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Bahnhof Kloster Oesede hieß früher Ottoschacht
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Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 10. Februar 2012 14:37 Uhr

Für ihn wurde die Düte verlegt

Bahnhof Kloster Oesede hieß früher Ottoschacht

Georgsmarienhütte. In seinen Anfängen war der ehemalige Bahnhof Kloster Oesede die Endstation einer kleinen, nur drei Kilometer langen Bergwerksbahn. Sie verband das Hüttenwerk des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins (GMBHV) mit den Kohlegruben des Dütetals. Deshalb hieß die Station zunächst „Ottoschacht“.

 
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Triebwagen und Fahrgäste am Bahnhof Kloster Oesede im September 1978. Foto: Lothar Hülsmann Die Raiffeisenwaren-Genossenschaft nutzte lange die Möglichkeiten des Güterbahnverkehrs. Foto: Alex Warner Hier hält kein Zug mehr: Rund um den ehemaligen Bahnhof Kloster Oesede ist es ruhig geworden, Alex Warner kann sich noch an geschäftigere Zeiten erinnern. Foto: Petra Pieper

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Steinkohle aus den Flözen zwischen Holzhauser Berg und Borgloh sowie Eisenerz aus dem Hüggel waren die Rohstoffe, mit denen das 1856 gegründete Hüttenwerk arbeitete, wie Alex Warner, Ehrenvorsitzender des Osnabrücker Kreisheimatbundes und während seiner Berufstätigkeit langjähriger Nachbar und Kunde des Bahnhofs Kloster Oesede, erklärt. Schon früh hatte sich das Hüttenwerk um eine Eisenbahnverbindung als Alternative zum kostenintensiven Rohstoff-Transport per Pferdefuhrwerk bemüht. Mehr als 100 Pferdegespanne, zeitweilig sogar bis zu 400 Lohnkutscher, so Warner, hatten in den ersten Jahren den mühevollen Transport von Kohle aus dem Dütetal, von Eisenerz aus dem Hüggel und von fertigen Produkten nach Osnabrück besorgt.

Aber während die Bahnverbindung von der Hütte zum Hüggel immerhin schon 1866 zustande kam, dauerte es in Richtung Kloster Oesede deutlich länger. Erst 1881 nahm die Bergwerks-Eisenbahn Ottoschacht-Georgsmarienhütte ihren Betrieb auf.

Um einen Verladebahnhof gegenüber dem Ausgang der Kohlestollen in Kloster Oesede einzurichten, war die Verlegung der Düte nötig, die in unmittelbarer Nähe floss. Zwar war das erste Bahnhofsgebäude auf der südlichen Seite der Gleise nur ein kleines eingeschossiges Flachdachhaus, eine „Bude“, aber es wurde Platz für eine Abraumhalde gebraucht. Auf der nördlichen Gleisseite war die Infrastruktur umfangreicher: Expeditionsgebäude, Kohlenwäsche, Schlammbassin und eine kleine Drehscheibe mit zwei Stumpfgleisen, auf die jeweils ein Güterwaggon zum Beladen gefahren werden konnte. Für das Beladen gab es enge Zeitfenster, denn schon damals war Zeit Geld. Waren die Arbeiter nicht rechtzeitig fertig, verhängte der GMBHV, dem die Bedienung der Bahnverbindung durch Fahrzeuge und Personal oblag, Strafgebühren.

Anfangs verkehrte zweimal täglich ein Güterzug, der in einem angehängten Personenwagen auch Passagiere befördern konnte, zwischen dem Hüttenwerk und dem Kohleschacht. Der erste – handschriftlich erstellte – Fahrplan ist noch erhalten: Um 7.45 Uhr startete eine Bahn von der Hütte und war 13 Minuten später am Ottoschacht, nach vier Minuten ging es mit einem zweiten, beladenen Zug um 8.02 Uhr wieder zurück. Und das gleiche Prozedere wiederholte sich zwischen 16 und 16.30 Uhr.

„Das gefiel allen Beteiligten so gut, dass wenige Jahre später der Haller Willem gebaut wurde“, formuliert Alex Warner betont salopp, wohl wissend, dass lange Verhandlungen zwischen den Interessengruppen vorausgegangen waren. Aber in der Tat ging die normalspurige Bergwerksbahn 1886 in der neuen Linie Osnabrück–Brackwede/Bielefeld auf.

Zwilling in Lüstringen

Der Bergbau in Kloster Oesede erwies sich indes schon nach kurzer Zeit als nicht mehr rentabel, das Ende kam 1889. Um die Jahrhundertwende wurden die Zechengebäude abgebaut; der Ottoschacht geriet allmählich in Vergessenheit. Man baute die Gleisanlage um und errichtete 1908 ein stattliches Stationsgebäude, das nun als „Bahnhof Kloster Oesede“ firmierte. Der im Hauptteil zweigeschossige Bau mit seinen charakteristischen, ziegelumrandeten Rundbogenfenstern – der übrigens im Bahnhof Lüstringen einen „Zwilling“ besitzt – entsprach den „preußischen Normalien“, weiß Eisenbahnhistoriker Lothar Hülsmann. Wie überall gab es eine Schalterhalle, Wartesäle und ab 1932 ein modernes Zentral-Stellwerk. Im Obergeschoss wohnte der Bahnhofsvorsteher mit seiner Familie. Ein kleiner Güterschuppen vervollständigte das Ensemble.

Viele Jahre nutzten die Kloster Oeseder ihren Bahnhof, die meisten, um nach Osnabrück und zurück zu fahren. Allein für das Jahr 1930 kann Hülsmann die Zahl von 53749 Fahrgästen nennen, allerdings halbierte sich der Zuspruch damals in nur drei Jahren auf 26134 – „ein deutliches Zeichen der damaligen Wirtschaftskrise“. In den 40er- und 50er-Jahren war die Bahn wieder „das“ Verkehrsmittel, doch dann ging das Fahrgastaufkommen stetig zurück. 1984 wurde der Personenverkehr zwischen Osnabrück und Dissen schließlich eingestellt.

In den Wirtschaftswunderjahren bis Anfang der 90er-Jahre wurde die Anlage mit dem noch vorhandenen Ladegleis vor allem von der Raiffeisen-Warengenossenschaft genutzt, die sich in direkter Nachbarschaft mit eigenen Lagerräumen etabliert hatte und ihren Warenverkehr über die Schiene abwickelte: „Wir haben unsere Dünge- und Futtermittel sowie neues Saatgut per Güterwagen erhalten, der an einem Morgen angeliefert und am nächsten wieder abgeholt wurde“, erzählt Alex Warner, „Massentransporte fährt man am besten mit der Bahn“, ist er bis heute überzeugt. Allerdings war die Streckenstilllegung diesem Anliegen nicht förderlich. „Da hat die Bahn grandios versagt“, findet Warner.

Heute befindet sich der alte Bahnhof in Privatbesitz, mitsamt den Relikten des alten Ladegleises durch eine schmale Straße vom Haller-Willem-Gleis abgeschnitten. Dessen Triebwagen rauschen im Stundentakt vorbei und halten erst knapp einen Kilometer weiter östlich in unmittelbarer Nähe des Ortszentrums von Kloster Oesede.

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