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Bramscher Awo-Kindergarten nimmt an Bildungsstudie teil
Bramsche. Bildung fängt nicht erst in der Schule an. So heißt es in einer Mitteilung des Bildungsministeriums. Der Awo-Kindergarten an der Geschwister-Scholl-Straße beteiligte sich deshalb an einer bundesweiten, groß angelegten Studie, die den Bildungserwerb vom frühkindlichen bis ins Erwachsenenalter dokumentieren soll.
Was Kindergartenleiterin Martina Wübker den Eltern der Vorschulkinder in einem langen Elternbrief und einem Plakat an der Eingangstür erklärte, hat einen sperrigen Namen: NEPS (National Educational Panel Study, Nationales Bildungspanel). Das Bundesbildungsministerium hat diese Studie im Jahre 2008 ins Leben gerufen und finanziert sie auch. Unter Leitung des Soziologen Hans-Peter Blossfeld und koordiniert von der Universität Bamberg, arbeiten bundesweit 190 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an 17 Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammen. Die Untersuchung ist als sogenannte Längsschnitt- oder Panelstudie angelegt. Im Klartext heißt das: Über einen längeren Zeitraum werden ein und dieselben Personen mehrmals befragt und getestet. Die Wissenschaftler versprechen sich davon Aussagen über Bildungsverläufe unter verschiedenen Einflüssen.
Die Studie umfasst mehrere Bereiche: Neben den Kompetenzen in den Bereichen Sprache, Mathematik und Naturwissenschaften werden auch die Fähigkeit, selbstständig zu lernen oder mit anderen Menschen in Verbindung zu treten, untersucht. Die Einflüsse von Kindertagesstätte, Schule, Ausbildungsplatz sind ebenso ein Thema wie die von Familie und Medien oder von Vereinen oder Religionsgemeinschaften. Schichtspezifische Faktoren spielen eine Rolle, ein Migrationshintergrund ebenso.
Drei Wochen lang hat Kathrin Boltes als externe NEPS-Beauftragte die Vorschulkinder in der Awo-Kita getestet. Boltes ist eine von zahlreichen Pädagogik- und Psychologiestudenten, die schon Erfahrung mit solchen Testverfahren haben und die für die Studie nochmals speziell geschult wurden. Im vergangenen Jahr war die junge Frau schon einmal an der Geschwister-Scholl-Straße zu Gast . Die Kinder blieben dieselben, sind jetzt aber schon die „Großen“ in ihrer Einrichtung und als Vorschulkinder in ihrer Entwicklung eigene Schritte vorangekommen. Die Studie basiert auf den strengen deutschen Datenschutzrichtlinien, und deshalb dringt nichts, aber auch gar nichts aus dem Raum nach außen, in den sich Kathrin Boltes und ihre kleinen Probanden für etwa 35 Minuten verziehen.
Den Kindern soll der Test in erster Linie Spaß machen, erzählt Karin Berendes, wissenschaftliche Mitarbeiterin der NEPS-Studie. Als „Hördetektive“ bekommen die Jungen und Mädchen Hörer auf den Kopf und sprechen die gehörten Wörter nach – oder versuchen es wenigstens. Wie es mit dem Wortschatz steht, zeigt sich auch, wenn die Kinder bestimmte Dinge auf einem Bild zeigen sollen. „Rezeptive Tests“ nennt die Wissenschaftlerin diese Art von Test, die auch schüchternen Kindern entgegenkommt, „die nicht so gern reden“. Jonah, die Handpuppe, findet später mithilfe von Steinchen und Murmeln spielerisch heraus, ob die Vorschulkinder mit Größen- und Mengenangaben schon etwas anfangen können. All das hat auch im Awo-Kindergarten stattgefunden.
Darüber hinaus hatten Martina Wübker und ihre Kolleginnen noch einiges an Zusatzarbeit zu leisten in Gestalt umfangreicher Begleitfragebögen. Die Ergebnisse werden allerdings streng anonymisiert, versichern Berendes und Anna Kammerer von der betreuenden Universität Bamberg. Zwar soll die Entwicklung der Kinder über einen längeren Zeitraum verfolgt werden. Dazu werden aber aus „Christian“ oder „Lena“ (erfunden) ID-Nummern, mit deren Hilfe sie demnächst an der Grundschule wiedergefunden werden können. Auch die Erzieherinnen bekommen kein Feedback. Sie erfahren nicht, wie ihre Schützlinge abgeschnitten haben.
Alle Daten gehen nur in das „große Ganze“, die NEPS-Studie, ein. Eine Tatsache, die Kindergartenleiterin Martina Wübker zwar schade findet. Aber: „Wenn wir dazu beitragen können, dass sich im Bildungsbereich etwas verbessert, sind wir gern dabei.“
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