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Bohmte: Posaunenchöre fungieren als mobile Freudenboten
Bohmte. „In der Musik lebt eine Botschaft, die zu Herzen geht. Wir haben es eben erlebt“, fasste Wolfgang Loos, Superintendent des Kirchenkreises Melle/Altkreis Wittlage, das Erlebte rund um den 125. Geburtstag des Bohmter Posaunenchores zusammen.
Recht hatte er. Die Gemeinde, zu der eine stattliche Zahl von Gästen gehörte, erlebte in der St.-Thomas-Kirche einen beeindruckenden Gottesdienst mit viel Musik – und einer modernen Liturgie. Bei der Begrüßung verwies Pastor Hartmut Weinbrenner darauf, dass der Jubiläumschor um einige Mitglieder aus der Nachbarschaft, sprich aus Herringhausen und Ostercappeln, verstärkt wurde.
Chorleiter Jens Steuwer hatte eingangs einen wichtigen Hinweis parat: „Wir feiern Jubiläum, wir wollen mehr als den normalen Choral spielen. Zwischen den Strophen haben Sie eine kurze Pause. Ich zeige, wenn es weitergeht.“ Das funktionierte reibungslos. Das Spektrum reichte von der instrumentalen Einleitung „Alles, was Odem hat“ über Choräle (Gott liebt diese Welt, Nun danket alle Gott, Was Gott tut, das ist wohlgetan) bis zum Schlussstück „Highland Cathederal“. Nicht alltäglich war die Reaktion in der Kirche, als der letzte Ton verklungen war: Kräftiger Beifall kam auf. Anschließend lud Pastor Weinbrenner alle zum Empfang in das Gemeindezentrum ein: „Wir möchten mit Ihnen auf den Jubilar anstoßen.“
In der Predigt hatte Weinbrenner den Bogen vom Propheten Jeremia zum Posaunenchor geschlagen. Er stellte die Frage, was das Jubiläum mit „Rühmen“ und Selbstdarstellung zu tun habe. Der erste Posaunenchor überhaupt wurde 1843 in Jöllenbeck/Bielefeld gegründet. Ziel war damals wie heute, die Liebe Gottes zu den Menschen zu bringen, zu vermitteln, dass jeder Einzelne wertvoll ist. Bereits 1887 entstand in Bohmte ein Posaunenchor, obwohl es dort keine Kirche gab. Weinbrenner: „Bohmte war schon damals auf der Höhe der Zeit.“ Er unterstrich, dass Posaunenchöre beweglich sind, als mobile Freudenboten fungieren. Vieles habe sich seitdem gewandelt, die Posaunenchöre gebe es auch heute noch. Männer und Frauen, Jung und Alt wirkten zusammen, erlebten Schönes. Die Zusammenfassung lautete so: „Die Posaunenchöre stellen nicht sich gut dar, sondern Gott. Ich sage Danke für 125 Jahre Verkündigung und Gotteslob.“
Im anschließenden Empfang gab es zudem einen Hinweis, wie der Name der Posaunenchöre entstanden ist. Weinbrenner: „In der Bibel steht, lobt Gott mit Posaunen“. Entsprechend wurde der Name übernommen, obwohl die Posaune in den Chören eher in der Minderheit ist.
Chorleiter Jens Steuwer, der selbst seit mehr als 20 Jahren zum Posaunenchor gehört, erinnerte im Zusammenhang mit dem Jubiläum und der Festschrift daran, wie wichtig Aufzeichnungen sind. „Man muss wissen, wen man fragen kann.“ Dabei kam Hugo Rausch, langjähriges Mitglied im Posaunenchor und inzwischen nach Lüneburg verzogen, ins Spiel. „Hugo hat immer Buch geführt. Er weiß über alles Bescheid“, hieß es. Das war bei der Erstellung der Festschrift entscheidend. Und als Zeichen des Dankes erhielt er die erste Festschrift, die jedermann zum Preis von 5 Euro erwerben kann.
Superintendent Loos, der nach Bohmte gekommen war, obwohl der Landesbischof im Kreis war, meinte: „In der Tat musste ich eine Entscheidung treffen. Aber der große Festtag in Bohmte ist es wert, dabei zu sein.“ Er gratuliere mit „Begeisterung und hohem Respekt“. Er verwies zudem auf das Leitmotiv des Posaunenchores „Gott loben, das ist unser Amt“, das nicht nur im Jubiläumsjahr gelte.
„Wir sind dankbar, dass Menschen, denen musikalisches Talent in die Wiege gelegt wurde, und Glauben zusammenkommen. Und das über Generationen hin“, sagte Bürgermeister Klaus Goedejohann in seinem Grußwort. Er fügte hinzu, dass das Wirken für die Menschen gar nicht hoch genug gewürdigt werden könne. Augenzwinkernd meinte er weiter, dass es keine Zuhörer gäbe, wenn alle das Talent hätten. Er selbst bekannte sich ausdrücklich zur Seite der Zuhörer.
Nicht fehlen durfte der Hinweis, dass es in allen drei Bohmter Ortschaften Posaunenchöre gibt, die ebenso wie die Kolpingkapelle Hunteburg und der Bläserchor Bohmte auf dem christlichen Glauben fußen. Das gebe Hoffnung für die Zukunft. Goedejohann abschließend: „Wir dürfen uns auf hervorragende Veranstaltungen im Jubiläumsjahr freuen.“
Zu den Gratulanten gehörten auch die katholische Kirchengemeinde Bohmte – von der anderen Straßenseite, der Bläserchor („Von Altersschwäche keine Spur“) und die benachbarten Posaunenchöre sowie die Bohmter Werbegemeinschaft. Hildegard Zarth, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, brachte es auf den Punkt: „Auf den Posaunenchor können wir uns immer verlassen. Er macht fast alles möglich.“
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