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Frühchen-Station in Papenburg: „Das alles war so nicht beabsichtigt“
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Quelle: hh,hh,gs,gs/Ems-Zeitung 03. Februar 2012 08:16 Uhr

Verantwortliche räumen Fehler ein

Frühchen-Station in Papenburg: „Das alles war so nicht beabsichtigt“

Papenburg. Kritischen Fragen unserer Zeitung rund um das Thema Frühgeborenen-Versorgung am Marienkrankenhaus in Papenburg stellten sich die beiden Geschäftsführer Ansgar Veer (Lingen) und Matthias Bitter (Papenburg) sowie der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer. Das Interview im Wortlaut:

 
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Foto: Hermann Hinrichs

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Die Aufregung war groß. Wie bewerten Sie die Ereignisse rückblickend?

Franz Bernhard Lanvermeyer: Ich will zuallererst klarstellen: Eine Aufgabe der Frühgeborenen-Versorgung war für uns nie ein Thema. Es ging von Anfang an nur um eine räumliche Schließung der Station 5 unterm Dach. Alle Argumente, die für den Erhalt der Frühchenversorgung in den vergangenen Tagen öffentlich geäußert wurden, können wir nur unterstreichen. Das Niveau, das wir heute haben, soll gehalten werden. Wir haben nach den Gesprächen in dieser Woche eine gute bauliche Lösung gefunden, die eine Versorgungsqualität bietet, die wir bislang so nicht erreicht haben. Darüber sind wir froh. Wir investieren, statt zu schließen.

 

Warum ist dann – wenn es nie die Absicht dafür gab – intern kommuniziert worden, dass die Neonatologie geschlossen werden soll?

Matthias Bitter: Da habe ich ganz klar Fehler gemacht. Das war nicht beabsichtigt. Wir sind in die Fachbereiche hineingegangen und haben in der Tat kommuniziert, dass wir in Kürze den Bereich werden schließen müssen. Ich wollte nicht sagen, dass die Frühchen-Versorgung geschlossen wird, glaube aber, dass es leider so angekommen ist. Die Emotionalität, die dann eingesetzt hat, hat mich überrascht.

Lanvermeyer: Alle Versuche, auf die Differenzierung zwischen räumlicher Schließung und Beibehaltung der medizinischen Leistungen hinzuweisen, haben nicht mehr gefruchtet. Wir werden uns kritisch hinterfragen, wie wir zukünftig hausintern und mit der Öffentlichkeit kommunizieren. Da haben wir sicherlich großen Lernbedarf, und es ist auch einiges an Porzellan zerschlagen worden. Dies ist aber auch wohl der großen Schwierigkeit geschuldet, dass wir schnell wirtschaftliche Ergebnisse produzieren müssen. Schnelle Entscheidungen sind gefordert, um den laufenden Betrieb und langfristig das Haus zu sichern.

 

Wenn das so ist, warum hat es dann öffentlich keinen zeitnahen Versuch gegeben, die Irritationen spätestens vor der Demonstration zu beenden?

Ansgar Veer: Ich habe unserem zuständigen Chefarzt, Herrn Dr. Ralf Gitmans, in der Woche vor der Demonstration mitgeteilt, dass wir die Versorgung aufrechterhalten wollen. Gleichzeitig habe ich deutlich gemacht, dass wir eine räumliche Veränderung brauchen, um die Wirtschaftlichkeit herzustellen. Es gab nie eine andere Absicht. Wir haben uns dann darauf verständigt, am Montag (Anmerkung der Redaktion: am Tag nach der Demonstration) ein Gespräch zu führen. Da wollten wir dann die mögliche Lösung diskutieren. Freitag hatte ich die Information, dass eine Demo stattfinden soll. Da konnten wir nicht mehr reagieren.

Reden wir Klartext. Die Aussagen von Herrn Bitter auch in Richtung Presse waren eindeutig. Wieso sorgen Sie über eine Woche lang nicht für Klarheit, wenn die Darstellungen in der Sache nicht korrekt waren? Damit setzen Sie sich dem Verdacht aus, dass die Entwicklungen in der vergangenen Woche es günstig erscheinen lassen, heute alles in einem anderen Licht darzustellen…

Lanvermeyer: Unsere Kommunikation war nicht eindeutig genug. Da haben wir intern und extern Fehler gemacht. Wenn eine Dynamik eingetreten ist, ist es schwer, sie aufzuhalten. Ich lerne daraus: Falls etwas schiefläuft, muss man sofort in der Presse reagieren und korrigieren – gerade in einer solchen Situation wie in Papenburg mit einem Haus, das so sensibel dasteht.

 

Es ist also definitiv nie die Absicht gewesen, die Neonatologie zu schließen?

Veer: Ja. Es war und ist das Ziel, die Versorgung durch Senkung von Kosten wirtschaftlicher zu gestalten. Es geht bei allen Überlegungen um Ablaufverbesserungen, die zu Einsparungen und gleichzeitig einer besseren Versorgung führen.

 

Uns liegt eine Mail von Herrn Bitter vom 19. Januar an die leitenden Mitarbeiter vor, in der er schreibt: „Wir möchten Ihnen heute aber auch leider mitteilen, dass der Entschluss gefällt wurde, die Neonatologie zu schließen und zukünftig keine Frühchenversorgung im Marienkrankenhaus mehr anzubieten.“ Bitte erklären Sie diesen Widerspruch.

Lanvermeyer: Wir haben damals verschiedene Lösungen diskutiert, auch die jetzt gefundene. Dabei hieß es aber von der Geschäftsführung, dass diese Lösung aus eigener Kraft investiv nicht zu realisieren ist. Vor diesem Hintergrund waren weitere Gespräche notwendig.

Veer: Wir konnten das Konzept, das die beste Lösung gewesen wäre, nicht aus eigener Kraft realisieren, und insofern sind wir hingegangen und haben nach einer anderen Lösung gesucht. Es gab für uns immer eine tragbare und vertretbare Lösung, die Station 5 räumlich aufzugeben und die Betreuung trotzdem aufrechtzuerhalten. Jetzt zeichnet sich ab, dass wir eine sehr gute Lösung realisieren können.

 

Wieso soll eine Station geschlossen werden, wenn die Alternative baulich und räumlich aus finanziellen Gründen noch nicht bereitsteht, trotzdem aber die Leistungen aufrechterhalten bleiben sollen? Ist es nicht auch bei Krankenhäusern üblich, erst dann zu schließen, wenn die Alternative vorhanden ist?

Veer: Da muss ich widersprechen. Die Konzeption war vorhanden, die Finanzierung noch nicht. Wir brauchen eine wirtschaftliche Lösung. Unser Ansatz war: Wir lassen das jetzt auslaufen, und in sechs Wochen haben wir eine kleine Lösung, mit der wir weiterarbeiten können. Das sollte eine Zwischenlösung sein.

 

Wenn also alles strukturell so geplant und durchdacht war – ist es nicht normal, dass vor einer solchen Entscheidung mit Stadt und Kreis über die Mitfinanzierung gesprochen wird?

Veer: Ich kann nicht beurteilen, ob die Lösung, die wir jetzt haben, ohne die Dynamik, die in den vergangenen Tagen eingesetzt hat, möglich gewesen wäre. Wir waren der Auffassung, auch mit der Schließung der Station 5 die medizinischen Leistungen in vollem Umfang aufrechterhalten zu können. Für uns war klar: Wir müssen erst eine einvernehmliche Lösung im Haus haben, bevor wir nach außen gehen. Wir haben dann weiter am Thema gearbeitet und gesehen, dass die Chance besteht, möglicherweise finanzielle Mittel von außen zu besorgen. Das machen wir derzeit.

 

Hätten Sie diese Gespräche nicht vorher führen können? Dann wären möglicherweise allen die Proteste erspart geblieben.

Veer: Wir hatten ja keine Lösung, die mit der ärztlichen Leitung konsensfähig war. Wir konnten nicht auf die Politik zugehen, ohne genau den Kostenrahmen für eine abgestimmte Lösung zu kennen. Zudem hatten wir eine Übergangslösung vorgesehen.

 

Dr. Gitmans hält die Zwischenlösung für medizinisch nicht verantwortbar. Also war doch nicht immer klar, dass alles dauerhaft erhalten bleibt?

Veer: Die Lösung war nicht klar. Dass wir die Leistungen nicht aufgeben, schon.

Lanvermeyer: Unterschiedliche Auffassungen zwischen der kaufmännischen und ärztlichen Leitung gibt es häufiger.

 

Wie sieht denn nun das Finanzierungsmodell für die bauliche Neugestaltung aus? Wer bezahlt es jetzt, wenn das Krankenhaus es nicht alleine kann?

Veer: Wir führen die Abstimmungsgespräche mit der Stadt und dem Landkreis. Über die Höhe der finanziellen Unterstützung möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.

 

Nun stehen Investitionen an. Bedeutet das, dass die öffentliche Diskussion der vergangenen Tage für Sie auch Türöffner waren?

Veer: Ja, da könnten Sie recht haben. Dass die Gesamtlage, die jetzt entstanden ist, uns hilft, investive Mittel zu bekommen, kann sein. Aber zur Klarstellung: Das alles war so nicht beabsichtigt.

 

Bauen Sie denn jetzt auch, falls es keine öffentlichen Zuschüsse gibt?

Lanvermeyer: Wir wollen die Lösung bis zum Sommer umgesetzt haben. Wir vertrauen auf eine Lösung mit Stadt und Landkreis.

 

Die Weichen für die Versorgung der Frühchen sind gestellt. Wie sieht es personell aus? Herr Gitmans und Oberarzt Schneider verlassen das Haus im Laufe des Jahres. Wie lösen Sie die Nachfolge?

Lanvermeyer: Das ist eine Baustelle. Davon haben wir noch einige mehr. Insgesamt gilt: Wir können nicht von heute auf morgen das ganze Haus neu aufstellen. Das ist ein Prozess von zehn Jahren. Das Bistum Osnabrück und das St.-Bonifatius-Hospital in Lingen haben sich entschieden, diesen schweren Weg zu gehen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wir werden alles tun, um das Marienkrankenhaus in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Veer: Dazu gehört auch, mit dem verantwortlichen Personal, was schon gekündigt hat, zu reden.

 

Wie bewerten Sie den Umstand, dass – bei allem zerschlagenen Porzellan durch Fehler in der Kommunikation – rund 500 Menschen in Papenburg für das Krankenhaus auf die Straße gegangen sind?

Lanvermeyer: Eindeutig positiv. Das ist eine Identifikation der Papenburger mit dem Krankenhaus, die wir dringend brauchen. Die Klinik kann nur überleben, wenn die Menschen sich dort behandeln lassen und positiv zu dem Haus stehen.

Veer: Diese Solidarisierung empfinden wir als absolut positiv. Das hilft uns auch bei den weiteren Weichenstellungen.

Lanvermeyer: Es war ein Kristallisationspunkt, dass die Bevölkerung erstmals gesagt hat: Jetzt wollen wir auch für unser Krankenhaus kämpfen. Wir brauchen diese Akzeptanz. Ohne die Papenburger ist das Haus nicht zu retten. Bei allen weiteren Schritten, die wir gehen werden, setzen wir auf größtmögliche Transparenz. Wenn es Weichenstellungen gibt, die durch die Gesellschafterversammlung getroffen werden und Auswirkungen für die Bürger haben, werden wir das in Zukunft offensiv kommunizieren. Das gilt auch mit Blick auf die Stadt Papenburg und den Landkreis Emsland.

 

Mehr zu den Planungen für das gesamte Krankenhaus lesen Sie morgen.


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