Kontakt

·

Digitalabo

·

Shop

·

Tippspiel

Startseite

|

Lokales

|

Lingen

|

Max Raabe – in Lingen ohne Palastorchester
Lokales

Schrift
 Drucken  Versenden Empfehlen auf:      

2250
Autor: Carsten van Bevern 06. Februar 2012 20:59 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Publikum überzeugt

Max Raabe – in Lingen ohne Palastorchester

Lingen. Max Raabe ohne sein Palastorchester – geht das überhaupt? Ja, es geht: Dies bewies Raabe im Theater an der Wilhelmshöhe. Mitgebracht hatte er sein neues Soloprogramm „Übers Meer“, begleitet wurde er dabei lediglich von seinem langjährigen Pianisten Christoph Israel.

 
Sein Soloprogramm „Übers Meer“ präsentierte Max Raabe in Lingen, nur begleitet von seinem langjährigen Pianisten Christoph Israel.Foto: C. van Bevern  Vergrößern

– Anzeige – Ihre Anzeige hier



Zuletzt kommentiert








Der ausgebildete Opernsänger (Bariton) klingt nos-talgisch wie eh und je, sein Frack sitzt tadellos, die blonden Haarsträhnen sind glatt nach hinten gekämmt und wie versteinert steht er im Scheinwerferlicht: Mit nahezu unbewegtem Gesicht und sparsamster Gestik präsentiert er fast schon vergessene Schlager der Weimarer Republik. Sein Auftreten, die kongeniale Begleitung durch Christoph Israel, die altertümliche Sprache – schließt man kurz die Augen, fühlt man sich zurückversetzt. Scheint auch ohne das Knistern der Schellackplatte zu spüren, wie die 20er-Jahre, die Weimarer Republik gewesen sein müssen. „Zwischen Abgrundahnung und Luftschifferglück“, mit diesen Worten hat der Kulturhistoriker Hermann Glaser das Grundgefühl der Deutschen in jener Ära einmal beschrieben. Max Raabe präsentiert an diesem Abend die Musik dazu. Überzeugend, auch wenn einige Stücke ein wenig vor sich hin zu plätschern scheinen.

Ein Manko aber bleibt. Die Erläuterungen zu einzelnen Stücken bleiben kurz. Stakkatohaft reiht Raabe meist nur Komponist, Texter und Entstehungsjahr aneinander. Ein oder zwei Sätze mehr wären an der ein oder anderen Stelle hilfreich gewesen. So bleiben Geschichten unerzählt. Etwa die des wohl bekanntesten Stückes an diesem Abend: Raabe singt „Ein Lied geht um die Welt“ nicht so schmetternd und euphorisch wie Josef Schmidt. Er singt es verhalten, der sich dahinter verbergenden Geschichte angepasst: Schmidt, ein junger jüdischer Tenor, sang es 1933. Nur einen Tag nach dem Sensationserfolg seines Films und dessen Titelmelodie floh Schmidt aus Deutschland – und starb 1942 in einem Schweizer Internierungslager.

Deutlich wird an diesem Abend: Max Raabe ist ein einzigartiger musikalischer Vertreter der „Goldenen Zwanziger“, der in seinem Soloprogramm auch den ein oder anderen Schritt in die Gegenwart wagt. Begleitet wird er dabei von einem ebenso überzeugenden Pianisten Christoph Israel. Und Konzertsäle kann er auch solo (fast alle) füllen. Die Carnegie Hall in New York füllte er 2005 und 2008 komplett. In Lingen wollten ihn gut 500 Zuschauer sehen, ein paar Plätze waren aber doch frei geblieben.

Lesen Sie auch ...

Max Raabe erzählt in Lingen von Liebe und Sehnsucht

emr Lingen. Max Raabe präsentiert gemeinsam mit seinem langjährigen Pianisten Christoph Israel am Sonntag, 5. Februar, um 18 Uhr sein neues... mehr

Max Raabe in der Osnabrückhalle

Osnabrück. Max Raabe ist ein eigenartiges Phänomen. Mit seinem Palast Orchester füllt er Säle, sorgt etwa für eine ausverkaufte Osnabrückhalle. Seine... mehr


 Mehr Lokales

 
  Leserkommentare
Schreiben Sie einen Kommentar




Empfehlen auf:  Facebook  Twitter

Haus

Immobilien aus der Region

Immobilien-Angebote

Finden Sie Ihre Immobilie: Wohnungen und Häuser mieten, vermieten, kaufen und verkaufen.






 Zeitungstitel wählen  Schließen

Wählen Sie Ihren Zeitungstitel: