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„Ach was...“
cru Melle. Schöner kann eine Verbeugung für Loriot nicht sein. Die Waldbühne präsentierte am Samstag ihre überaus gelungene Premiere mit Sketchen des großen Komikers im Städtischen Festsaal am Schürenkamp.
Die Menüfolge: „Das Frühstücksei“, „Kalbshaxe Florida“, „Kosakenzipfel“, serviert mit Wein der Firma Palhuber und Söhne, und dazwischen all das, was das Loriot-Herz begehrt.
Dass es für einen Regisseur sicher nicht leicht ist, diese Sketche in Szene zu setzen, die das Publikum mitsprechen könnte, lässt sich denken. Sätze wie: „Es saugt und bläst der Heinzelmann...“, „wo laufen sie denn“ oder „und im Herbst eröffnet dann der Papst mit meiner Tochter eine Herren-Boutique in Wuppertal“ sind legendär und kultig gleichermaßen. Nicht nur „Der sprechende Hund“ in wunderbarem Kostüm mit seinen Sätzen über Nonnen und Atomstrom und dem Schlusssatz „Fischers Fritze fischt frische Fische“ reizte die Lachmuskulatur der Zuschauer. Jede Pointe hatte Regisseur Andreas Pöhler-Regenbrecht punktgenau gesetzt, nichts dem Zufall überlassen. Wie gesagt, die Sketche kennt jeder seit Jahrzehnten auswendig und wartet auf die Lacher.
Die Hauptdarsteller Karin und Herbert Michels brillierten in ihren Rollen, die unterschiedlicher gar nicht sein konnten. Der Lottogewinner Erwin Lindemann, von einer Frau gespielt: Da besteht gar keine Möglichkeit zu einem Vergleich mit dem Original. Weder übersteigert noch imitiert, sondern ganz eigen und herrlich komisch, kam die allererste Szene beim Publikum an. Karin Michels als Zuschauerin auf der Rennbahn, als Fernsehansagerin mit den herrlichen Zungenbrechern der englischen Namen, als Frau Hoppenstedt im „Vertreterbesuch“ zeigte die große Kunst der schwierigen Komikdarstellung großartig. Und als Vertreter für den Saugblaser Heinzelmann, den Professor für Hundesprechunterricht oder den Gast, der einfach nur seine Kalbshaxe essen möchte, den Theaterkartenkäufer oder Frühstückseiesser brachte Herbert Michels die Bandbreite zwischen Stimmungsumschwüngen und Situationskomik aufs Feinste.
Ohne aufwendiges Bühnenbild, ganz konzentriert auf die Sketche, lenkte die Zuschauer nichts von den Wortspielereien ab. Die Akteure ließ der Regisseur jeweils im Halbdunkel auf Minibühnen auf die Bühne rollen, „frozen“, wie es in der Fachsprache heißt: In der Bewegung eingefroren, erwachten die Figuren erst mit dem Lichteinsatz zum Leben, aber dann direkt und übergangslos. Eine perfekte Regie machte diesen Abend zu einem Hochgenuss.
Aufgelockert wurden die Loriot-Szenen von den beiden Sängerinnen der Waldbühne, Lena Wohlfahrt und Sarah Welpinghaus, die Welthits wie „Money“ von Abba nach dem „Lottogewinn“ oder „Schöner fremder Mann“ nach dem „Filmmonster“ und weitere bekannte Songs schnörkellos und sehr musikalisch darbrachten.
Besinnlichkeit erzeugte der Regieeinfall, auf eine große Leinwand im Hintergrund der Bühne Zitate zu projizieren, die in einer Befragung zu Loriot gesammelt worden waren. „Ein Leben ohne Loriot ist möglich, aber witzlos“, und viele andere kleine Sätze brachten auf den Punkt, was wohl jeder nach dem Tod Viktor von Bülows bewegt hatte.
Regisseur Andreas Pöhler-Regenbrecht begrüßte sein Premierenpublikum mit einer weiteren schönen Idee. Er ließ am Ausgang ein Buch auslegen, um die Zuschauermeinungen für Loriots Tochter Susanne von Bülow zu sammeln.
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07.04.2012
