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Tippspiel
Balladen – von düster und verhangen bis heiter und harmonisch
Osnabrück. Balladen – da denkt man in der Musik wohl zuallererst an Frédéric Chopin. Doch den hatte Sofja Gülbadamova trotz des Titels „Balladen der Romantik“ nicht auf ihr Programm im Ameos-Klinikum gesetzt.
Sie beginnt ihr Konzert in der Reihe „Weltklassik am Klavier“ gleich mit Franz Liszt, und das erweist sich als kluger Einstieg. Mit der enorm virtuosen Ballade Nr. 2 in h-Moll zeigt sie nicht nur, wie mühelos sie mit technischen Schwierigkeiten fertig wird, sondern kostet auch die lyrischen Episoden intensiv aus und nimmt so schnell für sich ein.
Gleich fünf Balladen von Johannes Brahms folgen, darunter die vier Balladen op. 10. Alle sehr bekannt, doch zumindest im Konzert eher selten als kompletter Zyklus aufgeführt.
Das hat seinen Grund, denn er ist schwere Kost. Die einzelnen Stücke eher düster und verhangen, ist der gesamte Zyklus einigermaßen sperrig und daher schwer zu interpretieren. Sofja Gülbadamova wählt meist eher rasche Tempi und einen stets vorwärts drängenden Zugriff, um diesem Problem zu begegnen. Unterwegs beleuchtet sie dennoch viele Details. So glänzt der Mittelteil der dritten Ballade in mildem Licht, nachdem der Beginn zackig und eruptiv daherkam.
Der Schluss greift das Material des Anfangs wieder auf. Eindrucksvoll zeigt Sofja Gülbadamova, wie der Zorn und die Kraft, die den Anfang bestimmen, in sich zusammenfallen und schließlich der ausgeglichenen Ruhe der vierten Ballade weichen, die bei ihr in epischer Breite dahinströmt.
„Viel heiterer und harmonischer“ solle die zweite Hälfte des Konzerts werden, meint die Pianistin nach der Pause. Zunächst erklärt sie in einem starken Plädoyer, warum sie Gabriel Fauré für unterschätzt hält, und beginnt sogleich mit dessen sehr unbekannter Ballade Fis-Dur op. 19. Fauré, dem immer wieder mal dernicht sonderlich originelle Ehrentitel „französischer Brahms“ verliehen wird, erweist sich in diesem Werk viel sonniger als sein deutscher Kollege. Technisch ist die ziemlich lange Ballade kaum weniger virtuos angelegt als die Werke Liszts, dessen Lob sie auch ernte-te.
Liszts erste Ballade in Des-Dur bildet nach einem kurzen Frühwerk von Claude Debussy auch den Abschluss des Programms, sodass Sofja Gülbadamova in der zweiten Konzerthälfte noch einmal vor allem als Virtuosin glänzen kann.
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