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Der rollende Landesbischof
Bramsche/Fürstenau/ Quakenbrück/Berge. Es war ein knalliger Auftritt bei minus 10,1 Grad. Zur großen Bustour durch den Kirchenkreis Bramsche erschien Landesbischof Ralf Meister mit einem strahlenden Lächeln und einer eisblauen Thermojacke über dünnem Zwirn. „Damit mich jeder sofort erkennt“, erklärte der Gast aus Hannover an die Adresse des in Grau und Schwarz gewandeten Empfangskomitees des Kirchenkreises, das leicht frierend auf einem Parkplatz in Bramsche wartete.
Das Händeschütteln war schnell erledigt, der warme Bus lockte. Hier rollte Superintendent Hans Hentschel erst einmal ein Plakat mit allen evangelisch-lutherischen Kirchentürmen im Nordkreis aus. Es war das erste von vielen Geschenken, die noch folgen sollten. Dann gab der Busfahrer Gas. Der Bischof, der Superintendent, Mitglieder des Kirchenkreistages und Mitarbeiter des Kirchenkreisamtes rollten an Bauernhöfen, an Rathäusern und an Fabrikgebäuden vorbei. Immer wieder gab es Stopps, Gäste stiegen zu, ergriffen das Mikrofon, erzählten Geschichten über ihre Heimat, um sodann wieder auszusteigen. So ließ Bramsches Bürgermeisterin Liese Höltermann nicht unerwähnt, dass in ihrer Stadt genau 50,3 Prozent der Menschen evangelisch-lutherisch seien, dass aber alsbald die „schwarze Grenze“ folge – Alfhausen. Bersenbrücks Bürgermeister Harald Kräuter war die Firma Wurst eine Erwähnung wert. Die habe in der Antarktis die Station Neumeier III gebaut. Quakenbrücks Bürgermeister Claus-Peter Poppe wiederum verwies auf die Artland Dragons, die in einer Stadt mit 13000 Einwohnern beheimatet seien und nacheinander München, Moskau und Berlin geschlagen hätten. Und Fürstenaus Bürgermeister Herbert Gans erklärte, dass im Nordkreis die Religionszugehörigkeit auch heute noch mit den Ergebnissen bei Wahlen korrespondiere. Im katholischen Schwagstorf seien die wenigen SPD-Abtrünnigen namentlich bekannt, erklärte er mit dem ihm eigenen Humor.
Der Bischof hörte gut zu, schmunzelte hier und da, stellte einige Fragen und unterwarf sich ansonsten schweigend dem straffen Zeitplan, den die „Vorbereitungsgruppe Bischofsbesuch“ entworfen hatte. Dass dieser Plan nicht wesentlich ins Wanken geriet, war dem pünktlichkeitsliebenden Superintendenten zu verdankten, der zwar wegen eines morgendlichen Bandscheibenvorfalls mit einem Gehstock unterwegs war, aber dennoch zur Eile mahnte. Und so gelang das Erstaunliche: Der Besuch bei der Heilpädagogischen Hilfe (HpH) in Bersenbrück dauerte tatsächlich nur 20 Minuten. „Bruder Meister, die HpH in 20 Minuten, das hat vor Ihnen noch keiner geschafft“, frotzelte anschließend ein zufriedener Superintendent. Ralf Meister hatte allerdings bereits zuvor im Bus aus dem Munde vom HpH-Vorsitzenden Karl-Heinz Schnebel einen Intensivvortrag in einem ebenfalls atemberaubenden Tempo erhalten.
Dann gab es ein kurzes Luftholen für den rollenden Bischof in der St.-Sylvester-Kirche in Quakenbrück, zugleich Heimat des Reformators Hermann Bonnus. Kantor Won Sun Jung aus Korea zeigte hier mit einer Partita von Matthias Weckmann, was professionell trainierte Finger einer altehrwürdigen Orgel entlocken können.
Es folgte ein harter Schnitt. Über die trennenden Bahngleise in Quakenbrück ging es von der Altstadt zum „Netzwerk 3“ in der Neustadt, einer diakonischen Einrichtung, die kostengünstig Möbel anbietet. Die dort ehrenamtlich Engagierten hatten nicht nur Infos für den Bischof vorbereitet, sondern auch Schnittchen geschmiert und Kuchen gebacken. So versorgt, erfuhr Ralf Meister, dass dieses Projekt Teil eines inzwischen großen Netzwerkes der Kirchenkreissozialarbeit ist. Dazu gehören neben der Schuldnerberatung und den sozialen Lotsen auch die Diakonieshops. 2011 ist gerade wieder einer in Fürstenau eröffnet worden. Speziell diese Einrichtung stellte die Leiterin der Kirchenkreissozialarbeit, Natalia Gerdes, dem Bischof vor. Ihr Redebeitrag zeigte dem Gast vor allem eines: Diese Arbeit – getragen von vielen Ehrenamtlichen –hat im Kirchenkreis im Sinne diakonischen Handelns einen hohen Stellenwert.
Auch in Berge – „einem entzückenden Örtchen mit einer tollen Pastorin“, so der Superintendent – traf der Bischof auf viel ehrenamtliches Engagement. Dort ist die Arbeitsgemeinschaft christlicher Motorradfahrer zu Hause, die mit der Kirchengemeinde zweimal im Jahr einen Motorradfahrergottesdienst veranstaltet, zu dem mehr als 2000 Biker kommen. Eine kleine Bilderschau gab Ralf Meister einen weiteren Einblick in das Geschehen an der Kirchenbasis. Er traf zudem auf Konfirmanden, die nach dem Unterricht geduldig im Gemeindehaus gewartet hatten, um einmal einen „richtigen Bischof“ zu sehen.
Nach fünf Stunden des Einsteigens und des Aussteigens war das Ziel erreicht – die St.-Georg-Kirche in Fürstenau. Hier hatte der Bischof während einer Andacht das Wort. Was sei das für eine schöne Landeskirche, in der er Bischof sein könne, erklärte er lächelnd an die Adresse der Gastgeber.
Bis Sonntag wird Ralf Meister noch im Osnabrücker Land unterwegs sein, um Eindrücke zu sammeln – ein Bischof, der den Gemeindegliedern nah sein will.
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