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Tippspiel
Frostschutzmittel für den Salamander
Melle. Acht Grad unter null: Rund zwanzig große und kleine Naturinteressierte, dick angezogen mit Mütze, Schal, Handschuhen. Mittendrin die Naturführerin Christa Möller. Sie schmunzelt: „Ja, wir sind dick eingemummelt, aber was machen die Tiere im Winter?“ Ja was machen die Tiere? So einiges, wie sich auf einer zweistündigen Erlebnisreise durch den Winterwald zeigt.
Oft erzählt Christa Möller Märchen. Aber wenn sie jetzt so am Zwickenbach in den Meller Bergen steht und vom Salamander mit dem Frostschutzmittel und vom Maulwurf mit dem Kühlschrank erzählt, dann ist das alles ganz und gar wahr. Mit welch raffinierten Tricks und Strategien Tiere im Winter überleben, das war das Thema der ersten von rund 35 Meller Naturführungen in diesem Jahr .
Bei Insekten oder Amphibien wie dem Salamander zum Beispiel verhindern körpereigene „Frostschutzmittel“, dass die Körperflüssigkeit der Tiere während der Winterstarre gefriert. Andere Tiere verstecken sich an wärmeren Plätzen unter Laub oder in Baumritzen. Viele verkriechen sich unter der Erde und legen Vorräte an. „Der Maulwurf hat einen richtigen Kühlschrank“, sagt Christa Möller: eine eigene Höhle, gefüllt mit bis zu über 100 angebissenen Regenwürmern.
Den gibt es heute nicht zu sehen, dafür Fichtenzapfen mit Fraßspuren von Maus, Specht und Eichhörnchen. „Eichhörnchen brauchen 30 Gramm Nahrung pro Tag“, erklärt die Naturführerin – gar nicht so einfach, wenn der Fichtensamen nur 0,004 Gramm wiegt. Und ein Grund, warum sie im Herbst zusätzlich Beeren und Nüsse sammeln.
Christa Möller könnte noch viel mehr erzählen, aber das Erleben der Natur steht bei den Meller Naturführungen im Vordergrund. Es gehe darum, „unterwegs zu sein und die Natur zu entdecken“. Und so darf jeder einmal selbst „Tier im Winter“ spielen, indem er ein Filmdöschen mit Gelatine so im Wald versteckt, dass die Flüssigkeit nicht gefriert. „Das ist jetzt euer Lebewesen, dafür habt ihr zu sorgen“, lacht die Naturführerin. Statt eines langen Vortrags über sich im Winter aneinanderkuschelnde Vögel trägt sie Morgensterns Gedicht „Die drei Spatzen im Haselstrauch“ vor. Und wie ein Eichhörnchen gilt es, drei Nüsse zu verstecken und am Ende der Tour auch wiederzufinden.
Frisch gefallener Schnee zeigt auf dem Zwickenbach Spuren von flitzenden Mäusen und springenden Eichhörnchen. Vieles mehr ist noch zu entdecken, und als es über einen alten Wildpfad wieder zum Ausgangspunkt zurückgeht, ist klar: Die Natur ist der deutlich bessere Überlebenskünstler – von allen versteckten Gelatine-Eiern ist gerade mal eins in der vergangenen Stunde nicht erfroren, und auch das hätte wohl wiederbelebt werden müssen.
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