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Polizeichefin predigt über Glauben, Gewalt und Grundgesetz
Bissendorf. Einmal im Jahr überlässt Pastor Karl Asbrock in der evangelischen St.-Laurentius-Kirche in Schledehausen die Kanzel einem Gast. Denn einmal im Jahr, beim Jahresempfangsgottesdienst, hält ein Bürger die Predigt. Dieses Mal war es Heike Fischer, die Osnabrücker Polizeipräsidentin.
Die Idee einer Bürgerkanzel sei keiner neuen, verrückten Gottesdienstvariante geschuldet und sei auch keine besonders exotische Angelegenheit, sagte Pastor Asbrock am Sonntag zu Beginn des Gottesdienstes. Jeder Getaufte sei aufgerufen, das Evangelium zu verkünden, und dafür gebe es in der Gemeinde die Bürgerkanzel.
Die Predigt der Osnabrücker Polizeipräsidentin bezog sich auf den Propheten Jeremia. Kapitel 9, Vers 22. Anhand der Stichworte Glaubensbekenntnis, Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit stellte sie ihre Arbeit und Erfahrung als Polizistin ihrem Glauben als Christin gegenüber: „Das Glaubensbekenntnis spreche ich aus voller Überzeugung, es kommt von Herzen“, erklärte Fischer. Sie glaube an das, was sie dabei sage, und bekenne sich dazu – auch im Alltag. Doch auch das Grundgesetz sei für sie eine Herzensangelegenheit. Als Polizistin stehe sie selbstverständlich hinter den Idealen von Recht und Gerechtigkeit.
Schlagzeilen über den Tsunami und Fukushima oder den Hunger in Afrika hingegen machten es den Gläubigen nicht immer leicht, an Gottes Barmherzigkeit zu glauben. „Doch so weit braucht ihr gar nicht zu gehen“, sagte die ehemalige Kommissarin aus Erfahrung: „Wer weiß, was sich unter deutschen Dächern abspielt, dessen Glaube an Liebe und Barmherzigkeit wird auf eine harte Probe gestellt.“ Polizist sei ein toller Beruf, der sehr viel Spaß mache, aber auch Verantwortung mit sich bringe und stringentes Handeln verlange. Deeskalierend zu wirken sei in der modernen Polizei zwar immer wichtiger, aber „auch die linke Wange hinzuhalten, nachdem die rechte geschlagen wurde“, könne sie ihren Kollegen nicht raten: „Das wäre nicht nur lebensgefährlich, sondern von einer Vorgesetzten auch fahrlässig.“
Im Anschluss an den Gottesdienst lud die Gemeinde zum Neujahrsempfang im Gotteshaus. Dazu wurden schnell die vorderen Kirchenbänke beiseitegeräumt und Stehtische aufgebaut. „Unser Empfang findet in Ermangelung eines schönen Gemeindesaals immer direkt in der Kirche statt, so wird aus ihr, was sie eigentlich auch ist: ein Versammlungsraum“, sagt Pastor Asbrock.
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