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Kollegin an den Busen gegrabscht: Schweigekartell in Hasberger Firma nach sexueller Nötigung?
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Kollegin an den Busen gegrabscht: Schweigekartell in Hasberger Firma nach sexueller Nötigung?
Kollegin an den Busen gegrabscht: Schweigekartell in Hasberger Firma nach sexueller Nötigung?
Osnabrück/Hasbergen. Im Rechtsstreit um ein verrutschtes Brustimplantat steht ein 68-Jähriger aus Hasbergen wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung vor dem Amtsgericht. Die Wut fast aller Prozessbeteiligten richtet sich aber nicht gegen den mutmaßlichen Busengrapscher, sondern gegen den ehemaligen Arbeitgeber des Angeklagten und der Geschädigten.
„Da herrscht ja ein schönes Klima in der Firma“, sagte der Staatsanwalt. „Ich muss hier ruhig bleiben“, sagte der Vorsitzende Richter. Was die Juristen derart provozierte, waren die Zeugenaussagen von Firmenleitung und Mitarbeitern eines Hasberger Unternehmens. Im September 2010 soll der Angeklagte dort seiner 56-jährigen Kollegin von hinten an die Brust gefasst haben – so fest, dass der Frau dabei ein Implantat verrutscht ist. Tatzeugen gibt es nicht. Das Gericht befragte trotzdem ein halbes Dutzend Firmenangehörige, um sich etwa über das Verhalten der Geschädigten nach der vermeintlichen Belästigung zu informieren. Doch was Richter und Anwälte am zweiten Verhandlungstag erlebten, war ein Schweigekartell. Mit Ausnahme einer 31-jährigen Frau, die vom Angeklagten offenbar per SMS belästigt worden war, hatten alle Mitarbeiter des Unternehmens erstaunlich große Gedächtnislücken. Wie sie denn von der angeblichen Belästigung erfahren hätten, was da genau passiert sei – die Antwort war fast immer dieselbe: „Das weiß ich nicht mehr genau. Daran kann ich mich nicht mehr erinnern.“
Wie unangenehm der Geschäftsleitung die Angelegenheit ist, machte besonders der Senior-Chef deutlich: „Ich hatte gebeten, dass die Sache nicht nach außen getragen wird und es am Ende noch zum Hauptkunden gelangt.“ Die Sache gelangte dann aber tatsächlich zum Hauptkunden, weil die Geschädigte bei dessen Betriebsrat gefragt hatte, wie sie in dem Fall weiter vorgehen solle. Die Konsequenz: Ihr Arbeitgeber kündigte der 56-Jährigen fristlos.
„Wir können nicht nachvollziehen, dass Sie einer langjährigen Mitarbeiterin deswegen kündigen“, sagte der Vorsitzende Richter. Kein Großkunde würde einem Unternehmen die Aufträge streichen, weil dort möglicherweise eine Mitarbeiterin von einem Kollegen belästigt worden sei.
Für völliges Unverständnis aber sorgte die Frau des Seniorchefs. Als das vermeintliche Opfer zu ihr gekommen sei, um ihr von der Belästigung zu erzählen, habe sie davon gar nichts hören wollen. Dafür sei ihr Sohn, der Juniorchef, zuständig. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, warum sich die Geschädigte wohl an sie gewandt habe, antwortete die Zeugin: „Wahrscheinlich, weil wir lange befreundet sind.“ „Und trotzdem haben Sie sich nicht dafür interessiert, was genau passiert ist?“, fragte der Vorsitzende. „Nein. Ich wollte nicht, dass aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird.“
Trotz der Aussagen von neun Zeugen brachte der zweite Verhandlungstag in der Sache kaum Neues. Der Auftritt der 31-jährigen Frau, die offenbar per SMS vom Angeklagten belästigt worden war, sorgte allerdings noch für ein sehr emotionales Ende der Verhandlung. Die zierliche Frau brach im Zeugenstand sofort in Tränen aus, weil ihr die teilweise obszönen SMS anscheinend immer noch so nahegingen. Der Vorsitzende Richter las anschließend einige der insgesamt rund 15 Kurznachrichten vor, die die Zeugin noch auf ihrem Handy gespeichert hatte. Der Angeklagte hatte bereits in der ersten Sitzung eingeräumt, dass er der 31-Jährigen mehrere SMS geschickt hatte und diese möglicherweise auch anzüglich gewesen sein könnten.
Die Verhandlung wird am Dienstag mit den Plädoyers fortgesetzt.
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