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Bis 1919 ist die Ems bei Lingen-Schepsdorf mit einer Fähre überquert worden
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Bis 1919 ist die Ems bei Lingen-Schepsdorf mit einer Fähre überquert worden
Bis 1919 ist die Ems bei Lingen-Schepsdorf mit einer Fähre überquert worden
Lingen. Die Ems ist für den Schiffsverkehr zwischen dem westfälischen Raum und der Nordsee schon lange eine bedeutende Wasserstraße und ganzjährig bis Meppen schiffbar gewesen. Bereits im 16. Jahrhundert begann man damit, Uferbefestigungen anzulegen und Begradigungen vorzunehmen.
Den Transport auf dem Fluss übernahmen dabei pferdegezogene Pünten. Die wegen der geringen Wassertiefe extra flach gebauten Schiffe hatten eine Tragfähigkeit von rund 40 Tonnen und schafften die Bergfahrt von Emden bis Greven in sechs Tagen, die Talfahrt dauerte halb so lange. Die Schifffahrt auf der Ems war aber sehr witterungsabhängig: Bei trockenem Wetter durfte daher nur mit Teillast gefahren werden, bei Hochwasser lag der Schiffsverkehr wegen Überflutung der Leinpfade brach. Nach der Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals im Jahr 1899 nahm die Emsschifffahrt weiter ab.
In Lingen überquerten mehrere Brücken sowohl den Fluss als auch den Kanal. Der Emsübergang von Schepsdorf nach Lingen war seit jeher eine wichtige Straßenverbindung, denn hier kreuzte sich die Friesische Straße von Münster nach Emden mit der Flämischen Straße nach Holland. Zunächst wurde die Ems mit einer Fähre überquert, bis man 1819 eine einfache Holzbrücke errichtete. Als 1824 eine feste Steinchaussee von Lingen nach Lohne gebaut wurde, ersetzte man die alte Brücke durch eine neue festere Holzbrücke. 1907 wurde schließlich eine stählerne Brücke erbaut.
In Richtung Lingen führte die Straße auch über den Dortmund-Ems-Kanal, der durch eine alte Drehbrücke überquert wurde. Wollte nun eine Pünte die Brücke passieren, musste der Püntenführer seine Ankunft frühzeitig durch einen Hornstoß ankündigen. Dann eilte der Brückenwärter herbei, sperrte den Straßenverkehr, indem er beide Schranken an der Ein- und Abfahrt schloss, und setzte dann das Getriebe für die Drehbewegung der Brücke in Gang. Bis die zwei Fahrrinnen des Kanals frei waren, musste Schwerstarbeit verrichtet werden. Hatte die Pünte die Brücke passiert, wurde die Brücke wieder geschlossen und die Straßenschranken wieder geöffnet.
Dieser Vorgang war sehr zeitaufwendig und führte oft zu Verdruss. 1910 beschwerte sich ein Lingener Bürger darüber, dass durch das fortwährende Öffnen der Brücke für das Publikum besonders für diejenigen, welche täglich die Brücke mehrere Male zu passieren haben, ein unhaltbarer Zustand herbeigeführt sei. Als Beispiel führte er an, dass er „am 30. Oktober (…) zwischen 6 und 7 Uhr Abends 25 Minuten, dergleichen heute früh von 5.55 bis 6.20 Uhr also wiederum 25 Minuten vor der Brücke [habe] warten müssen. Die lange Dauer der Sperre ist jetzt während der Dunkelheit noch dadurch erhöht worden, daß die auf beiden Seiten der Brücke vorhandenen Laternen in Wegfall gekommen sind. Dadurch sind die Schiffer gezwungen, äußerst langsam zu fahren, um nicht mit der Brücke in Collision zu geraten.“ Die Drehbrücke bestimmte aber noch 20 Jahre das Tempo des Straßenverkehrs zwischen Lingen und Schepsdorf. Erst 1935 wurde eine moderne Hochbrücke errichtet und die Behinderungen sowohl für die Schifffahrt als auch für den Straßenverkehr beseitigt.
Weitere Quellen zu diesem Thema werden im Februar als „Archivalie des Monats“ im Lingener Stadtarchiv in der Baccumer Str. 22 gezeigt. Nähere Infos bei Stephan Schwenke unter Tel. 0591/916-7110 sowie per E-Mail: s.schwenke@stadtarchiv-lingen.de.
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