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Landesbischof Meister macht in Osnabrück Wahlwerbung
Osnabrück. „Guten Morgen, sind Sie evangelisch?“ Der angesprochene Mann schaut leicht verunsichert und würde am liebsten ausweichen, aber Ralf Meister, hoch gewachsener Landesbischof der Evangelischen Kirche, hat sich ihm mit einem offenen Lächeln in den Weg gestellt. Als der Befragte zögerlich bejaht, bekommt er zu hören, warum der Bischof an diesem eiskalten Samstagmorgen am Domplatz Passanten begrüßt und sich klamme Finger holt. „Es gibt einen Termin. Die Wahl der Kirchenvorstände am 18. März. Deshalb stehen wir hier. Die Menschen kriegen sonst gar nichts davon mit.“
Damit die Menschen aufmerksam werden auf diese Wahlen, unterstützt Bischof Meister die Mitglieder des evangelischen Kirchenkreises an einem Info-Stand zu dieser Wahl. Wer will, kann sich mit der Frage „Was ist Ihnen am wichtigsten an Kirche?“ beschäftigen. Zwei kleine rote Bälle darf man je nach Belieben in transparente Plastikzylinder werfen, die die Aufschrift Bildung, Gottesdienst, Gemeindearbeit, Musik, Ökumene, Nächstenliebe, Jugendarbeit oder Denkmal-Kirche tragen. Auf geschickte Weise wird so darüber informiert, in wie vielen Bereichen Kirche engagiert ist und dass es sich lohnen könnte, wählen zu gehen.
„Nee, ich bin katholisch“
„Ich schenke Ihnen einen Bleistift!“ Bischof Meister ist kontaktfreudig und geht direkt mit einem weinroten Stift, der den Aufdruck „Gemeinde stark machen“ trägt, auf Menschen zu. Aber nicht alle sind aufgeschlossen. Eine junge Frau auf dem Weg zum Wochenend-Einkauf ist abwehrend, will sich nichts schenken lassen und geht weiter. Als sie im Vorbeigehen erkennt, worum es hier geht, ruft sie zurück „Nee, ich bin katholisch!“ Beide – Bischof und Passantin – lachen herzlich.
Ralf Meister hat Humor, und das kommt gut an. Mit dabei am kirchlichen Info-Stand an diesem strahlend sonnigen Wintertag: Osnabrücks Polizeipräsidentin Heike Fischer. Auch sie spricht auf gewinnende Art die Menschen an. Allerdings wird sie, weil auch sie gegen die Kälte eine Mütze auf dem Kopf trägt, nur von wenigen erkannt.
Einige ältere Menschen gehen direkt auf ihren Bischof zu. Weil er schon seit vier Tagen im Osnabrücker Land unterwegs ist, um auch diese Region der Hannoverschen Landeskirche kennenzulernen, wollen sie ihn jetzt direkt auf Veranstaltungen und Interviews ansprechen, die es in dieser Zeit gegeben hat. Dabei erntet er ganz überwiegend Zustimmung, aber nicht nur. Kein Blatt vor den Mund nimmt die 72-jährige Gertrud Dohm, die in St. Katharinen einen Tanzkreis leitet. Sie fordert ihren Bischof dazu auf, er solle weniger reden und predigen, sondern mehr hören, was die Basis der in der Kirche Engagierten in Osnabrück mache und sage.
Aber da hat der Bischof nach über einer Stunde tapferem Einsatz in der Kälte schon keine Zeit mehr, auf den Vorschlag einzugehen. Superintendent Friedemann Pannen drängt ihn, in die Marienkirche zu kommen. Um dort zu sprechen – eine Predigt zu halten beim ökumenischen Friedensgebet.
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