten, die keine Angehörigen haben und zum Teil monatelang allein und ohne längere Gespräche leben müssten, gäbe es die grünen Engel nicht. Außer dem Klinikum ist das Marienhospital das zweite Krankenhaus in Osnabrück, in dem dieser Dienst angeboten wird. Heiner Witzel will übrigens kein seltenes Exemplar bleiben. Nachwuchs ist herzlich willkommen, egal wie alt und welches Geschlecht.

Heiner Witzel ist seit dreieinhalb Jahren ein Engel. Er ist nicht an seinen Flügeln, sondern an seinem grünen Kittel erkennbar. Der Mann, der bei genauerem Hinsehen dem Schauspieler Armin Müller-Stahl ähnelt, engagiert sich seit Langem ehrenamtlich. 1997 stieg er bei der Osnabrücker Tafel ein. Während seines Berufslebens als Prokurist bei der Deutschen Bank hat er als Bewährungshelfer und später als Altenpfleger gearbeitet. „Ich will die Welt aus den Angeln heben“, sagt er. Damit meint er, er will die Welt verbessern, aber kein besser-allwissender Weltverbesserer sein.

Den Antrieb für sein ehrenamtliches Engagement zieht Heiner Witzel aus seinem christlichen Glauben. Er möchte aber auch kein Sprücheklopfer sein: „Mir geht es gut.“ Er fühle sich deshalb verantwortlich für Menschen, denen es nicht so gut geht. Dafür, dass er den Patienten im Krankenhaus die Zeitung oder die Zahnpasta besorgt oder ihnen einfach nur zuhört, bekomme er auch viel zurück, sagt Heiner Witzel. Ein Händedruck oder ein Dankeschön sei ein ausreichender Lohn.

Er gehe zu den Patienten aus Mitgefühl, nicht aus Mitleid: „Das Wichtigste ist, authentisch zu sein.“ Er wolle bei seinen Besuchen mit Männern wie Frauen lachen oder weinen, wenn sich die Gespräche um Themen wie den Tod drehen. „Im gewissen Sinne bin ich auch ein Seelsorger“, meint er. Wenn er selbst reden muss, sucht er sich Hilfe bei einem „echten“ Seelsorger.

Redet Heiner Witzel über ein Thema, das ihm am Herzen liegt, so tut er dies mit Engagement und Feuer. Was ihn wirklich aufregt, ist der Umstand, dass das Wort „Gutmensch“ zu einem Schimpfwort verkommt: „Wir erleben einen Werteverfall.“ Jemand, der das Finanzamt betrügt, gelte als Filou; einer, der anderen hilft, als ein Idiot: „Ich bin auch nicht unfehlbar.“ Dennoch versuche er, Werte wie Hilfsbereitschaft oder Ehrlichkeit hochzuhalten.

Heiner Witzel weiß, dass zwischen Glück und Unglück ein schmaler Grat liegt. Er weiß, wie es ist, selbst im Krankenbett zu liegen und den Tod vor Augen zu haben. Vor einigen Jahren wurde bei ihm Magenkrebs diagnostiziert, erzählt er und muss die Brille abnehmen, um seine feuchten Augen zu wischen. Er redet selten über dieses Thema. Aber nun ist es doch aus ihm herausgebrochen. „Ich hab es damals rechtzeitig gemerkt“, sagt er leise. Nach der Operation sei der Heilungsprozess gut verlaufen.

Während seiner Krankheit und des Klinikaufenthaltes sei er durch seine Familie getragen worden. Sie habe ihm Rückhalt in einer schwierigen Situation gegeben, sagt er. Heiner Witzel kann sich vorstellen, wie es ist, in so einer Lage keine Angehörigen zu haben oder nicht mit Verwandten oder Freunden sprechen zu können. Dafür ist er da. Er kümmert sich.

Eigentlich sind Frauen die „Kümmerer“, sagt Heiner Witzel nun wieder mit einem Lächeln im Gesicht. „Aber Männer haben auch Gefühle und dürfen weinen.“ Er steht dazu. Das vermittelt er auch den Männern, die er besucht. Und er hat schon einige Männer weinen sehen, die von sich dachten, sie wären dazu nicht fähig.

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