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Osnabrücker NS-Opfer Friedrich Wilhelm Harstick übte tödliche Kritik am Hitler-Regime
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Autor: Jann Weber 27. Januar 2012 18:40 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Stolpersteine in Osnabrück

Osnabrücker NS-Opfer Friedrich Wilhelm Harstick übte tödliche Kritik am Hitler-Regime

Osnabrück. Ingeborg Harstick brachte Fotos und das Familienstammbuch mit zur Stolpersteinverlegung an der Dielingerstraße 24. Hier hat der Bruder ihres Schwiegervaters gewohnt: Friedrich Wilhelm Harstick, der Karl genannt wurde und ein Kritiker des NS-Regimes war. 1943 starb der Osnabrücker an den Folgen seiner Haft im Gefangenenlager Aschendorfermoor. Er wurde nur 29 Jahre alt.

 
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In diesem Haus lebte Friedrich Wilhelm Harstick. Die Dielingerstraße 24 heute. Fotos: privat/Jörn Martens Verachtete Hitler: Friedrich Wilhelm „Karl“ Harstick.

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1940 musste Friedrich Wilhelm Harstick zur Wehrmacht. Die Luftwaffe zog ihn ein zur Flakabteilung in Königsberg. Im Jahr darauf wurde er verhaftet und musste vor das Feldkriegsgericht. „Zersetzung der Wehrkraft“ in zwei Fällen lautete das Urteil. Dafür sollte der Osnabrücker für sechs Jahre ins Zuchthaus. Außerdem wollte das Gericht ihm für fünf Jahre die Ehre entziehen. Damit verlor er seine bürgerlichen Rechte.

Die Reichsjustizverwaltung brachte Friedrich Wilhelm Harstick in das Lager II nach Aschendorfermoor. Was er während der Haft erleben musste, kann niemand mehr berichten. Doch ist überliefert, dass er im Februar 1943 unter einer eitrigen Rippenfellentzündung litt. Der Osnabrücker wurde ins Papenburger Marienhospital eingeliefert. Etwa fünf Wochen später war er tot.

„Karl“ Harstick war zum politischen Opfer der Nationalsozialisten geworden. Seine Frau schrieb Mitte der 1950er-Jahre in einem Brief an die Entschädigungsbehörde der jungen Bundesrepublik über ihren Mann: „Er hat schon vorher und vor allem bei der Wehrmacht aus seiner Abneigung gegen Hitler kein Hehl gemacht. Er beklagte sich verschiedentlich darüber, dass seine Vorgesetzten bei der Wehrmacht ihn deswegen nicht leiden können und schlecht behandeln. Wegen dieser staatsfeindlichen Äußerungen, die angeblich auch die Wehrkraft zersetzten, wurde er dann zu der hohen Zuchthausstrafe verurteilt. Dass diese Angelegenheit eine reine politische war, geht aus der Tatsache hervor, dass sämtliche Bezüge sofort eingestellt wurden, selbst das Kindergeld.“

Anne-Katrin Krüger, Patin des Stolpersteins für Friedrich Wilhelm Harstick, berichtete über die Schwierigkeiten bei Entschädigungen für Menschen, die der Wehrmacht zum Opfer gefallen waren: „Die Ämter in den 1950er-Jahren waren so kleinlich! Die Menschen, die Widerstand geleistet haben, sind lange nicht gewürdigt worden.“ Für die Patin ist die Stolpersteinverlegung eine späte Wiedergutmachung.

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