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Der Burgwächter von Wittlage
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Autor: Kathrin Pohlmann 09. Februar 2012 13:40 Uhr

Hausmeister Gunnar Drees

Der Burgwächter von Wittlage

Wittlage. Grauer Kittel, Schnäuzer und ein dicker Schlüsselbund. Dem typischen Klischee eines Hausmeisters entspricht Gunnar Drees nicht.

 
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Solide Handwerksarbeit für die Ewigkeit: Je nach Witterung muss Gunnar Drees die Turmuhr manchmal stellen und ein bisschen ölen. Sonst funktioniert das 133 Jahre alte Uhrwerk reibungslos. Fotos: Kathrin Pohlmann Ein Kamin auf dem historischen Burggelände. Auf dem Dachboden des Burgturms findet sich so manches Schätzchen. Hier liegen Tragen aus dem Zweiten Weltkrieg.

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Mit Jeans, Weste und Handy ausgestattet, läuft der Hausmeister über das Gelände und guckt, ob alles seine Ordnung hat. Alte Baumbestände, ein Burggraben und drei bis vier Hektar grüne Rasenfläche. Das klingt idyllisch, bedeutet aber auch jede Menge Arbeit. Seit sechs Jahren ist Drees Hausmeister der Burg Wittlage, und er kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. „Es ist wie ein Sechser im Lotto, hier zu arbeiten“, erzählt Gunnar Drees, und seine Augen glänzen.

Bevor er Hausmeister wurde, war er als Tischler tätig.

Fenster reparieren, Türen abschleifen. Das ein oder andere Mal war er auch auf der historischen Burg im Einsatz und half vor Ort bei Umbauarbeiten. Das Anwesen gefiel ihm immer schon.

Als der damalige Hausmeister in den Ruhestand ging, bewarb sich Drees kurzerhand auf den Posten. Er bekam den Job. „Es war immer schon mein Traum, Hausmeister zu sein“, sagt er.

Auf dem Gelände ist er „Mädchen für alles“, wie er selbst über sich sagt. Er muss Rasen mähen, streichen, den Burggraben säubern oder die 133 Jahre alte Turmuhr aufziehen. „Je nach Witterung geht die Uhr manchmal vor oder nach, dann muss ich auf den Turm und sie stellen“, sagt der Hausmeister. Es gibt immer etwas für ihn zu tun, und Langeweile kennt er nicht. Ab Januar nach der Winterpause kommen Schulklassen oder Vereine wieder auf die Burg. Denn wo früher die Burgfräulein lebten, ist jetzt eine Jugendherberge mit insgesamt 63 Betten. Die letzten Malerarbeiten müssen noch getätigt werden, ehe die Gäste anreisen. „Es soll ja alles ordentlich sein“, sagt der 42-Jährige. Und das ist es, wo man auch hinsieht. Kein Blatt, das lose über die Pflasterung tanzt, und kein Abfall, der sich in den Beeten versteckt. Selbst in den Zimmern der Jugendherberge ist kaum ein Staubkörnchen zu sehen. Ganz allein kann aber auch Gunnar Drees die Arbeit nicht bewältigen. Ihm helfen behinderte Menschen, die auf dem Gelände wohnen und betreut werden. „Das sind so tolle Kollegen, die mich hier unterstützen“, erzählt der Hausmeister, und er macht einen sehr zufriedenen Eindruck.

Blumen und Hecken muss er bald pflanzen. „Im Sommer, wenn alles grün ist, dann ist das hier ein Paradies“, schwärmt er. Dann grillt er mit den Besuchern oder organisiert alles für ein Lagerfeuer im Innenhof des sagenumwobenen Burgturms. Mit Schulklassen macht er auch Turmführungen.

Drees zeigt ihnen die alten Kerker von 1309 und kann einige Geschichten erzählen: von Sagen über Geheimgänge und von den harten Haftbedingungen der Sträflinge. Mit einem Bürojob oder am Fließband in einer Firma stehen, damit würde der Hausmeister niemals tauschen wollen. Er ist ein Naturmensch und gerne an der frischen Luft. Dafür nimmt er auch den regelmäßigen Wochenenddienst in Kauf. „Ich mache das ja gerne“, betont er.

Alle zwei Wochen kommt ein Kollege vorbei. Er ist Rentner und übernimmt den Wochenenddienst auf der Burg. Da kann Drees sich dann ganz seinem Hobby widmen – Fußball. Er fährt auch schon mal zu einem Spiel seines Lieblingsvereins VfB Stuttgart oder bolzt mit seiner Tochter und seinem Sohn auf der Rasenfläche hinter dem Burgturm.

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