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Glaubenskämpfe: Diskussionsabend der Kolpingfamilie Ankum
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Autor: Sigrid Schüler-Juckenack 31. Januar 2012 19:28 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Es geht nur scheinbar um Religion

Glaubenskämpfe: Diskussionsabend der Kolpingfamilie Ankum

Ankum. Welche Ursachen haben Ausschreitungen gegen Christen in islamischen Ländern? Wie sieht das Leben dieser Christen aus? Können sich sie frei entfalten, auch im Glauben? Wie könnte eine Unterstützung christlicher Glaubensgemeinschaften aussehen? Diesen Fragen ging Dieter Tewes vom missionarischen Dienst, Bistum Osnabrück, nach. Er war auf Einladung der Kolpingsfamilie Ankum zu einem Diskussionsabend ins Haus Kirchburg gekommen.

 
Dieter Tewes (links) mit dem Organisator des Abends, Burkhard Wehage. Foto: Sigrid Schüler-Juckenack  Vergrößern

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Ursachen für Auseinandersetzungen seien meist politisch bedingt und nicht religiös, erklärte Tewes, der nach eigenen Worten die Situation von Christen in islamisch geprägten Kulturen gut kennt.

Wie auch der Konflikt um Nordirland ein Konflikt zwischen Iren und Briten sei und nicht zwischen Katholiken und Protestanten, gehe es in vielen Konflikten nur scheinbar um die Religion. „Mit Religion kann man Emotionen schüren“, erklärte Tewes, und zur Durchsetzung eigener Belange seien politische Führer oft daran interessiert, Konflikte in Gang zu halten. Zu diesem Zweck würden Religionen instrumentalisiert.

Allgemein sei festzustellen, dass Religionen allgemein einen absoluten Anspruch als einzig wahren Glauben haben. Das sei im Christentum nicht anders als im Islam. Der Islam habe sich seit seiner Gründung als politische Religion verstanden, mit dem Ideal, dass Religion und staatliche Gewalt eins sei. Ein Blick zurück in unsere Geschichte zeige uns aber, dass es hier im Mittelalter mit dem Christentum ganz ähnlich gewesen sei, denn Menschen, die mit dem Kirchenbann belegt worden seien, seien auch immer in die Reichsacht gefallen.

Kulturen wie auch Religionen seien früher geschlossene Gesellschaften gewesen, und jeder Stamm oder jede Gruppe, die zusammengehöre, habe in der Regel auch eine gemeinsame Religion. Es sei aber eher die Fremdheit der Kulturen, die abstoße und Angst mache, nicht unbedingt die Fremdheit der Religionen. Die Angst vor einer anderen Kultur führe zu Spannungen, und es sei festzustellen, dass es nicht nur Fremdenfeindliches in islamischen Ländern gebe, sondern auch hierzulande, wie die Morde an türkischen Mitbürgern zeigten.

Da sich heute die Völker in einer globalisierten Welt zunehmend mischen, gebe es immer wieder Spannungen. Zusätzliches Problem sei, dass die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht überall zeitgleich ablaufen. Viele Menschen seien nur schlecht oder gar nicht gebildet, und die moralischen Vorstellungen und Ansprüche seien höchst unterschiedlich. Während hier alles infrage gestellt werden könne, auch der Glaube, habe er in Afrika nicht einen Menschen getroffen, der ungläubig sei, wenn auch nicht unbedingt christlichen Glaubens, berichtete Tewes. Nicht zu glauben sei in Afrika undenkbar.

Auch die islamische Welt mache Veränderungen durch und werde sich weiterentwickeln, erklärte der Referent. Die Entwicklung sei schon im Gange, vielleicht nicht immer in die Richtung, die wir gut finden, aber das sei Demokratie, und das müsse man aushalten. Man müsse Veränderungen Zeit geben und solle sich selbst auch eingestehen, dass Muslime mit ihren anderen Moralvorstellungen durchaus erkennen, dass vieles hier in unserer Kultur eben tatsächlich nicht in Ordnung ist.

Wenn christliche Gemeinschaften in Bedrängnis seien, so sei es wichtig, mit ihnen Solidarität zu üben. Sinnvoll sei, Beziehungen zu diesen Gemeinden zu pflegen und Besuche abzustatten. Auch finanzielle Hilfen seien hilfreich, damit Räumlichkeiten geschaffen und erhalten werden, in denen sich die Gemeinden treffen können. Nicht zuletzt müsse sich auch die Politik zu Missständen und Verfolgung äußern.

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