·
Digitalabo·
Shop·
Tippspiel
In der Tiefe des evangelischen Kirchenraumes
Osnabrück. Bischof Ralf Meister liebt die Nähe zu den Menschen. So hat er es als Generalsuperintendent in Berlin gehalten, als er alle 80000 Gemeindeglieder persönlich angeschrieben hat. Und so hält er es auch als neuer Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Alle 57 Kirchenkreise will er innerhalb von 18 Monaten besuchen. Ein Marathonreisender. Am 1. Februar wird er im Osnabrücker Land eintreffen. Fünf Tage hat er sich für Begegnungen Zeit genommen.
Am 26. März 2011 ist Ralf Meister als sechster Landesbischof in der Marktkirche in Hannover in sein neues Amt eingeführt worden. Damit verzichtete er zugleich auf die „Worte zum Sonntag“ in der ARD, die ihn bekannt gemacht haben. Landesbischöfe halten sich hier traditionell zurück.
Dafür ist Ralf Meister nun auf großer Tour im Gebiet seiner Landeskirche mit ihren drei Millionen Mitgliedern. Im Osnabrücker Land wird der Bischof es mit vier Kirchenkreisen zu tun bekommen, die sich gerade neu organisieren und zusammenfinden. So ist erst im Oktober der „evangelisch-lutherische Kirchenkreisverband Osnabrück-Stadt und -Land“ gegründet worden. Unter diesem Dach wird ein neues, zentrales Kirchenamt für alle Kirchenkreise in Osnabrück am 1. Januar 2013 seine Arbeit aufnehmen. Auch die Diakonie in den vier Kirchenkreisen arbeitet künftig als gemeinnützige GmbH stärker zusammen, wobei sich die Diakonie Bramsche nur mit der Fachstelle Sucht angliedert, ansonsten aber eigenständig bleibt. Schließlich werden 2013 aus den vier Kirchenkreisen drei.
All diese Zusammenschlüsse und Kooperationen stehen unter einer Überschrift: „Evangelisch im Osnabrücker Land“. Größere Einheiten bedeuteten größere Chancen. Sie trügen dazu bei, die evangelische Vielfalt in den Gemeinden zu erhalten, und sie böten neue Möglichkeiten der Vernetzung. Mit solchen Sätzen haben die Verantwortlichen für die Gründung des Kirchenkreisverbandes geworben – schließlich wollen sie möglichst alle Gemeindeglieder mit ins neue Kirchenflaggschiff holen. Und weiter: Mit der Gründung des Kirchenkreisverbandes gebe es nun eine demokratisch entwickelte Struktur und einen rechtlichen Rahmen, der weitere inhaltliche Arbeit ermögliche – sei es bei der Fortbildung für Ehrenamtliche in den Gemeinden oder der professionellen Hilfe für die Stiftungen und Fördervereine, wie die Georgsmarienhütter Superintendentin Doris Schmidtke erklärt, die Vorsitzende des neuen Kirchenkreisverbandsvorstandes ist.
Dass es auch Skepsis gibt und wohl auch weiterhin geben wird, ist angesichts der Größe der Vorhaben verständlich. So hat der Kirchenkreis Bramsche allein 43068 Gemeindeglieder in 18 Gemeinden sowie 474 Mitarbeiter. Im Kirchenkreis Georgsmarienhütte sind es 46706 Gemeindeglieder, ebenfalls 18 Gemeinden und 415 Mitarbeiter. Der Kirchenkreis Melle kommt auf 39317 Gemeindeglieder, 15 Gemeinden und 762 Mitarbeiter, der Kirchenkreis Osnabrück wiederum hat 49611 Gemeindeglieder, 15 Gemeinden und 491 Mitarbeiter. In den vier Kirchenkreisen gibt es zudem 55 Kindergärten, 23 selbstständige und unselbstständige Stiftungen und 24 Fördervereine. Darüber hinaus sind 10000 Menschen ehrenamtlich engagiert. Zahlen, die davon zeugen, dass „Evangelisch im Osnabrücker Land“ sozial, wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch ein wichtiger Faktor ist.
Damit das alles auch vor dem Hintergrund der sinkenden Einnahmen künftig so bleibt, haben sich die Kirchenkreise und Gemeinden auf die skizzierten neuen Wege gemacht. Unter anderem geht es auch darum, künftig Verwaltungskosten zu sparen. Sechsstellige Summen stehen hier pro Jahr im Raum – Geld, das an anderer Stelle besser eingesetzt werden kann. Personal werde nicht abgebaut. „Kein Angestellter wird seinen Arbeitsplatz verlieren“, betonte der Osnabrücker Superintendent Friedemann Pannen im Oktober bei der Gründung des neuen Kirchenkreisverbandes. Eine wichtige Botschaft.
Der Besuch von Bischof Ralf Meister könnte nun dieses Zusammenwachsen der vier Kirchenkreise weiter beflügeln. „Unsere gemeinsame Einladung und Programmplanung für den Bischofsbesuch zeigt deutlich, wie weit unser Kooperationsprozess vorangeschritten ist“, so Doris Schmidtke. Insbesondere das Treffen der vier Kirchenkreistage mit dem Bischof in Melle sei ein herausragendes Ereignis und eine gute Chance, sich gegenseitig wahrzunehmen und kennenzulernen. Speziell über dieses Treffen freut sich auch als Gastgeber der Meller Superintendent Wolfgang Loos, wie er bei einem Vorbereitungstreffen zum Bischofsbesuch erklärte.
Der Bramscher Superintendent Hans Hentschel wiederum hält den Besuch des Landesbischofs aus zwei Gründen für wichtig. Zum einen könne dem Gast ein gut aufgestellter Kirchenkreis präsentiert werden, der sich auf die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den Nachbarkirchenkreisen freue, der aber auch an seinem eigenen Profil arbeite. Wichtig sei hier vor allem das Engagement für eine gemeindenahe Kreissozialarbeit. Zum anderen werde der Bischof erleben, dass sich der Bramscher Kirchenkreis in Aufbruchstimmung befinde und sich darauf vorbereite, die acht Gemeinden aus dem Altkreis Wittlage, die noch bis zum 31. Dezember zum Kirchenkreis Melle gehörten, willkommen zu heißen.
Anders ausgedrückt: Ralf Meister wird „Evangelisch im Osnabrücker Land“ als eine vitale Gemeinschaft erleben, die sich gerade neu erfindet. Der Fan des Hamburger SV wird deshalb auch gefordert sein, einen guten Pass in die Tiefe des evangelischen Kirchenraumes zu spielen, den die Gemeinden in den Kirchenkreisen in einen gemeinsamen Treffer verwandeln können.
Mehr Lokales





