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Neu-Bramscherin Undine Schulz hilft Eltern von straffälligen Jugendlichen
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Autor: Thomas Wübker 03. Februar 2012 16:24 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Verein „KimKa“ gegründet

Neu-Bramscherin Undine Schulz hilft Eltern von straffälligen Jugendlichen

Bramsche. Für Undine Schulz war der Albtraum vieler Eltern Realität. Sie erlebte, wie ihr Sohn ihr immer mehr entglitt und straffällig wurde. Sie wurde angefeindet, war ohnmächtig, hilflos, am Boden. Schließlich gründete sie in ihrer ehemaligen Heimat Oldenburg den Verein „KimKa“, um sich und anderen Eltern von straffällig gewordenen Jugendlichen zu helfen. Dies will die Neu-Bramscherin nun auch in unserer Region tun.

 
„KimKa“-Gründerin Undine Schulz. Foto: Wübker  Vergrößern

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Ihr Sohn Dennis sei im Alter von zwölf Jahren von einem liebenswerten Kind zu einem Tyrannen geworden, sagt die 52-Jährige. Damals sei er von der Haupt- auf eine Sonderschule gekommen. „Er war langsam“, sagt die Mutter von drei Kindern. Später habe Dennis in einer Wohngruppe gelebt und Cannabis geraucht. Undine Schulz will diese Umstände nicht anführen, um zu sagen, dass deswegen ihr Sohn kriminell geworden sei. Dazu seien mehrere Faktoren ausschlaggebend gewesen.

Zum ersten Mal sei Dennis im Alter von 17 Jahren im Gefängnis gewesen. Er sei in Untersuchungshaft gekommen, weil er mit einem anderen jungen Mann einen Kiosk überfallen habe. Die Strafe: ein Jahr und acht Monate zur Bewährung. „Das war ein Schock für ihn“, sagt Undine Schulz. Zunächst habe es so ausgesehen, als habe er sein Leben in den Griff bekommen. Doch dann sei er mehrfach zum Einbrecher geworden. Nach einem Handtaschendiebstahl in einer Disco sei er verhaftet worden. Dieses Mal habe es keine Bewährung mehr gegeben, sondern eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Undine Schulz ging es zu dieser Zeit nach eigenen Schilderungen sehr schlecht. Sie habe ihre Arbeitsstelle verloren, einen Hörsturz erlitten und habe mit Depressionen gekämpft. „Ich konnte nicht mehr, war fertig.“ Auch in der therapeutischen Behandlung habe ihr niemand helfen können. „Ich fühlte mich ohnmächtig und hilflos, weil ich Einfluss verloren hatte, und nur zusehen konnte, wie mein Sohn abdriftet“, sagt die sonst so fröhlich und mutig wirkende Frau mit gesenktem Blick.

Schließlich habe sie sich auf den Weg gemacht, um Hilfe für Eltern von straffällig gewordenen Jugendlichen zu finden. Die habe es aber nicht gegeben. Also habe sie 2007 den Verein „KimKa“ gegründet. Das Kürzel steht für „Mein Kind im Knast“ – oder kurz davor. Sie sei an die Öffentlichkeit gegangen – und es hätten sich zahlreiche Eltern gemeldet. So habe sie festgestellt, dass auch Kinder aus wohlbehüteten Familien kriminell geworden seien.

Die Arbeit im Verein habe ihr geholfen, sagt Undine Schulz. „Es war aber auch für viele Eltern gut, einen Anlaufpunkt zu haben.“ So hätten viele Mütter und Väter erfahren, dass sie mit ihren Problemen nicht allein seien. Um die Eltern besser unterstützen zu können, habe sie sich per Fernstudium neben ihren Tätigkeiten in der Altenpflege und bei einem 400-Euro-Job zur psychologischen Beraterin ausbilden lassen.

Die Treffen betroffener Eltern sollen zweimal im Monat stattfinden. Den Teilnehmern garantiert sie Anonymität. Neben Fahrgemeinschaften zur Jugendanstalt Hameln, dem einzigen Jugendgefängnis in Niedersachsen, will Undine Schulz den Eltern Unterstützung anbieten, um nicht aufzugeben.

Ihre persönliche Geschichte hat sie übrigens in dem Buch „Nur die Bösen? – Seelsorge im Strafvollzug“ aufgeschrieben, das von dem Seelsorger der JVA Hannover, Ulrich Tietze, herausgegeben wurde.

Am morgigen Sonntag ist Undine Schulz um 15 Uhr im NDR-Fernsehen in der Sendung „Offen gesagt“ zu sehen. Wer Kontakt zu Undine Schulz aufnehmen möchte, kann sie unter der Nummer 05461/72419 anrufen oder eine Mail an undineschulz07@web.de schreiben.

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