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„Führerschein mit 17“ im Altkreis Bersenbrück gefragt
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Quelle: cg,CG/Bersenbrücker Kreisblatt 10. Februar 2012 08:30 Uhr

Gespräch mit Karl-Heinz Saller

„Führerschein mit 17“ im Altkreis Bersenbrück gefragt

Altkreis Bersenbrück. Der „Führerschein mit 17“ wird im Altkreis Bersenbrück gut angenommen. Diese Erfahrung macht Karl-Heinz Saller, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Niedersachsen im Altkreis Bersenbrück. „Heute stellen ,Führerschein mit 17‘-Teilnehmer in den Fahrschulen weit mehr als 50 Prozent der Fahrschüler“, sagt er im Gespräch mit dem „Bersenbrücker Kreisblatt“.

 
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Karl-Heinz Saller Foto: Christian Geers Der Führerschein mit 17 kommt auch im Altkreis Bersenbrück gut an. „Heute stellen ,Führerschein mit 17‘-Teilnehmer in den Fahrschulen weit mehr als 50 Prozent der Fahrschüler“, sagt Karl-Heinz Saller, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Niedersachsen im Altkreis Bersenbrück. Foto: ddp/Archiv

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Herr Saller, erinnern Sie sich noch an Ihre Führerschein-Prüfung?Ja, das war 1967 in der Stadt Osnabrück. Bevor das Auto sich in Gang setzte, habe ich es dreimal absaufen lassen. Aus heutiger Sicht ist die Vorbereitung damals völlig unzureichend gewesen: Ich hatte vier Fahrtstunden, eine davon auf dem Roller, dann war Prüfung. Sonderfahrten gab es nicht. Ich verfügte damals ein halbes Jahr nach Bestehen meiner Führerscheinprüfung über das fahrerische Können, das heute ein Fahrschüler bei der Prüfung vorweisen muss.Was hat sich im Vergleich zu früher geändert?Die Autos sind heute mit elektronischen Hilfsmitteln ausgestattet, die Verkehrsverhältnisse sind völlig andere. Bei der Führerscheinausbildung für das Motorrad saß der Fahrlehrer in den 1960er-Jahren übrigens hintendrauf. Also, das würde heute alles so nicht mehr gehen. Die praktische Fahrprüfung dauerte zehn Minuten, heute ist es etwa eine dreiviertel Stunde.

2004 startete in Niedersachsen das „Begleitete Fahren mit 17“. Später wurde das Modell bundesweit eingeführt. Welche Erfahrungen haben die Fahrlehrer gemacht?

Sehr gute, und da spreche ich aus Erfahrung. Meine älteste Tochter hat vor Einführung des begleiteten Fahrens ihren Führerschein gemacht. Nach etwa 30, 35 Fahrstunden hat sie Prüfung gemacht. Als sie dann alleine losfuhr, habe ich mir doch Sorgen gemacht. Bei der jüngeren Tochter war das anders. Ich habe sie mit 17,5 Jahren offiziell in meiner Fahrschule angemeldet und sie beim Fahren begleitet. So sind etwa 100 Fahrstunden zusammengekommen. Der Unterschied: Als sie dann Prüfung gemacht hat, konnte ich beruhigt loslassen. Deshalb: Das begleitete Fahren hat Vorteile, wenn der Beifahrer ein Vorbild ist.

Wie wird das begleitete Fahren angenommen?

Sehr gut. Früher waren neben den 18-Jährigen viele ältere Fahrschüler in den Fahrschulen. Heute stellen „Führerschein mit 17“-Teilnehmer in den Fahrschulen weit mehr als 50 Prozent der Fahrschüler.

Was sind die größten Vorteile?

Wenn Sie mit 17 am begleiteten Fahren teilnehmen, können Sie mit 18 Jahren eine große Fahrpraxis vorweisen. Beim Führerschein mit 17 sammeln Fahranfänger ein Jahr lang unter Begleitung viele wertvolle Erfahrungen. Auch versicherungstechnisch hat es Vorteile.

Welche?

Fahranfänger mit 17 werden von fast allen Versicherern wie ein 25-Jähriger eingestuft. Der Erfahrungsschatz zahlt sich also auch in barer Münze aus. Und: Mit Bestehen der Fahrprüfung beginnt auch die Probezeit von zwei Jahren.

Gibt es auch Risiken?

Es kommt auf die Begleiter an. Wer sich neben seinen Sohn oder seine Tochter setzt und ständig an dessen Fahrweise herummeckert, erzeugt nur Unsicherheit.

Wie sieht der ideale Begleiter aus?

Es ist ein ruhiger Mensch und weist auf bestimmte Verkehrssituationen hin, gibt Tipps, hilft bei einer vorausschauenden Fahrweise, die dem Anfänger natürlich fehlt. Ein Beispiel: Erfahrene Autofahrer haben im Blick, dass auch Radfahrer einen Zebrastreifen radelnd überqueren könnten. Der Anfänger erkennt solche Verkehrssituationen erst sehr spät oder rechnet nicht damit.

Welche Voraussetzungen muss der Begleiter noch mitbringen?

Er muss mindestens 30 Jahre alt sein und in den letzten fünf Jahren ununterbrochen im Besitz des Führerscheins der Klasse B (Klasse 3) gewesen sein. Die Begleitperson darf zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht mehr als drei Punkte in Flensburg haben. Es sind bei vielen Führerschein-Neulingen deshalb oft die Eltern.

Ist die enge familiäre Bindung denn von Vorteil?

Wichtig ist, dass Eltern in die Rolle des erfahrenen Autofahrers finden: Sie geben Tipps und greifen mäßigend ein. Das heißt nicht, dasssie ins Lenkrad fassen dürfen. Sie sollen anleiten – mit Worten.

Apropos, Eltern: Viele von ihnen üben ja schon vor dem Beginn des Fahrschulunterrichts mit ihren Kindern. Was halten Sie davon?

Nicht viel. Da appelliere ich an sie, von der Rolle als Ausbilder abzusehen. Was nicht heißen soll, dass sie ihrem Kind nicht zeigen, wie Kupplung, Schaltung und Bremse funktionieren. Aber mehr sollte es nicht sein.

Wie viele Fahrstunden braucht ein Schüler heute?

Mit verpflichtenden zwölf Sonderfahrten liegen sie zwischen 30 und 40 Stunden. Preislich bewegt man sich zwischen 1500 und 1600 Euro.

Sind die Fahrschüler von heute aufmerksamer?

Ich beobachte, dass die Fahrschüler heute oft weniger konzentriert sind. Das verwundert ja nicht. Viele sitzen den ganzen Tag vor dem Bildschirm, ihr Sichtfeld ist eingeschränkt. Das wirkt sich nachher beim Fahren aus. Als Fahrlehrer kommt es dann darauf an, während der Ausbildung den Blick zu weiten und zu schärfen. Gleichwohl: Die Jugend von heute ist so vernünftig und unvernünftig wie damals.

Ahnen Sie schon bei der Anmeldung, welcher Typ Jugendlicher da kommt?

Das merkt man ziemlich schnell, ob da jemand sportlich-rasant fährt oder sich mit Bedacht ans Steuer setzt. Es gibt ein Curriculum, das Fahrlehrern vorschreibt, wie eine Ausbildung abzulaufen hat. Und es gibt Unterschiede: Anders als beim Autoführerschein ist der Fahrschüler in der Zweiradausbildung auf sich selbst angewiesen, als Fahrlehrer kann ich bei der Fahrt nicht aktiv eingreifen. Deshalb gibt es einen Leitfaden, der den Ablauf der Ausbildung genau festlegt. Ein verantwortungsbewusster Fahrerlehrer muss deshalb auch den Mut haben, einem Fahrschüler zu sagen, wenn er fürs Motorradfahren nicht geeignet ist.

Wer ist Ihnen als Fahrschüler am liebsten?

Bei den Jungen kommt manchmal das Macho-Gehabe heraus. Die denken oft, ein vernünftiger Autofahrer könne nur ein Mann sein. Dabei sind es die Mädchen, die achtsamer und vorsichtiger unterwegs sind. Das lässt sich auch aus den Unfallstatistiken herauslesen, in denen Frauen viel seltener als Verursacher auftauchen. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen.

Manche Fahrschulen bieten während der Ferien Crashkurse an, wo Jugendliche binnen zwei Wochen einen Führerschein machen können. Was halten Sie davon?

Nichts. Da werden Schüler auf die Prüfung getrimmt. Das wichtige Hintergrundwissen lässt sich nicht binnen weniger Tage vermitteln. Sie kennen zwar die Antworten auf die Fragen, aber eben nicht aus eigener Anschauung. Eine gute Fahrschule legt Wert auf eine duale Ausbildung, Fahrschüler werden gleichzeitig in Theorie und Praxis geschult.

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