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Das Rad nicht erfunden, sondern optimiert
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Autor: Friedrich Lüke 10. Februar 2012 16:32 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Heinz Kalde entwarf eine häusliche Windkraftanlage für Hausheizung und Stromerzeugung

Das Rad nicht erfunden, sondern optimiert

Bohmterheide. Es könnte als vorgezogenes Geburtstaggeschenk durchgehen, das er sich selbst gemacht hat. Heinz Kalde aus der Bohmterheide wird demnächst sein 80. Lebensjahr vollenden. Und im Seniorenalter hat er noch mal richtig Gas gegeben in Sachen Windkraft (wir berichteten).

 
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Windenergie für den Hausgebrauch: Entwickler Heinz Kalde vor seiner Musterwindkraftanlage in Espelkamp, die bei Nenndrehzahl nicht zu hören ist. Fotos: Friedrich Lüke Pfiffige Lösung aus dem Flugzeugbau: Ein Tragflächenprofil sorgt als Windfahne und Sturmsicherung.

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Kalde ist einen langen Weg seit 2009 gegangen. Sein Ziel, eine häusliche Windkraftanlage für Hausheizung und Stromerzeugung, dreht sich nun seit ein paar Tagen in Espelkamp. Sichtlich stolz zeigt er dem Reporter die aufgebaute Anlage bei der Firma Peter Töws, Neuer Weg 9 (nähe Sibo Beton) im Industriegebiet in Espelkamp. Es ist der erste Prototyp, die erste Anlage überhaupt, die nach seinen Plänen und Tüfteleien dem Wind die Kraft abtrotzen soll.

Das Projekt braucht auch mutige Nutzer, die sich auf die eventuellen Unwägbarkeiten eines Prototyps einlassen. „Peter Töws hat durch den Erwerb meiner Anlage den Bau überhaupt erst möglich gemacht, sonst wäre das Finanzziel überhaupt nicht möglich gewesen“, so Kalde.

Er hat das (Wind)Rad nicht neu erfunden, sondern nur optimiert. Der Strömungskörper an der Rotornabe, der den Wirkungsgrad der Rotorblätter erhöht, die Form der Rotorblätter und schließlich sein System der Sturmsicherung sind aus vielen Überlegungen in einem wachen Kopf entstanden. „Das mit der Sturmsicherung ist so ein Ding, gibt es so noch nicht“, sagt Kalde. Da hat er sich von seinem früheren Hobby inspirieren lassen, dem Segelfliegen.

Wenn eine Tragfläche mit einem bestimmten Profil eine Auftriebskraft liefert, die Flugzeug und Mensch trägt, dann könnte doch diese Kraft mit einem kleinen Stück Tragfläche die gesamte Windanlage aus dem Wind drehen, wenn der Wind richtig zur Sache geht. Auch dieses Teil ist bereits an der Anlage in Espelkamp montiert. Weitere Sicherungsmerkmale sind die elektronische Drehzahlbegrenzung durch den Generator sowie automatischer Stillstand bei Netzausfall.

Wissenschaftliche Betreuung hat er, wie berichtet, von der Fachhochschule Osnabrück erhalten. Berechnungen und Windkanalversuche untermauern sein Projekt: „Ich habe da die optimale Betreuung erfahren, für die Studenten und Professoren ist es genau das „Futter“, was gebraucht wird – ein Wissenschaftstransfer, dem ich viel zu verdanken habe.“

Die erste Anlage in Espelkamp hat eine maximale Leistung von 5 Kilowatt und einen Rotordurchmesser von gut 4 Metern. In Vorsehung auf größere Anlagen hat er die Komponenten wie Mast und Generatorgehäuse auf Zuwachs ausgelegt. Generatoren mit mehr Leistung passen in das Turmgehäuse, lediglich die Rotorkreisfläche vergrößert sich.

Der Rotormast ist ein fertiges Industrieprodukt und in verschieden Längen (Höhen) zu haben. Sind beim Prototyp die Rotorblätter noch aus Holz, werden sie zukünftig aus Kunststoff und Glasfasereinlagen in Formen geschäumt. Auch diese anspruchsvollen Vorrichtungen für den Formenbau entstehen beim gelernten Tischler in der Bohmterheide in seiner Werkstatt.

Ein schwieriger Weg bei der Entwicklung war das Ausbleiben von Fördergeldern, die er als Kleinstbetrieb nicht erhalten hat, da er die Arbeiten durchweg selbst geleistet hat. Kalde hat nun eine Anlage vorzuweisen, die seine Ideen, kombiniert mit handwerklichem Geschick, in die Realität umgesetzt hat. Heimische Unternehmen haben nun seine Pläne umgesetzt und werden seine Anlagen produzieren.

„Um so ein Projekt durchführen zu können, braucht man den Zusammenhalt der Familie, starke Nerven und Freunde, die in der Not helfen“, gibt Kalde unumwunden zu.

Heinz Kalde ist über Tel. 05471/551 oder per Mail an heinz-kalde@online.de zu erreichen.

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