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Landesbischof Ralf Meister beschäftigt sich in Bramsche mit dem Thema „Wer bin ich?“
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Autor: Holger Schulze 05. Februar 2012 17:25 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Predigt in St.-Martin-Kirche

Landesbischof Ralf Meister beschäftigt sich in Bramsche mit dem Thema „Wer bin ich?“

Bramsche. „Der Sprengel bekommt Besuch von seinem Bischof.“ Mit diesen Worten empfing die stellvertretende Superintendentin Anke Kusche am Sonntagmorgen Ralf Meister in der Bramscher St.-Martin-Kirche. Zum Abschluss seiner fünftägigen Rundfahrt durch den Landkreis Osnabrück hielt der Landesbischof die Predigt in Bramsche bei der Liturgie „Septuagesimae 2012“. Gemeint ist hiermit der 70. Tag vor dem Ende der Osterwoche.

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Die Gläubigen im gut gefüllten Kirchenschiff – darunter auch die St.-Johannis-Gemeinde Engter, die ihren Gottesdienstbesuch nach St. Martin verlegt hatte – hörten eine Predigt, die sich mit der Kernfrage „Wer bin ich?“ beschäftigte

An den Anfang seiner Ausführungen stellte Meister ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer: „Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?“ Diese Fragen nach dem „Wie-soll-ich-sein?“, mit denen sich Bonhoeffer kurz vor seiner Ermordung auseinandersetzte, begegne auch uns unverändert aktuell im Alltag, erklärte Meister.

Die Antworten auf diese Fragen könnten „niemals von uns selbst kommen. Wir sind nicht unsere Lebenserklärer, Selbstfinder oder Schönredner“, sagte der Landesbischof. Dieses „Wer-bin-ich?“ beantworte sich oftmals erst im Rückblick auf das Leben und finde sich in jedem Fall darin wieder, wie man den Perspektivwechsel vollziehen könne, hin zu dem, was Gott uns selbst als Antwort zuteilt.

Zur Verdeutlichung dieser Ansicht schilderte Ralf Meister die Handlung des finnischen Films „Post für Pastor Jakob“. Hierin wird die Mörderin Leila, „wortkarg, übergewichtig und trotzig“ als Auflage für ihre Begnadigung nach zwölf Jahren Gefängnis dem blinden Pastor Jakob als Hilfe vermittelt. Ihre Aufgabe besteht darin, Briefe mit der Bitte um Gebete in trostbedürftigen Lebenssituationen an den Geistlichen vorzulesen.

Unwillig nimmt sie diese Arbeit wahr und hält es schließlich nicht länger aus. Das Taxi ist bereits bestellt, doch sie vollzieht die Flucht nicht. Ein von Jakob verhinderter Selbstmordversuch löst dann bei Leila einen Sinneswandel aus. Sie beginnt, den Sinngehalt ihrer Aufgabe zu erkennen und diese aufzugreifen.

Ferner offenbart sie dem Pastor ihre eigene Geschichte, die letztlich Leilas Tat, für die sie zwölf Jahre lang im Gefängnis saß, als Nothilfe für die eigene Schwester in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Film und Predigt endeten mit der Überlegung, ob nicht das, was man in seinem Leben für Gott getan zu haben glaubte, in Wirklichkeit Gott an einem selbst getan hat, mit all seiner Güte und Barmherzigkeit.

Das „Wer-bin-ich?“ beantwortete Bischof Ralf Meister stellvertretend mit der Geschichte von Leila, die sich als Mensch auf den Weg gemacht hatte. Und zwar auf einen Weg, der ihr von Gott selbst gezeigt worden war.

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