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Kostümtrends in Osnabrück - Und als was gehen Sie?
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Warum wir uns an Karneval verkleiden

Kostümtrends in Osnabrück - Und als was gehen Sie?

Osnabrück/Köln. In zwei Wochen wird es wieder bunt in der Osnabrücker Innenstadt. Tausende werden am Ossensamstag in kreative Kostüme schlüpfen, bevor sie den Karnevalsumzug stundenlang am Straßenrand verfolgen. Wer da in seinem normalen Wintermantel vor die Tür geht, fällt schon fast auf. Woher kommt eigentlich der Brauch, sich an Karneval zu verkleiden? Worin liegt der Reiz? Sagt das Kostüm irgendetwas über seinen Träger aus?

 
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Haupsache bunt! Hüte sollten auf jeden Fall glitzern und in knalligen Farben leuchten. Foto: Jörn Martens Auch Männer sollten Mut zur Farbe haben. Neonhemden sind der Renner auf jeder Karnevalsparty. Foto: Jörn Martens Dazu noch eine ausgeflippte Brille - fertig ist der Disco-Look. Foto: Jörn Martens Foto: Jörn Martens Foto: Jörn Martens Foto: Jörn Martens Ohne viel Sport zum Sixpack - das geht nur in der fünften Jahreszeit. Foto: Jörn Martens Foto: Jörn Martens Schlumpfine sollte allerdings eine dicke Unterhose tragen... Foto: Jörn Martens Foto: Jörn Martens Foto: Jörn Martens Bei Mädchen immer der Renner: das Prinzessinnenkostüm. Foto: Jörn Martens Vielleicht haben Mama oder Oma ja noch Originalteile aus dieser Zeit im Schrank? Foto: Jörn Martens Flotte Sprüche auf der Kleidung eignen sich für jeden Narren. Foto: Jörn Martens Dieses Kostüm kann man auch beim nächsten Oktoberfest tragen. Foto: Jörn Martens Foto: Jörn Martens

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Wahrscheinlich ist das heutige Karnevalsfest auf drei verschiedene Wurzeln zurückzuführen und somit eine Mischung aus germanischer, römischer und christlicher Tradition. Der Brauch, sich in der fünften Jahreszeit zu verkleiden, stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von den alten Germanen. Mit Furcht einflößenden Masken wollten die Bauern die Wintergeister in die Flucht schlagen.

Furcht einflößend ist heutzutage kaum noch eine Verkleidung. Nicht einmal mehr das Piratenkostüm – spätestens seit Walt Disney mit Captain Jack Sparrow das Bild eines tuntigen Seeräubers prägte. Warum sind die Kostüme also auch heute noch fester Bestandteil des Karnevals?

Der Jugendpsychotherapeut Wolfgang Oelsner aus Köln hat zahlreiche Bücher zum Thema Karneval geschrieben (z. B. „Fest der Sehnsüchte. Warum Menschen Karneval brauchen. Psychologie, Kultur und Unkultur des Narrenfests“) und sich aus fachlicher Sicht mit der Lust am Verkleiden beschäftigt. „Dieses Volksfest bietet uns die Gelegenheit für ein zweites Leben auf Zeit. Was professionelle Schauspieler jeden Tag im Theater machen können, nämlich anders zu sprechen, anders zu gehen und anders zu gestikulieren, können wir im Alltag nicht.“ Menschen verspürten oftmals eine Sehnsucht, der Frage „Was wäre wenn?“ nachzugehen. Kinder seien hier klar im Vorteil, sagt Oelsner. „Sie können jeden Tag so tun, als ob sie jemand anderes wären, ein anderes Leben führten.“ Karneval sei die Möglichkeit, ebendies auch als Erwachsener zu tun. „Es ist eine vereinbarte Spielsituation, die Möglichkeit eines zweiten Lebens, das zeitlich begrenzt ist.“

Verkleiden ohne Scham

In diesem Spiel gebe es besondere Regeln. Auch der gut bezahlte Manager könne sich bedenkenlos als trotteliger Clown verkleiden. „Man muss sich nicht vor dem Verlust seines Ansehens fürchten und Scham keine Rolle spielen“, sagt Oelsner.

Warum verkleidet sich die eine als Krankenschwester im knappen Kittel, der andere lieber als blutsaugender Vampir? Der Psychotherapeut ist beim Versuch einer Typisierung von Kostümen eher vorsichtig. „Da spielen auch praktische Aspekte eine Rolle. Bei Minusgraden, die in diesem Jahr bei allen Karnevalsfeiern bundesweit vorherrschen werden, ist es einfach angenehmer, in einem dicken Tierkostüm mit fünf Pullovern darunter aus dem Haus zu gehen. In Brasilien zieht man sich natürlich knapper an.“ Zudem hänge die jeweilige Verkleidung vom Zeitpensum ab. „Wer aus Bequemlichkeit nur in die heimische Klamottenkiste guckt, spart zwar Geld, wird aber wohl kein aufwendiges Kostüm zusammenstellen.“ Da sei es dann unsinnig, in die eher unkreative Verkleidung auch noch etwas hineinzuinterpretieren. „Da muss nicht zwangsläufig ein Sinn dahinterstecken.“

Man könne die närrische Zeit aber auch nutzen, um seine ohnehin schon vorhandene Rolle zu optimieren, meint der Experte. „Man kann das, was man ist, noch weiter herausstellen.“ In einer Zeit, in der Statussymbole an Bedeutung verlieren, eine willkommene Gelegenheit, um doch noch klar zu demonstrieren: Das bin ich.

Jede Karnevalssession hat ihre eigenen Trends. Oft lehnen sich diese an aktuelle Filme oder Fernsehserien an. Nach „Twilight“ gingen die Narren gerne als Vampire auf die Straßen, nach „Fluch der Karibik“ als Piraten. In diesem Jahr wird man wohl den ein oder anderen Schlumpf entdecken, schließlich sind die blauen Zwerge durch ihren aktuellen Kinofilm gerade schwer angesagt. „Das ist auch eine Folge des zunehmenden Wohlstands“, sagt Karnevalsexperte Oelsner. „Viele können sich teure Kostüme leisten und hätten ohnehin keine Zeit, selbst eine Verkleidung zu basteln.“

Auch wenn sich die Kostüme ändern – die Grundprinzipien bleiben, vor allem bei den Kostümen der Kinder, stets die gleichen. „Es geht immer um gut und böse, hübsch und hässlich, edel und verdorben.“ Früher sei das Gute noch durch den Sheriff dargestellt worden, heute gehe man stattdessen als Luke Skywalker, der gute Gegenspieler von Darth Vader aus Star Wars.

Im Second-Hand-Laden Schrader in Voxtrup ist das Angebot an Kostümen für Kinder und Erwachsene groß. Geschäftsführer Daniel Sambol erklärt die aktuellen Trends: „Hippiekostüme und Neonhemden sind total im Kommen. Mit allem, was bunt ist, liegt man in dieser Saison goldrichtig.“ Auch die Nachfrage nach Lizenzkostümen sei groß. Das sind Figuren aus Filmen, zum Beispiel Batman, Joker oder Superman. Der Nachteil bei diesen Outfits: Die Kostüme sind wegen der Lizenzrechte etwas teurer.

Bei der Anprobe des Spiderman-Kostüms wird deutlich, dass die Verkleidung zwar vorteilhaft ist, wenn man Wert auf Anonymität legt, die Maske allerdings eine Stolperfalle sein könnte. Denn das Sichtfeld ist stark eingeschränkt. Dafür macht in dem Einteiler jeder eine gute Figur, die ausgeprägten Bauchmuskeln sind schließlich schon in den Overall eingearbeitet. Bei zweistelligen Minusgraden ergibt sich ein weiterer Nachteil. Denn unter dem Anzug finden nicht mehr allzu viele Kleidungsstücke Platz. Das könnte also ganz schön frisch werden für diejenigen, die sich als Spinnenmensch ins Getümmel stürzen wollen.

Praktisch und genügend Platz für warme Kleidung bieten derweil die etwas weiter geschnittenen Ganzkörperkostüme. Immer auf der sicheren Seite ist man hier mit Tierfiguren, zum Beispiel Hühnern, Eichhörnchen oder Leoparden. Und: Alles, was der Karnevalist unter seinem Kostüm trägt, sollte genügend Taschen besitzen. Denn die Kamelle wollen schließlich auch sicher verstaut werden.

Ein Klassiker und immer noch sportlich schick ist das Indianer-Kostüm. Kleiner Tipp für kleine Erwachsene: Mit einer Körpergröße von 1,60 Metern passt man womöglich sogar noch in ein Kindermodell. Das schont so ganz nebenbei auch noch den Geldbeutel.

Perücken halten warm

Vor allem für Träger von Kurzhaarfrisuren könnten Perücken interessant sein. Denn die wärmen den Kopf zusätzlich. Beispiel: Wer als Schlumpfine geht, dem wird unter einer blonden Lockenpracht und der Schlumpf-Mütze garantiert nicht kühl. Blaue Handschuhe und Kniestrümpfe runden die Maskerade ab und halten Muskeln und Gelenke warm.

Bei Schrader zahlen Erwachsene für ein neues Kostüm maximal 29 Euro, für Kinder kostet die Verkleidung rund 22 Euro. Gebrauchte Ware ist entsprechend günstiger.

„Wir versuchen, die erste Adresse in Osnabrück zu sein, was Kostüme angeht“, sagt Sambol.

Motto-Partys im Trend

Kostüme seien allerdings nicht nur zu Karneval gefragt. „Es gibt immer mehr Motto-Partys, zu denen man verkleidet kommt.“ Auch Halloween sei mittlerweile ein lohnenswertes Geschäft, die Kostüme fielen zu diesem Fest allerdings wesentlich düsterer aus.

Wer sich zu Karneval nicht extra etwas Neues kaufen möchte, der kann sich auch beim Kostümverleih ausstatten. Dafür muss man allerdings eher auf das benachbarte Nordrhein-Westfalen ausweichen. „Viele der hiesigen Karnevalsvereine besorgen sich ihre Verkleidungen in Emsbüren oder Ahlen. In Osnabrück wird man da nicht so leicht fündig“, sagt Peter Krasemann, Präsident der Osnabrücker Karnevalisten vom Verein „Accordium“.

Das Theater Osnabrück verleiht schon seit vielen Jahren keine Kostüme mehr. Die Erfahrungen mit dem Verleih seien zu schlecht gewesen, hieß es auf Nachfrage.

Und wer Spaß am Basteln hat, der kann sich auch leicht selbst eine kreative Verkleidung zusammenstellen. Beispiel: Ein schwarzer Pulli zur schwarzen Leggins, dazu Papp-Ohren am Haarreif, ein Schwanz aus Draht und noch etwas Theaterschminke ins Gesicht – fertig ist das Katzenkostüm.

Professionelle Unterstützung bei der Herstellung eines Kostüms gibt es bei der Kunstschule der Stadt Osnabrück. Die Künstlerin Ana Benavente aus Valencia bietet am nächsten Wochenende einen Workshop an, in dem Kleidungsstücke mit spanischem Flair gestaltet werden können. Kosten: 30 Euro. Termine: Freitag, 10. Februar, von 15 bis 19 Uhr und Samstag, 11. Februar, von 11 bis 18 Uhr. Informationen und Anmeldung unter 0541/3233254.

Beim Ossensamstag nur am Straßenrand zu stehen und nach Bonbons zu angeln ist Ihnen zu langweilig? Noch besteht die Möglichkeit, selbst beim Umzug mitzulaufen und so richtig für Stimmung zu sorgen. Anmeldungen bei BOK-Organisatorin Claudia Spindler, Telefon 0541/442968, oder per E-Mail unter spindlerix2@osnanet.de.

Nicht vergessen: In Damme wird schon am Sonntag, 12. Februar, gefeiert.

Helau!


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