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Fabelhaft in Lotte: Freude und Kummer sind nicht unendlich
Lotte. Märchenhaft ging es im Alt-Lotter Awo-Familienzentrum zu. Die Container-Turnhalle des Kindergartens war abgedunkelt und mit bunten Tüchern dekoriert. Eine Kerze brannte. Horst Meyer, Kulturschaffender aus Lotte, erzählte russische Märchen, zu denen Erzieherin Lili Wert Keyboard spielte. Eltern und Erzieherinnen kuschelten dabei mit den Kindern.
Die Takte des bekannten russischen Lieds „Kalinka“ bildeten den passenden Auftakt. Dann holten sich die Gäste erst mal Tee und Gebäck. Später konnten sie sich alle Gegenstände und Kinderbücher anschauen, die die Eltern mitgebracht hatten.
„Die Temperatur ist passend zum gemütlichen Zusammenrücken. Wir wollen die Märchenwelt erleben. Das kann nur der, der durch einen Zauberspiegel schaut“, sagte Horst Meyer. Er reichte sieben – eine märchenhafte Zahl – Rohre herum, Kaleidoskope, in denen sich beim Drehen bunte Motive verändern. Pia, Irena und Eliana probierten das sofort aus und ließen sich wie der Rest der Schar leicht in die Märchenwelt entführen.
Alt und kinderlos waren Maria und Iwan geworden, als sie in einem Winter Kindheitserlebnisse aufleben ließen und ein Schneemädchen bauten. „Der liebe Gott hat uns kein Töchterchen geschenkt. Das hier ist unser Schneeflöckchen“, erklärte Marie allen, die fragten.
Plötzlich begann Schneeflöckchen sich zu bewegen und wurde ein hübsches Mädchen, das bei den Alten einzog und schnell alles Wichtige lernte. Als der Frühling kam, wurde das Kind traurig. Im Sommer ging es mit seinen Freundinnen in den Wald, spielte und sang mit ihnen. Abends machten die Mädchen ein Feuer und sprangen drüber. Auch Schneeflöckchen, das sich mit „Au-au“-Rufen zu einer dünnen Nebelschwade verflüchtigte und am Himmel mit einer dicken weißen Wolke verschmolz.
Die Menschen suchten lange, sehr lange. Auch Maria musste schließlich einsehen, dass Iwan recht hatte, als er sagte: „Die Freude ist endlich, so wie der Kummer nicht unendlich ist.“ Mit einem Erzählstein, den die Kleinen aus dem Kindergartenalltag kennen, konnte nun jeder junge Zuhörer etwas zum Gehörten sagen. Einige freuten sich noch, dass Schneeflöckchen auf die Erde gekommen war, andere waren eher traurig, dass sie nun geschmolzen ist.
Fröhlichkeit verbreitete Horst Meyer mit der Mitmachgeschichte „Die Riesenrübe“. René kannte sie und sagte eifrig: „Ich bin die Riesenrübe.“ Nun ging es los: Opa säte Rübensamen, aus denen eine dicke Riesenrübe wuchs. Allein konnte er sie nicht ernten und rief die Großmutter, die am Opa zog. Die Enkelin zerrte nun an der Großmutter. Hund und Katze halfen gleichfalls. Vergeblich. Da holte die Katze Hilfe bei der Maus und – schwupps war die Riesenrübe draußen.
Mit fröhlichem Kinderlachen endete die Märchenstunde. Es wird sicher nicht die einzige ihrer Art im Alt-Lotter Awo-Familienzentrum bleiben.
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