Noz
Kontakt

·

Digitalabo

·

Shop

·

Tippspiel

Startseite

|

Lokales

|

Bissendorf

|

Als Wissingen noch einen Bahnhof hatte
Lokales

Schrift
 Drucken  Versenden Empfehlen auf:      

2003
Autor: Rainer Lahmann-Lammert 03. Februar 2012 16:53 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

1987 wurde das Stationsgebäude abgerissen – Viele Bissendorfer können das bis heute nicht verstehen

Als Wissingen noch einen Bahnhof hatte

Bissendorf. Wer in Wissingen aus dem Zug steigt, mag nicht glauben, dass hier mal ein richtiger Bahnhof gestanden hat. Mit einem stattlichen Wartesaal und einem Fahrkartenschalter, hinter dem ein leibhaftiger Schalterbeamter seinen Dienst verrichtete. Der Mann wurde durch einen Automaten ersetzt, der Bahnhof durch eine Haltestelle.

 
1 bis 3 von 3
Ob der Zug noch kommt? Der alte Wissinger Bahnhof 1906. Wenige Jahre später wurde ein größeres Stationsgebäude errichtet. Seit 1987 gibt es keinen Bahnhof mehr. Foto: Sammlung Kischnik Fachwerk und Bruchstein: Das Stationsgebäude wurde 1987 abgerissen. Foto: privat Schade, nur noch ein Funktionsbahnhof: Jan Düthmann bedauert, dass es in Wissingen kein Stationsgebäude mehr gibt. Foto: Egmont Seiler

– Anzeige – Ihre Anzeige hier



Zuletzt kommentiert








Als die Westbahn zwischen Löhne und Osnabrück 1855 in Betrieb ging, war Wissingen der einzige Bahnhof nördlich der Gleise. Südlich der Gleise gab es nur nasse Wiesen, die regelmäßig von der Hase überflutet wurden, wie es der Eisenbahnhistoriker Lothar Hülsmann in seinem Werk „Der Bahnhof Wissingen“ beschreibt.

Das erste Stationsgebäude aus massivem Klinker war zweistöckig. Es hatte zwei Wartesäle, einen für die 1. und 2., einen anderen für die 3. und 4. Klasse. Oben gab es kleine Wohnungen für die Weichensteller, und für die Postagentur war auch noch etwas Platz. An der Seite in Richtung Melle befand sich ein kleiner Anbau für die Güterabfertigung.

Ein Foto von 1906 zeigt diesen schnuckeligen Bahnhof mit einigen Reisenden und einer ganzen Garde wichtig dreinblickender Eisenbahnbeamter in ihren Uniformen mit blank polierten Knöpfen. Lothar Hülsmann weist in seinem Bildtext darauf hin, dass auf dem Handwagen vor dem Güterschuppen Milchzentrifugenteile für die Firma Beinecke zu erkennen sind. Und dass es sich bei dem jungen Mann mit dem Fahrrad um den späteren Oberweichenwärter Heinrich Kohrmeyer handelt. Der war damals aber noch einfacher Arbeiter und musste sich deshalb für das Foto im Hintergrund halten.

Wenige Jahre später wurde das Stationsgebäude durch ein größeres ersetzt. Mit einer Länge von 32,5 Metern war es recht stattlich, der Hauptflügel mit der Bruchsteineinfassung und dem Fachwerkgiebel hatte sogar drei Geschosse.

Dass dieses Bahnhofsgebäude 1987 abgerissen wurde, können viele Bissendorfer bis heute nicht verstehen. So geht es auch Jan Düthmann, der viele Jahre als Fahrdienstleiter im benachbarten Stellwerk gearbeitet hat. Er erinnert sich noch gut an Friedel Aßmann, den letzten Fahrkartenverkäufer, der auch für die Gepäckannahme verantwortlich war.

Ende der 60er-Jahre begann der langsame Niedergang des Wissinger Bahnhofs, weil immer mehr Berufspendler das eigene Auto für die Fahrt zur Arbeit bevorzugten. 1968 wurde die Güterabfertigung aufgegeben, 1980 der Schalter dichtgemacht. Zwei Jahre später machte die Deutsche Bahn das Stationsgebäude dicht, das daraufhin immer mehr verfiel. Um den Wertverlust ihrer Immobilie zu stoppen, ließ die Bahn noch neue Fenster einsetzen, wie sich Jan Düthmann erinnert. Aber es fand sich kein Interessent, der den geforderten Kaufpreis bezahlen wollte.

Als das Sägewerk Brinker Interesse an einem dritten Gleis für die Lieferung von Langholz aus Skandinavien bekundete, ließ die Deutsche Bundesbahn das alte Stationsgebäude von 1913 niederreißen.

Seitdem müssen die Reisenden mit einem zugigen Raum neben dem Stellwerk vorliebnehmen, wenn sie auf ihren Zug warten. Von einer krächzenden Lautsprecherstimme begleitet, öffnet sich dann irgendwann das Eisengitter zum Gleis. Schade, sagt Jan Düthmann, „der Wissinger Bahnhof ist nur noch ein Funktionsbahnhof“.

Lesen Sie auch ...

Serienstart Bahnofsgeschichte(n): Die Grande Dame in Dissen/Bad Rothenfelde

Dissen/Bad Rothenfelde. Er ist der einstmals strahlende Mittelpunkt der 1886 eröffneten Haller-Willem-Strecke zwischen Osnabrück und Bielefeld: der... mehr

Historischer Bildervergleich: Heute Bahnsteig auf dem Meller Bahnhof
Melle. „Nächster Halt Melle, Ausstieg in Fahrtrichtung links.“ Wenn wir diese Durchsage nach langer Reise hören, haben wir die Entwicklung der... mehr

Osnabrück: Hauptbahn, Nebenbahn, Kleinbahn

Osnabrück. Am Ende einer Sackgasse und flankiert von der ebenfalls mehrgleisigen Bahnstrecke Oldenburg–Bramsche–Osnabrück liegt das Schmuckstück: der... mehr


 Mehr Lokales

 
  Leserkommentare
Schreiben Sie einen Kommentar




Empfehlen auf:  Facebook  Twitter

Kundenlogo
Osnabrück - Sie sind im 3-Schicht-Betrieb verantwortlich für Wartung, Reparaturen und vorbeugende Instandhaltung von...
Kundenlogo
Mettingen - Sie haben eine technische Ausbildung, Spaß am Umgang mit dem Kunden, planen und organisieren die...
Kundenlogo
Bad Rothenfelde - Unser Angebot: eine Verantwortungsvolle Tätigkeit in einer Abteilung mit guter Arbeitsatmosphäre;...






 Zeitungstitel wählen  Schließen

Wählen Sie Ihren Zeitungstitel: