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Bürger gegen Fracking-Testfeld in Lünne
Lünne Verwundert gezeigt hat sich die Interessengemeinschaft „Schönes Lünne“ (IG) über Aussagen von Gernot Kalkoffen, Europa-Chef des Konzerns Exxon Mobil, in einem Interview mit unserer Zeitung. Kalkoffen hatte darin betont, dass Exxon in Lünne gerne testen würde, ob dort unkonventionelles Gas mittels der umstrittenen Fracking-Methode zu fördern sei. „Wirwollen keine Forschungin Lünne‘“, sagte IG-Sprecher Markus Rolink auf Anfrage unserer Zeitung.
Die Äußerungen würden die Befürchtungen bestätigen, die die IG hege, so Rolink. „Wir sind verwundert über diesen Vorstoß, da bislang von Exxon betont wurde, dass die Ergebnisse des Arbeitskreises abgewartet werden sollen“, sagte der Sprecher. Die Ergebnisse sollen in einer Konferenz am 6. und 7. März in Berlin und während einer Expertensitzung am 25. April in Osnabrück vorgestellt werden. An dem Dialogprozess nimmt die IG trotz Einladung nicht teil, weil dieser nicht ergebnisoffen geführt werde. In dieser Einschätzung sehe man sich nun durch Kalkoffen bestätigt, so Rolink.
Überrascht zeigte sich die IG zudem über Kalkoffens Aussage, nach der Exxon besser hätte abschätzen müssen, welchen Informationsbedarf es in der Bevölkerung gebe. „Dass Exxon daraus nicht schließt, sich zwingend einer allgemeinen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu unterziehen, ist für uns unerklärlich“, sagte Rolink. Kalkoffen hatte in dem Interview betont, dass sein Unternehmen für eine Vorprüfung durch die Fachbehörden plädiere, was „für Standardfälle den bürokratischen Aufwand in Grenzen“ halten würde.
Dass eine allgemeine UVP in bestimmten politischen Gremien abgelehnt würde, kritisierte auch Bernhard Hummeldorf, Bürgermeister der Samtgemeinde Spelle, zu der die Gemeinde Lünne gehört und die am Dialogprozess beteiligt ist: „Jeder Maststall braucht eine UVP, nur solche Maßnahmen nicht – das verstehe ich nicht.“
Sorgen bereitet den IG-Mitgliedern, dass Exxon nach Angaben seines Sprechers Hans-Hermann Nack während einer Bürgerversammlung im Februar 2011 in Lünne Neuland betreten wolle. So betont der Konzern in seiner offiziellen Sprachregelung, dass das Unternehmen seit 30 Jahren Erfahrungen mit Fracking habe. Nack hatte bei der Bürgerversammlung in Lünne jedoch erläutert, dass horizontal verlaufende Lagerstätten von unkonventionellem Erdgas, das in Schiefergestein eingeschlossen ist, wie sie in Lünne vorgefunden wurden, noch nicht gefract worden seien. „Ein Versuchsfeld in Lünne, das können viele Bürger nicht nachvollziehen“, sagte Rolink. Dieses lehnt auch Hummeldorf ab: „Ein Versuchsfeld werden wir nicht akzeptieren.“
Ergebnisse abwarten
In seiner Stellungnahme betonte der Samtgemeindebürgermeister, dass vorab zu klären sei, ob in Lünne Erdgas im Fracking-Verfahren überhaupt wirtschaftlich gefördert werden könne. Hummeldorf verwies darauf, dass zentrale Punkte einer Resolution, die Samtgemeinde, die Gemeinde Lünne und die IG Anfang 2011 verfasst hatten, erfüllt worden seien. Unter anderem sei der Arbeitskreis eingerichtet worden.
Ausdrücklich begrüße die Samtgemeinde die Aussage Kalkoffens, dass Exxon das Ziel habe, spätestens in zwei Jahren auf giftige Stoffe beim Fracking verzichten zu können. Diese Tendenz habe sich im Arbeitskreis bereits abgezeichnet. Während der letzten Sitzung des Gremiums sei seitens Exxon nochmals bestätigt worden, dass es nur zum Fracking käme, wenn der Expertenkreis „grünes Licht“ gebe, so Hummeldorf. Eine Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Gemeinde und Samtgemeinde in einem möglichen Antragsverfahren sei zugesichert worden.
Insofern blieben die Ergebnisse des Arbeitskreises abzuwarten, so Hummeldorf. Über die weitere Vorgehensweise sei dann in den politischen Gremien in Abstimmung mit den Bürgern und der IG „Schönes Lünne“, deren Öffentlichkeitsarbeit der Samtgemeindebürgermeister ausdrücklich lobte, zu entscheiden. „Exxon Mobil bleibt jedoch weiterhin in der Verpflichtung und steht unter genauer Beobachtung“, so Hummeldorf abschließend.
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